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Artikel und Hintergründe zum Thema

Schaeffler greift nach den Sternen

Melanie Steinbeck,

Warum ein Autozulieferer künftig auch Satelliten bauen will

Die Schaeffler AG sucht neue Wachstumsfelder und findet sie im All. Gemeinsam mit dem US-Raumfahrtunternehmen Spire Global, Inc. will der Industriekonzern eine eigenständige europäische Raumfahrtinfrastruktur aufbauen. Der Plan: Satelliten-Hardware entwickeln, Lieferketten absichern und Raumfahrttechnik in industriellem Maßstab fertigen. Kurz gesagt: weg vom Einzelstück, hin zur Serienproduktion im Orbit.

© Schaeffler/Spire

Dafür haben beide Unternehmen jetzt eine Absichtserklärung unterzeichnet. Im ersten Schritt geht es um Subsysteme für Satellitenplattformen, Raumfahrthardware sowie Hochfrequenz- und Umweltsensorik. Langfristig aber steckt deutlich mehr dahinter: eine europäische Raumfahrtindustrie, die unabhängiger wird – technologisch, industriell und geopolitisch.

Das All wird zum Industriemarkt

Satelliten werden kleiner, Starts günstiger, Konstellationen größer. Gleichzeitig wächst in Europa die Sorge, bei kritischer Infrastruktur zu abhängig von außereuropäischen Anbietern zu sein, etwa bei Kommunikation, Wetterdaten oder Verteidigungsanwendungen.

Genau dort setzt die Kooperation an. Schaeffler bringt das mit, was Raumfahrtunternehmen oft fehlt: industrielle Skalierung. Jahrzehntelange Erfahrung in Präzisionsfertigung, etablierte Produktionsprozesse, Kompetenz in Motor-, Lager- und Leistungselektroniktechnologien. Spire wiederum liefert das Raumfahrt-Know-how: Plattformarchitektur, Bordsoftware und operative Erfahrung im Orbit.

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Bis Ende des Jahrzehnts wollen die Unternehmen ein eigenständiges europäisches Geschäftsfeld für Raumfahrt-Hardware und Missionen aufbauen: „industrialisiert in Deutschland, im Orbit erprobt und in großem Maßstab einsetzbar“, wie es in der Mitteilung heißt. Einsatzfelder sehen die Partner unter anderem in Verteidigung, Wetter, ziviler Sicherheit und kritischer Infrastruktur.

Vom Auto ins All

Für Schaeffler ist der Schritt strategisch folgerichtig. Der Konzern hat Raumfahrt und Verteidigung bereits in seiner „Strategic Ambition 2035“ als Wachstumsfelder definiert. Während klassische Automobilmärkte unter Druck geraten, sucht die Industrie nach neuen technologischen Plattformen mit langfristigem Wachstumspotenzial.

„Als Motion Technology Company ist Schaeffler ideal positioniert, um in den New-Space-Bereich einzusteigen. Wir erkennen eine starke industrielle Logik im Kern dieser Kooperation. Mit unserer langjährigen Erfahrung in der Präzisionsfertigung, in Motor- und Lagertechnologien sowie unseren Kompetenzen in der Leistungselektronik bietet Schaeffler der wachsenden europäischen Satellitenindustrie genau das, was sie an weltraumtauglicher Hardware im industriellen Maßstab benötigt“, sagte Klaus Rosenfeld, CEO von Schaeffler.

Und weiter: „Dank unserer industriellen Kompetenzen kann Schaeffler mit Spire als Partner für Raumfahrt-Know-how und als Mission-Enabler einen vergleichbaren Kurs auf dem europäischen Markt einschlagen.“

Europas Raumfahrt soll unabhängiger werden

Spire verfolgt dabei ein eigenes strategisches Ziel: mehr industrielle Präsenz in Europa. Das US-Raumfahrtunternehmen hat seit 2013 mehr als 240 Satelliten entwickelt und gestartet und verfügt nach eigenen Angaben über Produktionskapazitäten von 300 bis 400 Satelliten pro Jahr in Europa und den USA. Erst 2025 eröffnete Spire eine Satellitenfertigung in München.

Durch die Zusammenarbeit mit Schaeffler erhält das Unternehmen nun Zugang zu industriellen Fertigungsstrukturen und zu europäischen Rüstungs- und Regierungskunden.

„Mit Schaeffler verbindet uns eine langfristige Vision für eine eigenständige europäische Raumfahrtindustrie, die in Europa selbst entwickelt, aufgebaut und betrieben wird“, sagte Theresa Condor, CEO von Spire Global. „Dies ist ein bedeutender Schritt hin zu einem Weg für kritische Dual-Use-Missionen und einer eigenständigeren, verlässlichen europäischen Industriebasis, mit der sich Geschwindigkeit und Größenordnung erreichen lassen, die moderne Missionen in der Raumfahrt erfordern.“

Raumfahrt ist längst kein Prestigeprojekt staatlicher Agenturen mehr. Sie wird zum industriellen Zukunftsmarkt. Und Schaeffler will künftig mitbauen und mitverdienen.

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