Krananlage
Individuelle Energieführung
Als ein Festoon-System zur Energieführung einer Krananlage mit einem Verfahrweg von 30 Meter ausgetauscht werden sollte, konzipierte Tsubaki Kabelschlepp ein Komplettpaket bestehend aus Kette und Leitungen, Führungskanal inklusive Unterkonstruktion sowie einer individuellen Mitnehmerlösung. Auch die Inbetriebnahme und Wartung des Energieführungssystems hat das Unternehmen übernommen.
Aluminium Norf, kurz „Alunorf“, betreibt das größte Aluminiumschmelz- und Walzwerk der Welt. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von warm- und kaltgewalzten Aluminium-Bändern, aus denen die Endkunden zum Beispiel Dosen, Folien, Offset-Druckplatten und Automobilteile fertigen. Rund 1,5 Millionen Tonnen gewalztes Aluminium verlassen jährlich das Werk im nordrhein-westfälischen Neuss, in dem rund 2.200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Der Hauptstandort wurde 1965 gegründet und umfasst inzwischen ein Gelände von rund 577.000 m². Dazu gehören drei große Produktionsbereiche: das Schmelzwerk mit dem Recyclingcenter, der Warmbandbereich und der Kaltbandbereich.
Vom Barren zum Coil in mehreren Schritten
Im Aluminiumschmelzwerk wird zunächst der Werkstoff zu Barren gegossen. Daraus entstehen im Warmwalzbereich Bänder mit einer Dicke von wenigen Millimetern und einer Länge von bis zu 2 km. Im Kaltwalzbereich werden die Bänder dann noch einmal auf eine Dicke von nur 0,15 mm heruntergewalzt – so dünn wie ein Blatt Papier. Im letzten Schritt werden die Aluminium-Bänder auf verschiedene Breiten zugeschnitten und auf Spulen aufgewickelt – sogenannte Coils. Rund 150.000 dieser Coils verlassen im Jahr das Werk.
Für die Handhabung der Coils hat Alunorf eine Anlage konzipiert, die als „Coil-Manipulator Eingang“ bezeichnet wird. Herzstück ist ein Kran, der das Handling der frisch gewalzten Aluminium-Coils direkt vor dem Hochregallager übernimmt. „Der Kran ist eine Schlüsselstelle in der Produktion und stellt hohe Anforderungen an die Anlagenverfügbarkeit“, erläutert Thomas Bellinghausen von Aluminium Norf. „Ein ungeplanter Ausfall blockiert bereits nach kurzer Zeit die vorgeschalteten Produktionsschritte und ist entsprechend kritisch.“
Entsprechend wichtig ist es, dass die Anlage stets auf dem neuesten Stand der Technik gehalten wird. 2021 widmete sich Alunorf deshalb dem in die Jahre gekommenen Schleppkabelsystem und holte dafür Tsubaki Kabelschlepp an Bord: „Wir haben in mehreren Bereichen Ketten von Tsubaki Kabelschlepp störungsfrei im Einsatz“, sagt Bellinghausen. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Produkte und die Dienstleistungen sind hervorragend.“ Im Wesentlichen gab es zwei Gründe für die Erneuerung der Energieführung: Einerseits waren neue Leitungen für die Datenübertragung hinzugekommen, die zusätzlich geführt werden mussten. Andererseits wollte man zeitgleich eine Sicherheitslücke schließen – der Mitnehmer des alten Festoon-Systems fuhr auf Stehhöhe und machte einen Aufenthalt während der Verfahrung etwa zu Wartungszwecken sehr gefährlich. „Es galt, den Mitnehmer so zu gestalten, dass der Lauf- beziehungsweise Wartungsgang während des Verfahrens der Anlage frei bleibt“, sagt Tobias Holschbach, Team Leader Application Engineering bei Tsubaki Kabelschlepp. „Eine weitere Anforderung war, die bestehende Struktur der Anlage aus statischen Gründen so wenig wie möglich zu verändern.“
Bewährte Energiekette mit individuellen Anpassungen
Die Experten von Tsubaki Kabelschlepp konstruierten und lieferten einen kundenspezifischen Unterbau. Somit ließen sich die Schnittstellen des alten Hängekabels wiederverwenden, und die neue Energiekette ließ sich problemlos montieren. Zum Einsatz kommen zwei Ketten des Typs MC0950 in gegenläufiger, gleitender Anwendung. Das macht es möglich, die Daten- und Stromleitungen separat zu führen und somit eventuelle Interferenzen zu verhindern. „Die M-Serie gehört zu unserer flexiblen Vario-Line“, erklärt Holschbach. „Es handelt sich dabei um eine multivariable Energieführung mit vielfältigen Stegvarianten.“ Die robusten Energieführungsketten überzeugen unter anderem durch eine besonders stabile Konstruktion der Laschen und einen minimierten Gelenkverschleiß durch das Topf-Deckel-Prinzip: Hierbei werden die Zug- und Schubkräfte nicht wie üblich über die Bohrung-Bolzen-Verbindung, sondern über das großflächige, gekapselte Anschlagsystem übertragen. Auswechselbare Gleitschuhe sorgen für eine lange Lebensdauer auch bei hoher Beanspruchung – wenn sie verschlissen sind, können sie einfach erneuert werden.
Komplett-Service von der Konzeption bis zur Inbetriebnahme
Das Service-Team von Kabelschlepp montierte und implementierte das Komplettsystem mit Ketten, Unterkonstruktion, Leitungen, Führungskanal und Mitnehmeranbindung während des weihnachtlichen Anlagenstillstands. „Gemeinsam mit Alunorf konnten wir so die Wiederverfügbarkeit der Anlage rechtzeitig zum Produktionsstart im neuen Jahr sicherstellen“, sagt Tobias Holschbach. Alunorf profitierte davon, dass bei diesem Projekt alles aus einer Hand erfolgte – vom Erstellen eines Konzeptes über die Konstruktion des Mitnehmerarms bis hin zur kompletten Installation der Kette und nicht zuletzt der Wartung. „Wir haben ein Komplettpaket beauftragt und erhalten“, sagt Thomas Bellinghausen. „Während der Projektabwicklung wurden wir mittels Zeichnungen und Vorortbegehungen über die einzelnen Schritte auf dem Laufenden gehalten. Probleme wurden direkt angesprochen, sodass wir gemeinsam Lösungen erarbeiten konnten.“
Inzwischen läuft die Energieführung reibungslos im Betrieb. Dabei zeigte sich eine weitere Verbesserung gegenüber der alten Lösung: Das Schleppkabelsystem zog den Kran kurz nach dem Stillstand immer noch einmal zurück, was einen negativen Einfluss auf die Positionierung der Automatikanlage hatte. Mit der neuen Energiekette gehört dieser Effekt der Vergangenheit an – das Ergebnis ist eine Beruhigung des gesamten Systems. Insgesamt also beste Noten für die neue Energieführung von Seiten Alunorf – und damit das auch so bleibt, hat das Unternehmen Tsubaki Kabelschlepp mit Routinewartungen beauftragt.











