Industrieroboter
Oberflächenbearbeitung automatisieren
Der Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen des WZL der RWTH Aachen entwickelt ein Framework zur automatisierten Programmierung von Industrierobotern für die Oberflächenbearbeitung.
Die Oberflächenbearbeitung von Bauteilen ist ein wichtiger Schritt in der Herstellung vieler Produkte. Dazu gehören zum Beispiel die Nachbearbeitung von Gussteilen oder von Schweißnähten, die Vorbereitung für das Beschichten oder das Polieren von Kratzern. Während diese Aufgaben in der Automobil- und Luftfahrtindustrie zunehmend Roboter übernehmen, werden sie in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen noch manuell durchgeführt. Diese Tätigkeiten sind oft körperlich anstrengend und durch Schleifstäube oder Zwangshaltungen gesundheitlich belastend, sodass zu erwarten ist, dass sich der Fachkräftemangel besonders stark in diesen Bereichen auswirkt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Produktqualität und Prozesseffizienz. Die roboterbasierte Automatisierung von Schleif- und Polierprozessen bietet daher große Potentiale, stellt jedoch häufig eine große Herausforderung dar. Geringe Stückzahlen und hohe Produktvariabilität führen zu einem potenziell hohen Programmieraufwand bei der Rekonfiguration der Anlage. Viele Bearbeitungsaufgaben erfordern eine Inspektion der Werkstücke, die sensorische und kognitive Fähigkeiten, wie das menschliche Sehen und Fühlen, erfordert. Dieses Domänenwissen der Fachkräfte, wie eine Aufgabe ausgeführt wird, ist schwer in ein Roboterprogramm zu überführen, da Bearbeitungsaufgaben meist intuitiv und iterativ durchgeführt werden.
Angesichts dieser Herausforderungen ist ein menschzentrierter Ansatz erforderlich, durch den das Wissen der Fachkräfte über intuitive Schnittstellen in das System einfließen kann. Darüber hinaus ermöglicht ein modulares Konzept die Gliederung in drei Prozessschritte, von der Inspektion der Werkstücke, der Auswahl geeigneter Bearbeitungsparameter bis hin zu Bahnplanung des Roboters.
I. KI-basierte Bauteilinspektion
Zur automatisierten Erkennung von Oberflächenmängeln wie beispielsweise Kratzern sind eine flexible Kinematik für verschiedene Beleuchtungs- und Kamerawinkel sowie ein intelligenter Algorithmus zur Bildverarbeitung erforderlich. Herkömmliche Bildverarbeitung ist wegen der Vielzahl an Bauteilen und variierenden Bedingungen unwirtschaftlich, da sie ein aufwändiges, manuelles Parametertuning erfordert. Hier kommen Deep-Learning-Modelle wie Yolo ins Spiel. Diese benötigen jedoch eine große Menge an Bilddaten, deren Labeling einen hohen manuellen Aufwand mit sich bringt. Dieses Problem lässt sich durch die Nutzung synthetischer Daten lösen. Eine automatisierte Pipeline ermöglicht die Modellierung von Werkstücken basierend auf CAD-Modellen und anderen Produktionsdaten.
II. Bearbeitungsstrategie
Nach der Inspektion von Werkstücken werden Entscheidungen über den Bearbeitungsprozess getroffen, wie die Wahl des Werkzeugs und der Bearbeitungsstrategie (Werkzeugbahn, Anpressdruck, Winkel). In manuellen Prozessen basiert dies auf Wissen und Erfahrung des Bedieners. In automatisierten Systemen übernimmt ein Prozessleitsystem diese Aufgabe. Dieses System benötigt eine Wissensbasis, sodass basierend auf einem Ist- und einem Zielzustand die erforderlichen Bearbeitungsprozesse inklusive der notwendigen Parameter vorgeschlagen werden können.
III. Bahnplanung
Die generierte Bearbeitungsstrategie umfasst die Position der Bearbeitungsstellen, eine Liste von Bearbeitungsschritten sowie Werkzeuge und Parameter. Die genaue Trajektorie, die der Roboter abfährt, ist jedoch noch nicht definiert. Normalerweise wird die Programmierung von Werkzeugpfaden mit CAM-Software basierend auf CAD-Daten durchgeführt. Diese Methode ist jedoch ein Offline-Programmierverfahren und somit nicht für adaptive Trajektorien geeignet. Daher ist eine prozessparallele, automatisierte Generierung von Bearbeitungspfaden notwendig. Dies kann auf Basis verschiedener Bibliotheken, vor allem Bewegungsplanern, die in Robotik Frameworks integriert sind, realisiert werden.
Die Rolle des Menschen
Die Automatisierung von Oberflächenbearbeitungsoperationen stellt je nach Anwendungsfall unterschiedlich hohe Anforderung an die drei genannten Themenschwerpunkte. Ein menschzentrierter Ansatz ermöglicht es, den Menschen flexibel in das System zu integrieren, Prozesse zu überprüfen und die einzelnen Module sukzessive zu verbessern. So können im ersten Modell reale Bilder gelabelt und die synthetische Bilddatenbasis damit angereichert werden, um den Bildverarbeitungsalgorithmus zu verbessern. Anpassungen im Wissensmodell bezüglich geeigneter Parameter können angepasst oder Trajektorien modifiziert werden. Somit wird eine Grundlage für eine automatisierte Programmierung geschaffen, die sich sukzessive an einzelne Use-Cases anpassen lässt.
Josefine Monnet, M. Sc., Oliver Petrovic, M. Sc., Dr.-Ing. Werner Herfs










