Wirtschaft + Unternehmen
SMS von der Maschine
Kurzmitteilungen übers Handy, kurz SMS, sind nicht nur was für pubertierende Jugendliche. Es lassen sich damit auch ganz ernsthaft Maschinen und Anlagen überwachen und steuern. Lesen Sie, wie einfach das sein kann.
Sonntag Mittag auf der Parkbank. Eine Zwanzigjährige tippt mit verliebtem Blick eine SMS in ihr Handy. Der graumelierte Herr im karierten Hemd neben ihr greift zum Handy, blickt erschrocken aufs Display, tippt eine kurze SMS, wirkt entspannter. Sie grinst: "Ihre Geliebte?" Er: "Fast. Die Montagelinie spinnt mal wieder, jetzt hab ich sie erst mal abgeschaltet. Ich muss los, nachsehen, was meinem Schatz fehlt." Alarmmeldungen aufs Mobiltelefon, Anlagensteuerung über Textmitteilungen - ein Szenario das viele versprechen. Doch nur wenige lösen dieses Versprechen so einfach und unkompliziert ein, wie die Beck, eine Tochter der Festo-Gruppe.
Handy für die Hutschiene
Denn hier sitzt alles in einem kleinen, grauen Kasten, Easy GSM genannt: Kleinsteuerung, GSM-Modem und Ethernet-Schnittstelle, fix und fertig zur Montage auf der Hutschiene im Schaltschrank. Für den Preis von drei guten Mobiltelefonen bekommt Ihre Anlage eine Telefonzentrale über die sie Alarmmeldungen abschicken oder sich einfach nur von Zeit zu Zeit betriebsbereit melden kann. Genau so können Sie Ihre Anlage anrufen und Werte abfragen oder verändern. Und natürlich können sich über das Modul auch zwei oder mehr Anlagen telefonisch unterhalten.
Herz des Ganzen ist eine PC-basierte speicherprogrammierbare Steuerung mit 12 digitalen Eingängen und 8 digitalen Ausgängen. Wie jede ordentlichen SPS verknüpft diese die Werte der Ein- und Ausgänge logisch miteinander, vergleicht sie mit internen Zählern oder Timern und schiebt sie zwischen Registern hin- und her. Doch keine Angst, Sie müssen dafür keine höhere Programmiersprache lernen, ein einfaches Windows-Programm hilft beim Einrichten. Hier geben Sie Menü geführt den anonymen Ein- und Ausgänge erst einmal Namen wie "Behälter leer" oder "Notaus auslösen". Danach tippen Sie die Textmitteilungen ein, die Eingänge bei bestimmten Werten ausgeben sollen oder mit denen Sie die Ausgänge schalten. Zum Schluss noch die Telefonnummern eingeben ¿ fertig. Nur wenn Sie das in erster Linie als Meldezentrale konzipierte Modul als vollwertige Steuerung nutzen wollen, müssen Sie weiter in die Tiefen der SPS-Programmierung abtauchen.
Alle Karten willkommen
In Kontakt mit der Außenwelt tritt das Easy GSM zum einen über eine Ethernet-Schnittstelle. Damit fügt es sich selbst in komplexe Anlagensteuerungen oder ganze Fertigungsnetzwerke problemlos ein. Viel wichtiger dagegen ist das GSM-Modul, das die Kommunikation zum Handy übernimmt. Eine kleine Schublade an der Seite schluckt SIM(Subscibers Idendity Module)-Karten der D-Netz Betreiber. Dazu gehören auch die beliebten Prepaid-Karten, so dass Sie nicht für jede Maschine und ein paar SMS pro Monat einen teuren Festvertrag abschließen müssen.
Übertragung über öffentliche Netze, Textmitteilungen: Feldbus-Freaks werden angesichts einer solch offenen und ungesicherten Übertragung die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Natürlich sehen die Ingenieure in Wetzlar ihr System nicht als drahtlosen Feldbus, doch dank einiger eingebauten Sicherheitsmechanismen darf man ihm mehr anvertrauen als Kaffemaschinen einzuschalten oder Kaugummiautomaten auf Messeständen zu bedienen. So kann eine Alarmmeldung eine Bestätigung innerhalb einer gewissen Zeit fordern. Falls diese nicht kommt, wählt das System eine zweites Handy an. Genau so kann der Betreiber sich Steuerbefehle mit einer SMS quittieren lassen. Und natürlich schützen Passwörter und Rufnummernerkennung vor unbefugtem Zugriff.
Post aus der Ferne
Mehr als ausreichende Sicherheit also für die Fernüberwachung von Anlagenzuständen wie beispielsweise dem Füllgrad. Silos, Gas- oder Ölbehälter abseits der Zivilisation, sprich Festnetzanschlüssen, melden von selbst den Verbrauch und fordern den Tankwagen an, ohne dass jemand regelmäßig vorbeischauen muss. Auch auf der Baustelle lassen sich mit der SMS fähigen Steuerung vorübergehende oder provisorische Überwachungssysteme schnell und unkompliziert aufbauen ¿ und sei es nur eine einfache Alarmanlage. Oder mobile Geräte wie Messwagen oder Schwimmplattformen melden Anlagenzustand und übermitteln Messwerte.
Doch selbst bei ortsfesten Anlagen oder Maschinen bietet das Modul Vorteile. Anstatt während der Geisterschicht in der Nacht oder am Wochenende einen Wartungsmonteur neben jede Maschine zu stellen, können Sie einen Bereitschaftsdienst einrichten, den die Maschine bei Bedarf selbst übers Handy ruft. Das spart Personalkosten und der Monteur freut sich, wenn er Sonntagmittags auf der Parkbank mit einer Zwanzigjährigen flirten kann, statt seine Zeit in einer muffigen Meisterkabine abzusitzen.
Matthias Meier
Links: http://www.beck-ipc.de








