Rolf von Kiesling sieht in der Rittal-Zugehörigkeit vor allem Kundenvorteile
"Die Kunden profitieren mehrfach"
Kiesling als Spezialist für Automatisierungslösungen im Schalttschrankbau gehört seit einem guten halben Jahr zu Rittal. Damit konnten die Nordhessen ihr Standing im Schaltschrankbau noch einmal stärken. Profitieren will aber auch Kiesling. Mit einem der beiden Geschäftsführer, Rolf von Kiesling, sprach handling über die Perspektiven des früheren Familienunternehmens.
handling: Kiesling gehört nun seit gut einem halben Jahr zu Friedhelm Loh und damit auch zum Schaltschrankriesen Rittal. Sie sind jetzt Teil Ihres vermutlich besten Kunden. Wie wirkt sich das auf das Geschäft aus?
Rolf von Kiesling: Nein, das wird oft verwechselt. Natürlich ist Rittal auch in der Vergangenheit schon ein guter Kunde von uns gewesen, aber unsere Kunden sind in erster Linie die großen Verarbeiter von Schaltschränken. Und damit gibt es eine fast 100-prozentige Überdeckung mit den großen Industriekunden von Rittal und weniger mit Rittal selbst.
handling: Die Nähe zum Know-how von Rittal und Eplan hat auch Auswirkungen auf die Wissensbasis im eigenen Unternehmen. Mit welchen Entwicklungsschritten und Know-how-Zugewinnen gehen Sie in die Zukunft?
Kiesling: Früher haben wir zum Beispiel die Bearbeitungsgrößen unserer Maschinen angepasst, wenn wir einen neuen Schaltschranktyp im Rittal-Handbuch vorgefunden haben, der auf unsere Maschinen nicht passte. Für das Teilehandling konnten wir uns ausschließlich an die bereits vorhandenen Gegebenheiten anpassen. Heute wären auch Anpassungen der Schaltschrankteile denkbar, wenn sie sich dadurch leichter handhaben lassen. Das Gleiche gilt für Softwareschnittstellen.
handling: Der Workflow im Schaltschrankbau ist das eigentliche Thema von Kiesling. Durch die Nähe zum Marktführer könnten die Rittal-Konkurrenten Wettbewerber von Rittal aber verschreckt werden - verspüren Sie hier Auswirkungen?
Kiesling: Diese Frage zielt dahin, ob diese Firmen dann für uns als Kunden ausscheiden. Dafür gibt es keine rationalen Gründe, weder technisch noch kommerziell. Aber ganz ausschließen kann man nicht, dass es emotionale Gründe gibt, die im einen oder anderen Fall dazu führen. Aber auch die Wettbewerber von Rittal stellten früher keine übergroße Kundenbasis dar, sondern wiederum deren Kunden.
handling: Wie profitieren Ihre und die Rittal-Kunden von Rittal aus der Zusammengehörigkeit innerhalb der Friedhelm-Loh-Group?
Kiesling: Unsere Kunden werden an mehreren Stellen profitieren. Erstens: Die Entwicklungen von Rittal werden in Zukunft auch durch unsere Erfahrungen bereichert. Zweitens: Den Input für zukünftige Trends in der Schaltschranktechnik erhält Kiesling viel früher und kann sich somit frühzeitig um die Automatisierung der Weiterverarbeitung neuer Produkte kümmern. Und drittens: Kunden von Eplan können sicher sein, dass das jeweils aktuelle Maschinen-Know-how soweit sinnvoll an Eplan übertragen wird. Gemeinsam können wir den Workflow des Kunden besser aufgreifen und in die eigenen Produkte integrieren als ein einzelnes Unternehmen mit nur jeweils seinem Produktspektrum.
handling: Mit den Handling- und Montageelementen Assemblex bewegen Sie sich im Bereich der manuellen Montage - allerdings beschränkt auf den Schaltschrankbau. Dürfen wir erwarten, dass sich Kiesling künftig verstärkt in Richtung Elektromontage allgemein, also auch im konventionellen Maschinenbau, bewegt?
Kiesling: Zum Teil bewegen wir uns dort auch heute schon. Allerdings nur soweit dort mit standardisierten Blechteilen oder Standardschaltschränken gearbeitet wird. Für den Bereich der Verkabelung von Maschinen - außerhalb vom Schaltschrank - haben wir derzeit noch keine Produkte in Planung.
handling: Die Bereiche der traditionellen Scheer-Handwerkzeuge und die kundenbezogene Auftragsfertigung bleiben Teil von Kiesling?
Kiesling: Ja, sie sind ein wichtiger Bestandteil unseres Unternehmens und sind in der Businessplanung der folgenden Jahre mit steigendem Umfang enthalten. bw









