zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Interview mit Ralf Bühler

Andreas Mühlbauer,

Fokus auf den Anforderungen der Kunden

Die Welt dreht sich immer schneller und Beschaffungsprozesse werden immer
komplexer. Hohe Prozesskosten machen Einkaufsverantwortlichen zu schaffen und der Ruf nach digitalen und automatisierten Lösungen wird immer lauter. Welche Möglichkeiten es gibt und welche weiteren Zukunftsthemen die Branche beschäftigen, darüber spricht Ralf Bühler, CEO von Conrad Electronic, im Interview.

Ralf Bühler, CEO von Conrad Electronic. © Conrad Electronic/Daniel Tkatsch

Herr Bühler, Sie sind seit 2021 CEO von Conrad Electronic und haben die Transformation vom Technikhändler zur Sourcing Platform für technischen Bedarf maßgeblich mitgestaltet. Wo sehen Sie derzeit die größte Herausforderung bei Ihren Kunden, wenn es um die indirekte Beschaffung geht?

Wie in vielen anderen Bereichen geht es auch bei der Beschaffung von C-Teilen im Bereich des technischen Bedarfs darum, Prozesse effizienter zu gestalten und zukunftsfähig auszurichten. Wir bei Conrad verstehen uns als Lösungsanbieter und wollen unsere Kunden deshalb mit einem ganzheitlichen Ansatz unterstützen. Konkret heißt das: Wir bieten nicht nur 10 Millionen Produktangebote auf unserer Plattform, sondern suchen den direkten Kontakt mit Einkaufsverantwortlichen, um mit individuelle Lösungswege aufzuzeigen.

Welchen Beitrag leistet Conrad, um seine Kunden in diesen Bereichen zu unterstützen?

Im Rahmen unserer Initiative ProcurePlus geht es darum, die Kosten für indirekte Beschaffung um bis zu 30 % zu senken. Ein wichtiger Schritt dorthin sind maßgeschneiderte E-Procurement-Anbindungen, um Einkaufsprozesse zu automatisieren und zu verschlanken und sogenanntes Maverick Buying – also Beschaffen an der Einkaufsabteilung vorbei – zu verhindern. Dazu gehört natürlich auch digitales Bestell- und Rechnungsmanagement. Und darüber hinaus die Möglichkeit, technischen Bedarf möglichst reibungslos aus einer Hand zu decken. Deshalb gehen wir gemeinsam mit Kunden auch das Thema Lieferantenkonsolidierung an und prüfen, inwieweit wir unser Lieferanten- beziehungsweise Marktplatz-Portfolio erweitern können.

Anzeige

Wie sieht es mit der Akzeptanz von E-Procurement-Lösungen aus? Stoßen Sie hier bei den Unternehmen auf offene Ohren oder geht es eher darum, Überzeugungsarbeit zu leisten?

Entscheidend ist es, dass die Prozesse auf Kundenseite so einfach wie möglich implementierbar sind. Als High Service Distributor erfüllen wir diese Anforderung, indem wir maßgeschneiderte Lösungen anbieten. Kleinere Unternehmen können die Beschaffung ihres technischen Bedarfs mit unserem browserbasierten und kostenfrei nutzbaren E-Procurement-Tool Conrad Smart Procure digitalisieren. Größere Unternehmen und Konzernen bieten wir diverse elektronische Schnittstellen, um unser Sortiment in ihre Systeme zu implementieren und reibungslose Anbindung an die Conrad Sourcing Platform zu gewährleisten.

Die Absicherung der Lieferketten bekommt für Unternehmen einen immer größeren Stellenwert. Wie blicken Sie als Conrad-CEO auf dieses relevante Thema?

Unser Anspruch muss es sein, Produkte schnell verfügbar zu machen. Die Herausforderung dabei ist es häufig jedoch gar nicht, dass sich nicht genug Ware am Markt befindet. Es muss uns vielmehr gelingen, diese zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar zu machen. Das ist eine Aufgabe, die nur gelingen kann, wenn Internationalisierung und Cross-Border-Commerce auch bei der B2B-Beschaffung in den Fokus rücken. Internationalisierung steht bei uns aktuell deshalb ganz oben auf der Agenda. Bereits jetzt betreiben wir neben Deutschland einen Conrad Marketplace in Österreich, Frankreich, Italien und den Niederlanden, um Beschaffung über Landesgrenzen hinweg zu ermöglichen und damit auch einen Beitrag in Richtung Nachhaltigkeit zu leisten. Doch das ist erst der Anfang. Die übergeordnete Frage lautet: Wie bekommen wir Cross-Border-E-Commerce – auch im Sinne eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen – so realisiert, dass wir überall in Europa nach überall in Europa verkaufen können.

Mit der Übernahme von Electronic Direct hat die Sonderbeschaffung von elektronischen Bauteilen bei Conrad einen noch größeren Stellenwert bekommen. Wie schätzen Sie die Entwicklung nach gut einem Jahr ein?

Im Bereich der elektronischen Bauteile haben unsere Kunden aktuell weniger mit Verknappung zu kämpfen. Die Lager sind im Gegenteil mehr als ausreichend voll. Mit Electronic Direct haben wir ein Expertenteam in unseren Reihen, das bei der Vermarktung von Lagerüberbeständen unterstützt, um so hoher Kapitalbindung in überschüssigen Beständen aktiv entgegenzuwirken.

Sie haben die Forderungen nach einem bewussten Umgang mit Ressourcen formuliert. Welche weiteren Maßnahmen ergreift Conrad in puncto Nachhaltigkeit?

Als Familienunternehmen steht Conrad Electronic seit über 100 Jahren für Verantwortung. Wir setzen auf langfristige Partnerschaften mit unseren Lieferanten, für die sowohl unser Code of Conduct als auch die Umwelt­-Policy von Conrad gilt. Denn nachhaltiges Wirtschaften ist nur möglich, wenn wir es gemeinsam schaffen, unseren Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Und wir gehen mit eigenen Initiativen und Projekten voran. Bei Produkten mit eigener Markenhoheit verzichten wir weitestgehend auf Plastikverpackungen, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen.

Zum Abschluss ein weiteres Trendthema: Welche Rolle spielt in Ihren Augen der Einsatz künstlicher Intelligenz mit Blick auf moderne Beschaffung?

Am Thema KI führt kein Weg vorbei. Bei Conrad beispielsweise nutzen und entwickeln wir KI-Modelle, um die riesige Masse an Produktdaten auf unserer Plattform besser zu kategorisieren und für unsere Kunden optimal verfügbar zu machen. Jedem Einsatz von KI ist aber immer die Frage vorgeschaltet, ob wir durch ihren Einsatz unsere Dienstleistung tatsächlich verbessern. Nutzen unseren Geschäftskunden eine Chatbot-Option oder geht es im B2B-Bereich doch eher um einen einfacheren Zugang zu optimierten Self-Service-Optionen? Wir legen unseren Fokus also auf die Anforderungen unserer Kunden und entwickeln unsere Plattform entsprechend weiter.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Elektronik-Distribution

Neuer Conrad-Katalog erschienen

Bei Conrad gibt es mehrere Neuerungen: Nach dem Start des Loyalitätsprogramms Conrad PRO erscheint nun der neue B2B-Katalog. Zudem sind weitere Angebote und Services für Geschäftskunden geplant. Ziel ist es, die Beschaffung technischer Bedarfe...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Kanban-Systeme

Digitale Materialversorgung

Auf der LogiMat 2026 zeigt Otto Roth Lösungen für ein effizientes C-Teile-Management. Vorgestellt werden skalierbare Kanban-Systeme, die den Materialnachschub verbrauchsorientiert steuern, Bestände senken und Transparenz erhöhen.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Zulieferer

Innovation für einen starken Mittelstand

Kleine und mittelständische Zulieferer stehen in einem harten nationalen und internationalen Wettbewerb. Die dabei geforderte Flexibilität in der Produktion können diese Unternehmen mit digitalisierten Fertigungs- und Automatisierungslösungen...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren