Motorstarter

Erich Fröhlich / am,

Motoren intelligent schalten und schützen

Hocheffiziente Drehstrommotoren kommen in immer mehr Anwendungsbereichen zum Einsatz. Auch in rauen Umgebungsbedingungen mit hohem Kurzschlussrisiko, etwa in der Lebensmittelindustrie. 

Die charakteristischen Vorteile des neuen e-Starters zeigen sich in kurzschlussgefährdeten Anwendungen, zum Beispiel in der Lebensmittelindustrie. © Siemens AG

Vollelektronische Motorstarter, wie sie Siemens mit dem Simatic ET 200SP e-Starter nun erstmals vorstellt, bieten in solchen kurzschlussanfälligen Umgebungen eine vielversprechende Lösung. Ob Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Intralogistik oder Maschinenbau – nicht zuletzt die aktuellen Ökodesign-Vorschriften der EU haben dafür gesorgt, dass hocheffiziente Drehstrom-Asynchronmotoren, kurz Drehstrommotoren, sich weiter durchsetzen und heute in allen Branchen für Bewegung sorgen. Störungen und Ausfälle können hier schnell zu erheblichen Schäden und Kosten führen. Vor diesem Hintergrund kommt Motorstartern eine wichtige Rolle zu: Sie starten Motoren zuverlässig und schützen diese vor Überlast und Kurzschlüssen.

Herkömmliche elektromechanische Schalt- und Schutzgeräten schalten dabei zwar sicher ab, das Gerät ist danach aber normalerweise nicht mehr betriebsfähig und die gesamte Anlage steht bis zum Austausch der Komponente still. Vor allem für Anwendungen mit generell erhöhtem Kurzschlussrisiko fehlte es bisher an einer echten Alternative.

Vor diesem Hintergrund brachte Siemens Smart Infrastructure 2024 erstmals einen vollelektronischen Starter mit Halbleitertechnologie auf den Markt: den Simatic ET 200SP e-Starter. Schon bisher ein führender Anbieter von hybriden Schaltgeräten, geht Siemens damit nun noch einen elementaren Schritt weiter mit einem vollelektronischen Produkt: Die Neuentwicklung, die in enger Abstimmung mit potenziellen Anwendern entstanden ist, nutzt Halbleitertechnologie mit SiC MOSFETS (Siliziumkarbid Metalloxid-Halbleiter-Feldeffekttransistoren) und kombiniert moderne Leistungshalbleiter, leistungsfähige Microcontroller und ultraschnell reagierende Elektronik. Auch das jüngst vorgestellte vollelektronische Schutzschaltgerät Sentron ECPD basiert auf diesem Prinzip.

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Voller Schutz in kurzer Zeit

Im Ergebnis zeichnet sich der Simatic ET 200SP e-Starter damit durch einen – im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen – bis zu tausendmal schnelleren Kurzschlussschutz aus und ist nahezu verschleißfrei. Dies gewährleistet dauerhaft Schutz für Motoren sowie andere Lastenarten und die damit betriebenen Applikationen. Die praktischen Vorteile liegen auf der Hand: Weil der vollelektronische e-Starter einen Kurzschluss in weniger als 5 µs erkennt und die Leistungshalbleiter abschaltet, kann bei einem Kurzschluss erst gar kein hoher und potenziell gefährlicher Kurzschlussstrom auftreten. Die elektrische Belastung des Abzweigs reduziert sich dadurch deutlich. Darüber hinaus können keine mechanischen Komponenten verschleißen. Das Gerät muss also nicht ausgetauscht werden, sondern ist nach der Fehlerbehebung sofort wieder einschaltbereit. Dies erhöht nicht nur Verfügbarkeit und Produktivität der Maschinen und Anlagen, sondern verringert auch den Aufwand und die Kosten für die Wartung und Lagerhaltung von Ersatzgeräten. Der integrierte Smart Start des Simatic ET 200SP e-Starters reduziert Anlaufströme deutlich und damit auch die damit verbundenen Drehmomentstöße beim Startvorgang. Schäden an der Antriebsmechanik werden stark reduziert. Durch phasenoptimiertes Schalten der Halbleiter werden die Inrush-Ströme neutralisiert, was Fehlauslösungen verhindert.

Der vollelektronische Starter in der Praxis

Der neue e-Starter (vorn) ist integraler Bestandteil des dezentralen, kompakten I/O-Peripheriesystems Simatic ET 200SP. © Siemens

In der industriellen Praxis kommen die charakteristischen Vorteile des neuen e-Starters speziell in zwei Bereichen zum Tragen: Bei besonders kurzschlussgefährdeten Anwendungen und dort, wo beim Start von hohe Stromspitzen auftreten. Im ersten Fall geht es darum, Stillstandzeiten sowie Schäden am Motorstarter und an den nachgelagerten Applikationen zu reduzieren, im zweiten Fall um einen schonenden Betrieb des Motors ohne unnötige mechanische Belastungen.

In der Lebensmittelindustrie herrschen strenge Hygienevorschriften. So müssen etwa Förderanlagen häufig mit Hochdruckreinigern gründlich gereinigt werden. Oft gelangt dabei Feuchtigkeit an porösen Stellen der Isolierung in die Leitungen, was Kurzschlüsse verursachen kann. In diesem Fall schaltet der ET 200SP e-Starter schnell ab, sodass die Kurschlussströme nicht mehr zerstörerisch sind. Gleichzeitig erleichtern Status-LEDs netz- und lastseitig die Diagnose und ermöglichen im Fehlerfall eine einfachere und schnellere Lokalisierung des Fehlerursprungs.

Als weiterer Vorteil lässt sich der Simatic ET 200SP e-Starter nahtlos in das Automatisierungskonzept Totally Integrated Automation (TIA) von Siemens einbinden. Die uneingeschränkte Datenverfügbarkeit und das Engineering mit Simatic STEP 7 im TIA-Portal vereinfachen die Projektierung, Parametrierung und Inbetriebnahme. Entsprechende Diagnosefunktionen sind bereits integriert, was eine ausführliche Systemdiagnose ohne Programmieraufwand ermöglicht. Durch den Kompatibilitätsmodus ist es einfach, einen bestehenden ET-200SP-Hybrid-Motorstarter durch einen ET 200SP e-Starter zu ersetzen. Die CPU muss dabei nicht gestoppt werden, denn die Parameter werden automatisch per Anlaufparametrierung in das neue Gerät übernommen.

Darüber hinaus ist die Neuentwicklung integraler Bestandteil des dezentralen, kompakten I/O-Peripheriesystems Simatic ET200SP. Über die neuen e-Starter können Abzweige einzelner motorischer, ohmscher oder kapazitiver Lasten in die Automatisierung eingebunden und die von den Geräten erfassten Daten für Transparenz und Predictive Maintenance genutzt werden.

Der kompakte e-Starter ist weltweit zugelassen (IEC, CCC und cULus), IE3 / IE4 ready und benötigt mit nur 30 mm Baubreite minimalen Platz im Schaltschrank. Die einfache Montage durch Rückwandbus und Stecktechnologie ermöglicht eine schnelle und einfache Inbetriebnahme.

Nicht zuletzt präsentiert sich der Simatic ET 200SP e-Starter – etwa durch die Verwendung recycelter Materialien – als ein nachhaltiges Produkt, das deshalb auch das Siemens EcoTech-Label trägt. Sein geringer Energieverbrauch im Betrieb ermöglicht einen effizienteren Betrieb, das verschleißfreie Schalten eine erheblich längere Lebensdauer.

Erich Fröhlich, Global Product Owner, Siemens Smart Infrastructure – Electrical Products

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