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Artikel und Hintergründe zum Thema

Startup Area auf der IFAT

Melanie Steinbeck,

Wie Start-ups KI und Biotech in industrielle Prozesse bringen

Auf der IFAT Munich 2026 zeigen rund 50 Start-ups Lösungen, die gezielt auf industrielle Anwendungen in Wasser-, Recycling- und Kreislaufprozessen abzielen. In der Startup Area in Halle C4 zeigen die junge Unternehmen, wie sich Lösungen für einige der hartnäckigsten Probleme der Branche finden lassen.Thema sind Technologien, die sich in bestehende Anlagen integrieren lassen und dort Transparenz, Sicherheit und Wertschöpfung erhöhen: von KI-gestützter Sensorik bis zu biotechnologischen Verfahren.

© Messe München GmbH

Mikroplastik direkt im Fluss erkennen

Ein zentraler Treiber ist die zunehmende regulatorische und wirtschaftliche Notwendigkeit, Stoffströme präziser zu erfassen und zu steuern. So entwickelt das Start-up Zaitrus ein sensorgestütztes Durchfluss-System zur Echtzeitdetektion von Mikroplastik in Flüssigkeiten. Die Technologie ermöglicht die kontinuierliche Analyse direkt im Prozess, etwa in der Abwasserbehandlung oder in der Lebensmittelproduktion.

„Für kommunale Kläranlagen oder Lebensmittelhersteller bietet sich so ein effektiver Mechanismus zur Prävention und Qualitätssicherung, der vor Schäden schützen kann“, sagt Geschäftsführer Till Zwede. Das System befindet sich aktuell in der Pilotphase; perspektivisch ist ein „Monitoring as a Service“-Modell geplant.

Schadstoffelimination: Bakterien als Prozesshelfer

Im Bereich der Schadstoffelimination setzt CellX Biosolutions auf biotechnologische Verfahren. Das Unternehmen nutzt gezielt selektierte Bakterienkonsortien, um Mikroplastik sowie persistente Schadstoffe wie PFAS, Pestizide oder Arzneimittelrückstände in industriellen Prozessen abzubauen. „Im Labor isoliert und kultiviert lassen sich daraus einzigartige Bakterienkonsortien herstellen, die chemische Verunreinigungen direkt in industriellen Prozessen – zum Beispiel in Abwasserbehandlungsanlagen – abbauen“, erläutert Geschäftsführerin Estelle Clerc. Aktuell werden Partner für Pilotprojekte gesucht, um die Technologie unter realen Betriebsbedingungen zu validieren und zu skalieren.

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Sicherheit im Materialstrom

Ein weiteres praxisrelevantes Feld ist die Sicherheit in Sortier- und Recyclinganlagen. Das norwegische Start-up Litech AS hat eine KI-gestützte Sensortechnologie entwickelt, die Lithiumbatterien und Druckgasbehälter im laufenden Materialstrom erkennt. Grundlage ist die Magnetische Induktionsspektroskopie, kombiniert mit KI-gestützter Signalanalyse. „Wir haben die reine Pilotphase bereits hinter uns gelassen“, berichtet Geschäftsführerin Synne Sauar. Erste Systeme sind bereits im Einsatz. „Auf der IFAT Munich sind wir sowohl offen für neue Pilotpartnerschaften als auch für kommerzielle Gespräche.“ Die Lösung ist als nachrüstbares System konzipiert und adressiert insbesondere Betreiber bestehender Anlagen.

Automatisierung trifft kritische Rohstoffe

Automatisierungspotenziale im Recycling adressiert auch Enodo Robotics. Das Unternehmen kombiniert KI-basierte Bilderkennung mit einem adaptiven robotischen Greifer, um die Sortierung von Elektronikschrott und Nichteisenmetallen zu automatisieren. „Dieser Abfallstrom ist eine wertvolle Quelle kritischer Rohstoffe. Unsere KI- und Robotiklösungen helfen dabei, die Wertschöpfung aus diesen Materialien zu maximieren und den Personaleinsatz in oft gefährlichen Arbeitsumgebungen zu vermeiden“, sagt Mitgründer Klas Kronander. Ergänzend liefert das System Echtzeitdaten zur Zusammensetzung der Materialströme und ermöglicht damit eine prozessbegleitende Optimierung.

Abfall als Ausgangspunkt neuer Materialien

Einen Ansatz zur stofflichen Nutzung organischer Reststoffe verfolgt EveryCarbon. Das Unternehmen wandelt biogene Abfälle mithilfe mikrobieller Fermentation in 2,3-Butandiol um, eine Plattformchemikalie für Hochleistungspolymere.

„Unsere Vision ist eine Zero-Waste-Produktion, bei der Abfallstoffe zum Ausgangspunkt neuer Materialien werden“, erklärt Geschäftsführer Dr. Sebastian Beblawy. Eine Pilotanlage wird derzeit unter realen Bedingungen betrieben. „Die IFAT Munich ist für uns eine strategisch wichtige Plattform, weil sie genau den Schnittpunkt abbildet, an dem wir arbeiten: organischer Abfall-Kohlenstoff aus Haushalten, Industrie und Abwasser trifft auf industrielle Materialwirtschaft“, so Beblawy. „Unsere Zielgruppen sind zum einen Bioenergiebetriebe, kommunale Ver- und Entsorgungsbetriebe sowie Kläranlagen, die organischen Kohlenstoff bislang unzureichend verwerten und nach neuen Wertschöpfungswegen streben. Zum anderen wollen wir mit Materialherstellern in Kontakt treten, die nach leistungsstarken Alternativen zu petrochemischen Materialsystemen suchen. Und schließlich freuen wir uns auf einen Austausch mit Technologieunternehmen, die Lösungen im Bereich Material- und Prozesstechnik anbieten.“

Die in der Startup Area gezeigten Entwicklungen verdeutlichen, dass Innovationen zunehmend an den Schnittstellen von Prozessindustrie, Umwelttechnik und Digitalisierung entstehen. Für industrielle Anwender stehen dabei vor allem Integrationsfähigkeit, Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.

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