Schwerpunkt Logimat
Per Shuttle zum Versand
Ein junges Unternehmen revolutioniert die Auftragsabwicklung mit autonomen Shuttles, KI-gestützter Lagerorganisation und wartungsfreien Komponenten. 250 Fahrzeuge sorgen auf 18.000 m² für effiziente, nahezu vollautomatisierte Prozesse.
Im Jahr 2021 gründeten Dieter Büchl, Rupert Koch und Leopold Meirer das Unternehmen Advastore mit dem Ziel, den Fulfillment-Prozess – die Auftragsabwicklung von der Bestellung bis zur Lieferung – zu automatisieren und zu revolutionieren. Angefangen haben die Gründer und ihr Team in einer Garage in Oberbayern. Vom Basteln in der Garage ist nicht mehr viel übrig. Vom Advastore-Versandzentrum im hessischen Niederaula beliefert das Unternehmen heute auf einer Fläche von 18.000 m2 Kunden aus ganz Deutschland. Dass sich die Halle in Niederaula befindet, ist kein Zufall: Der Ort liegt genau in der Mitte der Bundesrepublik unweit der A7 – ein perfekter Ausgangspunkt für Logistikunternehmen.
Das Geheimnis von Advastore ist die manuelle Vereinzelung zu Beginn des Einlagerungsprozesses. Jedes Produkt wird aus dem Karton genommen und einzeln auf ein Laufband gestellt. Ein autonomer Roboter – das Advashuttle – holt die Produkte ab und bringt sie über ein weit verzweigtes Netz in das große Lager. Die batteriebetriebenen Advashuttles müssen sich dabei jedoch aus eigener Kraft nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen bewegen können. Um das zu realisieren, hat Advastore seine Logistik vollständig mit schmierfreien und somit wartungsfreien Zahnstangen von Igus ausgestattet, die den Shuttles den Weg durch die Anlage ermöglichen. Auch die Shuttles selbst nutzen mehrere Produkte des Kölner Spezialisten.
Verschiedene Herausforderungen gemeistert
250 Advashuttles flitzen derzeit durch die großen Logistikhallen und bringen die Produkte nach erfolgter Vereinzelung sicher und zuverlässig ins Lager. Nach einer Bestellung holen die autonomen Fahrzeuge sie dort wieder ab und bringen sie zur Verpackungsstation. Im Prozess sollte möglichst nichts schiefgehen, schließlich sollen die Produkte möglichst zeitnah bei den Kunden vor Ort sein.
In der Entwicklung hatten Mathias Magg und sein Team verschiedene Herausforderungen zu bewältigen. Zum einen war da die schiere Menge an Shuttles: "Wir mussten kostensensitiv arbeiten", sagt Magg. Zudem durften die Fahrzeuge ein gewisses Gewicht nicht überschreiten. Schon 2022, zwei Jahre nach Gründung des Unternehmens, legte Advastore in Niederaula den Grundstein für das große Logistikzentrum. Bereits ein Jahr später ging das große Fulfillment-Center in Betrieb. "Eine schnelle Entwicklung war deshalb ganz entscheidend für den Erfolg", sagt Magg. In Igus hat das Advastore-Team den richtigen Partner gefunden. Sebastian Mayer, der technische Verkaufsberater von Igus für Advastore, kam bereits früh zum Unternehmen, als noch die ersten Schritte in Oberbayern gegangen wurden. Mayer war begeistert von dem Konzept, das ihm dort begegnete. "Das Single-Product-Handling ist in der Branche einzigartig", sagt er. Gemeinsam machten sich Advastore und Igus also an die Arbeit und realisierten viele Ver- sionen der Shuttles. "Bevor eine Version fertiggestellt war, dachten wir bereits an die nächste", erinnert sich Mathias Magg.
Wartungsfreiheit im Vordergrund
Ein Fokus in der Entwicklung lag auf der Langlebigkeit der Shuttles. "Man möchte das Shuttle nicht regelmäßig aus dem Betrieb nehmen und die Lagerstellen schmieren müssen", sagt Mathias Magg. Aus diesem Grund hat sich Advastore für die wartungs- und schmierfreien Zahnräder und -stangen aus dem Werkstoff Xirodur B180 entschieden. Die Zahnräder sind in den Shuttles verbaut und greifen zuverlässig in die Zahnstangen. Das macht es möglich, dass sich die Advashuttles aus eigenem Antrieb auch in der Vertikalen bewegen können. Xirodur B180 zeichnet sich durch seine geringen Reibwerte als verschleißfester Dauerlauf-Werkstoff aus, das Material ist schwingungsdämpfend und bei Temperaturen von –40 °C bis 100 °C einsetzbar. Igus hat die verschiedenen Zahnräder individuell nach Kundenwunsch gefertigt. Das Unternehmen bietet die Bauteile sowohl aus dem Spritzgussverfahren, durch Fräsen aus Halbzeugen oder im 3D-Druck an. Die Igus-Experten beraten dazu individuell nach den jeweiligen Anforderungen der Anwendung.
Die Zahnräder und -stangen sind aber nicht die einzigen Igus-Produkte, die Advastore in seinem System verbaut hat. An verschiedenen Stellen in der Anlage befinden sich Energieketten des Unternehmens, in den Shuttles sind außerdem Iglidur-Gleitlager und Drylin-Spindeln mit den dazugehörigen Muttern verbaut. Hinzu kommen die Drylin-N-Gleiter sowie kundenindividuell spritzgegossene Gleiter. "Wir haben diverse Bauteile von Igus verwendet", sagt Mathias Magg. Das liege auch an der engen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit der beiden Unternehmen. Denn neben der zielgerichteten Beratung habe auch die schnelle Lieferzeit überzeugt. "Man begegnet sich auf Augenhöhe", erläutert der Entwickler. Magg erinnert sich an eine Situation, als es in der Anlage nach wenigen Tagen zu einem auffallenden Quietschen kam. Der Grund: Zahnstange und Zahnrad waren aus demselben Material gefertigt. Magg und Mayer wechselten das Material aus, das Problem war beseitigt.
Automatisierte Logistik in Niederaula
Auch dank der zuverlässigen Igus-Bauteile ist es Advastore nun möglich, das riesige Versandzentrum nahezu vollautomatisiert zu betreiben. Trotz der Größe arbeiten vor Ort lediglich 30 Personen, der größte manuelle Aufwand ist die Vereinzelung der Produkte. Ab dann macht sich die automatisierte Maschinerie an die Arbeit. Direkt zu Beginn des Prozesses wird das Produkt fotografiert und damit auf Schäden überprüft. Anschließend greift das Advashuttle das Produkt und passt sich dabei präzise an die Größe des Produkts an. Danach macht sich das Shuttle auf den Weg ins große Lager. Dabei stehen Produkte gleichen Typs keinesfalls zusammen, eine künstliche Intelligenz organisiert das Lager selbstständig. Das führt dazu, dass der zur Verfügung stehende Platz optimal ausgenutzt wird. Das Logistiksystem lernt mit: Produkte, die häufig gekauft werden, lagert das Shuttle näher an der Ausgabe ein, andere Produkte weiter hinten in der Halle. Eine weitere Besonderheit des Lagers ist der deutlich reduzierte Sauerstoffgehalt in der Halle, etwa entsprechend der Luft auf dem Gipfel des Mount Everest. Die geringe Sauerstoffsättigung verhindert, dass sich Brände ausbreiten. Das innovative Konzept tritt damit an die Stelle von Sprinkleranlagen, die im Brandfall großen Schaden in der Anlage und an den Produkten anrichten würden. Nach getaner Arbeit fährt das Shuttle zurück und nimmt die nächsten Produkte auf oder fährt zur großen Ladestation, wo es mit einem neuen Akku und damit frischer Energie ausgestattet wird.
Die Shuttles kommen so gut an, dass Advastore die Lösung nun auch als Produkt für andere Logistiker anbieten möchte. "Wir sehen ein sehr starkes Interesse auf dem Markt", sagt Mitarbeiter Sebastian Schloemp. Die Erfahrungen, die Advastore in Niederaula macht, sind dafür essenziell. In der Weiterentwicklung liegt der Fokus auf mehr Traglast und höherer Geschwindigkeit. "Zudem müssen wir die Verfügbarkeit der Shuttles weiter steigern", sagt Mathias Magg. Auch dann werden die Igus-Komponenten eine große Rolle spielen. "Igus bleibt für Advastore ein wichtiger Partner", versichert Mathias Magg.
LogiMat, Halle 3, Stand D21











