Handhabungstechnik
Fördern durch Zittern
Im Jahre 1802 soll der Werkzimmermeister Ursz aus Naguag in SiebenbÃrgen eine ,,Vibrationstrommel" erfunden haben. Darin fÃrderte er kleine MetallgegenstÃnde mit Hilfe von Schwingungen. Die Teile wanderten erst zur Wand der Schwingtrommel und dann wendelaufwÃrts. Teile in einer Falschlage fielen automatisch wieder in die Trommel zurÃck. Der Antrieb konnte damals nur mechanisch erfolgen, denn der Elektromagnet wurde erst 1825 in England erfunden (als Gleichstrommagnet). Einfache Geradschwingrinnen mit einem ,,RÃttelwerk" zum Transport von KÃrnern in MÃhlen gab es aber schon etliche Jahrhunderte frÃher. Wie die Vibrationstrommel auch ausgesehen haben mag: Der VibrationswendelfÃrderer feiert in diesem Jahr offenbar seinen 200. Geburtstag.
Ordnen oder Sortieren?
Man hat den VibrationswendelfÃrderer schon viele Namen gegeben, wie Ordnungsautomat, SortiergerÃt, SchÃtteltopf, SchwingfÃrderer oder mehr volkstÃmlich: Brummtopf. Er wird vorzugsweise als FÃrderer fÃr Kleinteile eingesetzt. Das sind hauptsÃchlich Teile bis 0,5 kg Masse, bis 50 mm Durchmesser und bis 180 mm LÃnge. Es gibt aber auch AusfÃhrungen fÃr 5 kg schwere SchmiederohstÃcke. Sie werden dann nur gefÃrdert, aber nicht geordnet. Als ,,Ordnen" wird ein Vorgang bezeichnet, bei dem ein KÃrper aus einer unbestimmten in eine vorgegebene Orientierung und Position bzw. Bewegungsrichtung gebracht wird. Die zu ordnenden KÃrper sind in der Regel gleichartig (Bild 1).
Beim Sortieren wird dagegen eine Menge von Teilen in Sorten getrennt, d.h. bestimmten Merkmalsklassen zugeordnet. Als Sortierparameter kann man z.B. Farbe, Abmessungen und andere produktionswichtige Eigenschaften verwenden. Im Ergebnis gibt es immer zwei oder mehr Sorten. Der Teilestrom verzweigt sich.
Infrastruktur vorhanden
Der bloÃe VibrationsfÃrderer genÃgt nicht, um eine ZufÃhraufgabe zu lÃsen. Es wird auch ein technisch-organisatorisches Umfeld gebraucht, mit GerÃten und Verfahren fÃr die vor- und nachgelagerten Funktionsbereiche. Diese Bereiche sind klar gegliedert und man kann sie aus Bild 2 ersehen. Die ZufÃhrstrecke kann Ãbrigens auch noch nach dem Weitergeben mit einer Einlegeeinrichtung ergÃnzt sein. AuÃerdem kann alles auf einer gemeinsamen Grundplatte montiert sein, so dass man einen einsatzfertigen ZufÃhrmodul erhÃlt.
Manchmal ergeben sich auch einfache LÃsungen, wenn man Funktionselemente unmittelbar am Vibrator ansetzen kann. Dazu zeigt das Bild 3 eine LÃsung. Der Zuteiler wird von einem pneumatischen Schwenkantrieb bewegt. Im Rhythmus der Prozessstation wird jeweils ein WerkstÃck zugeteilt (vereinzelt). Der RÃckstau von nachdrÃngenden WerkstÃcken bereitet dabei keine Probleme, weil es dadurch nicht zu einer Ãberlastung des Schwingsystems kommen kann. Wichtig ist, dass es keine feste Verbindung des Zuteilers zum Wendelauslauf des FÃrderers gibt. Das wÃrde das Schwingverhalten des Aufsatzbunkers beeintrÃchtigen.
OrdnungsvorgÃnge werden heute auch immer mehr mit Bilderkennungssystemen kombiniert, besonders dann, wenn mehrere Objektmerkmale zu unterscheiden sind. Dann wird der SchwingfÃrderer meist nur zum FÃrdern, hÃchstens aber zum Ausrichten der Teile in Vorzugsrichtung ausgenutzt. Auf diesem Weg werden hohe ZufÃhrleistungen erreicht und auch eine beachtliche FlexibilitÃt. Allerdings werden meistens Schattenbilder der WerkstÃcklagen ausgewertet. Es gibt aber auch Ordnungsmerkmale, die in der Silhouette unsichtbar bleiben und so nicht erkannt werden kÃnnen. Oft ist es aber gar nicht so schwierig, solche Teile mit mechanischen Ordnungselementen zu ordnen. Das Bild 4 zeigt dazu ein WerkstÃck und den Ablauf beim Ordnen mit Hilfe eines speziellen Ordnungselementes, das auf das WerkstÃckmerkmal zugeschnitten ist. Alle Teile mit der Nut nach oben verlieren den Halt beim Ãberqueren der Schiene und fallen in den AufsatzbehÃlter zurÃck. Ein Vorzug der LÃsung ist auÃerdem, dass die einmal geordneten Teile sofort in einer Magazinrinne weitergefÃhrt werden kÃnnen. Der reibungslose Ãbergang vom geordneten Teil in den magazinierten Zustand ist nicht immer einfach und zuverlÃssig zu erreichen.
Auf leisen Sohlen
Man kann eine schwingende Platte mit einem BÃrstenbelag ausrÃsten, wie es Bild 5 zeigt. Die Borsten stehen im Winkel von etwa 70ú schrÃg. Als Schwingantriebe werden Linearschwinger eingesetzt oder bei grÃÃeren Schwingplatten auch Antriebe von VibrationswendelfÃrderern, die eine Hub-Dreh-Schwingung ausfÃhren.
Setzt man mehrere Borstenfelder mit der Borstenneigung in FÃrderrichtung zu einem Parcour zusammen, so ergibt sich ein FlÃchenspeicher. Es lÃsst sich so ein sinnvoller WerkstÃcklauf organisieren, der keiner ausgeklÃgelten Steuerung bedarf (Bild 6). Aufgegebene Teile wandern zum Ausgang und werden abtransportiert. Staut sich eine WerkstÃckschlange am Auslauf, rÃcken die Teile von selbst zur parallelen RÃcklaufbahn und kreisen solange, bis fÃr sie der Abruf erfolgt. Ein solcher Speicher ist fÃr viele Teile ohne bauliche VerÃnderung brauchbar. Die Teile werden geschont, der Transport verÃlter Teile ist mÃglich, Ordnungselemente kÃnnen eingebaut werden, die Bewegung ist leise und die FÃllmenge beeinflusst die FÃrderleistung nicht.
Dass es heute auch einige konkurrierende ZufÃhrgerÃte mit anderer FÃrder- und Ordnungstechnik gibt, hat der AttraktivitÃt des VibrationswendelfÃrderers keinen Abbruch beschert. Und so zÃhlt er auch am 200. Geburtstag zu den immer noch interessanten und effektiven Rationalisierungsmitteln.Stefan Hesse









