Wirtschaft + Unternehmen

Rasante Größe

Sie eignet sich als Eishockey-Arena oder als Festzelt fürs nächste Oktoberfest. Und mit Spannweiten von bis 80 Metern (ohne Stützen!) erinnert ihre Architektur an Flugzeug-Hangars oder Messehallen. Die Rede ist von der neuen Gigant-Halle, die Stahlbauer Graeff zur letzten Deubau in Essen präsentierte. Das mag viele Beobachter überrascht haben, die das Unternehmen eher als Spezialist für kleine und mittelgroße Hallensysteme auf der Rechnung hatten.

Für das neue Produkt haben die Mannheimer ihre Erfahrungen aus der Konstruktion von fliegenden Bauten und Schnellbau-Hallen in eine neue Dimension überführt. Heraus gekommen ist eine mobile Großraum-Architektur, die Graeff zur Folge ¿erhebliche Einsparpotentiale gegenüber herkömmlichen Systemlösungen¿ bietet. Zurückzuführen ist das wohl in erster Linie auf die durchdachte Konstruktion des Tragwerks, die eine zeitsparende Montage und Demontage der Halle ermöglicht. Als Richtwert geben die Mannheimer an: 1500 Quadratmeter sind in etwa zwei Wochen komplett überdacht. Das riecht nach Guinness-Buch.

Ein Skelett aus Stahl

Konstruktives Herzstück des Leichtbaus ist ein stählerner Fachwerk-Rahmen aus kombinierbaren und wiederverwendbaren Fertigbau-Komponenten, die bei der Montage vor Ort mit Rohrprofilen verbunden werden. Dach und Wände bestehen aus PVC-beschichteten Gewebeplanen, deren Gewicht, Festigkeit und Farbe sich nach dem Einsatzzweck oder den Wünschen des Kunden richten. Die Außenverkleidung wird auf einer automatisierten CAM-Anlage als einheitliches Stück gefertigt. Sie ist laut Graeff daher ¿absolut dicht¿. Die Luftfeuchtigkeit im Inneren der Halle lässt sich mit Entfeuchtern regulieren ¿ auch das nicht unbedingt üblich bei der Konstruktion von Schnellbauhallen.

Die Dachschrägen und die Höhe der Wände sind variabel und lassen sich dem Einsatzfall anpassen. Das gleiche gilt für die Position und Anzahl der Tore. Die Länge der Halle ist grundsätzlich beliebig, die realisierbaren Spannweiten reichen von zehn bis 80 Meter. Wichtig: In der Regel kommt die Halle ohne teure Betonfundamente aus. Sie wird mit speziellen Stahlklammern im Boden verankert.

Trotz einem hohen Maß an Standardisierung und der Verwendung von Fertigbauteilen wird jede Halle bedarfsgerecht geplant, gefertigt und montiert. Zusätzliche Schutzwände lassen sich ebenso einbauen wie Arbeitsbühnen und Laufkräne. Dadurch kommt die Großraum-Lösung für eine ganze Reihe unterschiedlicher Aufgaben in Frage. Sie lässt sich beispielsweise als Überdachung von Produktions-, Ölbohr- und Werftanlagen verwenden oder für Brückenbaustellen und Sanierungsobjekte. Ihr Einsatz als temporäre (Wander-) Baustelle ist ebenso denkbar wie als Lagerhalle für Schüttgüter oder Stapelwaren. Und laut Graeff eignet sie sich eben durchaus auch als Austragungsort für Sport- und Freizeitveranstaltungen, da der Einbau von Tribünen, Klima- und Lichttechnik ebenfalls auf dem Programm steht.

Michael Stöcker

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