Ursula Ida Lapp wurde 85 Jahre alt
Vom Klingeldraht zur Automation
Im Beisein von rund 500 Gästen feierte Ursula Ida Lapp im Bürgerhaus Möhringen in Stuttgart ihren 85. Geburtstag. Sie ist eine Frau, die deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat und eine große Unternehmerin. Mit Gespür für die Anforderungen des Marktes, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Oskar Lapp (1921 bis 1987) vor mehr als 50 Jahren ein Unternehmen mit internationalem Ruf geschaffen.
Zur Geburtstagsfeier am vergangenen Samstag waren Weggefährten, Freunde, Kunden, viele Mitarbeiter und natürlich die ganze Familie Lapp gekommen. „Unsere Mutter ist für uns ein großes Vorbild. Ihr Denken und Handeln ist auch heute noch geprägt von der Verantwortung gegenüber dem Unternehmen und der Familie sowie der gesellschaftspolitischen Verpflichtung, Dinge zum Besseren zu wenden“, würdigte Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding.
Gesellschaftspolitisches Engagement ist Ursula Ida Lapp auch heute noch besonders wichtig. So bat sie anlässlich der Feier um Spenden für die Oskar-Lapp-Stiftung. Sie besteht seit 1992 und wurde zu Ehren des verstorbenen Stuttgarter Unternehmers Oskar Lapp gegründet. Die Stiftung will jungen Wissenschaftlern zusätzliche Anreize bieten, sich gezielt im Bereich der Herz- und Kreislaufforschung zu engagieren, denn Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zählen auch heute noch zu den häufigsten Krankheiten und sind in Deutschland die Todesursache Nummer eins. Deshalb wird jedes Jahr der mit 12.000 Euro dotierte Oskar-Lapp-Forschungspreis vergeben. Zudem wird alle zwei Jahre ein Stipendium, das mit bis zu 20.000 Euro für Sachmittel ausgestattet ist, finanziert.
Die Erfolgsgeschichte der Stuttgarter Lapp Gruppe begann Ende der 50er Jahre. Ursula Ida Lapps Ehemann Oskar Lapp war ein Erfinder und Tüftler. „Mein Mann war gelernter Ingenieur und er hatte damals schnell mitgekriegt, dass sich die Elektromeister beim Anschließen der Leitungen schwer taten, die richtigen Aderenden zuzuordnen. Um die einzelnen Enden zu identifizieren, war ein umständlicher Prozess des so genannten Durchklingelns nötig. Zudem waren alle Adern grau oder schwarz, hatten sehr große Querschnitte und waren wenig flexibel“, erzählt die Unternehmensgründerin.
Die Lösungsidee von Oskar Lapp: Er erfand bunte Adern mit deutlich kleineren Durchmessern. Ein Wuppertaler Kabelhersteller produzierte nach der Konstruktion von Oskar Lapp die ersten Prototypen. Die erste industriell gefertigte Anschluss- und Steuerleitung war geboren. Dazu kam eine weitere Innovation: Das Ehepaar Lapp erfand auch den dazu passenden Markennamen Ölflex - welcher für besonders ölfeste und flexible Leitungen steht.
Ölflex war das richtige Produkt zur richtigen Zeit. Das Ehepaar Lapp setzte damit Qualitätsstandards, die in der Kabelproduktion bis heute weltweit gültig sind. Lapp bot sogar fertig produzierte Kabel mit bis zu 130 farbigen Adern an. Die Nachfrage war enorm. Bereits 1963 wurde die erste eigene Fabrik gegründet, um die Leitungen selbst zu fertigen. 1965 wurde der Firmensitz in die Schulze-Delitzsch-Straße in Stuttgart-Vaihingen verlegt – auch heute noch der Stammsitz des erfolgreichen Unternehmens.
Die Internationalisierung wurde unter der Führung von Ursula Ida Lapp fortgesetzt. Die Lapp Gruppe ist heute einer der führenden Anbieter von integrierten Lösungen und Markenprodukten im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie. Zum Portfolio der Gruppe gehören Kabel und hochflexible Leitungen, Industriesteckverbinder und Verschraubungstechnik, kundenindividuelle Konfektionslösungen, Automatisierungstechnik und Robotiklösungen für die intelligente Fabrik von morgen und technisches Zubehör. Der Kernmarkt der Lapp Gruppe ist der Maschinen- und Anlagenbau. Im Geschäftsjahr 2013/14 erwirtschaftete das Familienunternehmen einen konsolidierten Umsatz von 820 Millionen Euro. bw













