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Körperwelten für Konstrukteure
Den Markt für die mechanische Konstruktion bedienen die CAD-Hersteller mit Systemen, die immer leistungsfähiger, immer komplexer, aber auch immer teurer werden. Sind das wirklich die Eigenschaften nach denen Konstrukteure und Entscheider verlangen? Sicherlich nicht alle, denn manches überladene Programm überfordert den Anwender, der zudem nur einen Bruchteil davon nutzt. Eine andere Philosophie vertritt Solidworks: Ein leistungsfähiges, aber leicht erlernbares CAD-System, das alle relevanten Bereiche der Konstruktion abdeckt. Lesen Sie bereits vor der Markteinführung, welche Neuerungen die neue Version Solidworks 2001 bietet.
Der amerikanische Hersteller Solidworks hat den Ruf eines Shooting-Stars der Branche, denn in den 90er Jahren brach das Start-up Unternehmen mit einem ausschließlich für Windows entwickelten CAD-Systems in die von Unix-Systemen dominierte Welt ein. Innerhalb weniger Jahre schaffte es ein kleines Unternehmen, dass sich die damaligen Marktführer auf einen ernsthaften Wettbewerber einstellen mussten. Weltweit sind mehr als 112 000 Lizenzen bei 60 000 Geschäftskunden und 52 000 akademischen Einrichtungen im Einsatz.
Mit amerikanischer Bescheidenheit präsentiert der Anbieter die neunte Version, Solidworks 2001, die ab März weltweit für 13 500 Mark in der Basisversion zur Auslieferung kommt: ¿Der beste Solid Modeller wurde noch besser, der einfachste Solid Modeller wurde noch einfacher¿. Nachfolgend haben wir für Sie ¿ ohne Anspruch auf Vollständigkeit ¿ vorab die wichtigsten Neuerungen zusammengestellt, denn zum Zeitpunkt unseres Redaktionsschlusses waren nur bislang unveröffentlichte Informationen aus den USA verfügbar.
Auch wenn Solidworks für sich in Anspruch nimmt, sehr leicht bedienbar zu sein, haben die Entwickler weiter an Oberfläche und Bedienlogik gefeilt. Eine grafische Vorschaufunktion ermöglicht es zukünftig, dynamisch schattierte Voransichten von Bauteilen zu erstellen. Der Anwender ist somit in der Lage, Resultate verschiedener Konstruktionsvorgänge vor der jeweiligen Ausführung zu sehen. Textfahnen helfen zudem beim Konstruieren neuer Modelle, indem sie anzeigen, welche der Skizzen als Profile und welche als Austragungsbahnen verwendet wurden, und interpretieren bereits vorhandene Konstruktionen.
Als intuitiv bedienbarer Konstruktionseditor vereinfacht der neue Property-Manager den Zugriff auf alle Konstruktionseigenschaften und -parameter und ersetzt Dialogfelder. Das Tool zeigt die jeweiligen Anweisungen automatisch neben der Zeichnung an, das Durchsuchen zahlreicher Fenster und Symbolleisten entfällt.
Bessere Baugruppenerstellung
Mehr als 50 Verbesserungen flossen in die Baugruppenerstellung ein. Die neue Version soll das einfache Referenzieren der Umgebungsgeometrie erlauben, ohne Parameter zu exportieren oder Gleichungen zu erstellen. Die Beziehungen zwischen Teilen in einer Baugruppe sind assoziativ und ermöglichen dadurch schnelle und einfache Änderungen. Zu den weiteren Verbesserungen gehören unter anderem gespiegelte Komponenten. Damit lassen sich neue Bauteile und Unterbaugruppen aus vorhandenen Konstruktionen erstellen, wozu auch abgeleitete und assoziativ mit anderen Komponenten verknüpfte Teile zählen. Solidworks 2001 spiegelt nicht nur die Geometrie, sondern auch Produktstruktur und Verknüpfungsbedingungen. Eine interaktive Vorschau erleichtert zudem die Unterscheidung von gespiegelten Komponenten und ihren Referenzkopien.
Zukünftig lassen sich auch Verknüpfungen in Unterbaugruppen lösen. Diese Verbesserung ist konfigurationsgesteuert und ermöglicht dem Konstrukteur, Unterbaugruppen einfach und unabhängig von anderen Bauteilen zu bewegen. Das bietet somit mehr Flexibilität im Baugruppendesign.
2D nicht passé
Auch im Bereich der Zeichnungserstellung gibt es wichtige Neuerungen: Dazu gehört das Erstellen von Detaillansichten einer Schnittansicht mit nur vier Mausklicks, die wechselnde Positionsansicht, mit der sich in einer einzigen Ansicht verschiedene Konstruktionspositionen dokumentieren lassen, sowie der DWG-Importassistent. Mit dem Konvertierungswerkzeug DWG-Importassistent sollen Zeichnungen in 2D einfach und zuverlässig in Solidworks importierbar sein. Die 2D Daten können für Konstruktionen in 3D oder in bestehenden 2D Designs genutzt werden. Das Tool bietet außerdem eine Vorschau- und Layer-Mapping-Funktion.
Die Integration von Microsoft Visio (Software zum Erstellen von Diagrammen) in die Solidworks-Zeichnungserstellung bietet dem Anwender die Möglichkeit, Schemata und Diagramme zu erzeugen. Visios Schemata unterstützen Drag-and-Drop und sind an die Oberfläche des CAD-Systems angepasst. Visio muss allerdings separat erworben werden.
Features und Bauteile
Um die Flexibilität beim Konstruieren weiter zu verbessern, bietet die neue Version leistungsfähigere Teile- und Feature-Modellierfunktionen. Dazu zählt beispielsweise die Möglichkeit, dünnwandige Ausformungen sowie Austragungen mit nur einem Mausklick zu entwerfen, was den Konstruktionsvorgang merklich verkürzen soll. Die Möglichkeit der dünnwandigen Austragung ist besonders vorteilhaft beim Konstruieren von Rohrverbindungen und Leitungsführungen.
Viele Anwender wird es auch freuen, dass sie schon bald innere und äußere Profile, wie zum Beispiel konzentrische Kreise, konstruieren können und somit in der Lage sind, komplexe Teile zu fertigen. Hilfreich ist auch die Möglichkeit, Bohrungen auf beliebigen Oberflächen zu erstellen.
Flexibler mit Blech
Für die Blechbearbeitung bietet Solidworks 2001 jetzt flexiblere Möglichkeiten der Flanschkonstruktion. Basisflansche für offene und geschlossene Blechkonstruktionsprofile sowie komplexe Gehrungsflansche mit automatischen Freischnitten sollen einfach erstellbar sein. Praktisch: Der Flansch kann mit nur einem Mausklick in die gewünschte Größe gezogen werden. Mit Hilfe der selektiven Auf- und Abbiegefunktion kann der Benutzer einen Flansch abwickeln, Schnitte über die flache Biegung ausführen und den Flansch wieder in die Originalform zurückbiegen, ohne das gesamte Blechteil abwickeln zu müssen. Zudem kann der Anwender Flansche aus einem flachen 2D-Bauteil biegen.
Die Erstellung von Laschen, Eckkonstruktionen und Excel-basierten Biegetabellen soll mit Solidworks 2001 schneller und einfacher werden. Excel-basierte Biegetabellen stellen Toleranzwerte für akkurates und einfaches Abwickeln von flachen Blechteilen bereit. Die Entwicklung von Blechteilkanten kommt dann ohne die Erstellung von Skizzen oder Biegungen aus.
Im Zeichen des Webs
Software ohne Web? Schwer vorstellbar. Auch Solidworks integriert nun Internet-Funktionaliäten in seine Software. So helfen beispielsweise Internet Tools, die Zusammenarbeit im gesamten Konstruktionsteam durch eine verbesserte Kommunikation einfacher und effizienter gestalten. Mit Hilfe des Web-Folders können etwa mehrere Benutzer gleichzeitig via Internet an Konstruktionen arbeiten oder Ordner im Internet freigeben ¿ ähnlich wie in einem lokalen Netzwerk.
Interessant: Mit Hilfe des Werkzeugs ¿3D Instant Website¿ können Benutzer Web-Seiten mit interaktivem 3D Content schnell und einfach erstellen und veröffentlichen. Die Ergebnisse können auf einer Website oder lokal im Intranet bereitgestellt werden. Das Begutachten von 3D-Modellen wird dadurch ¿ auch ohne CAD-Installation ¿ wesentlich vereinfacht, denn per Browser können die Konstruktionen betrachtet und sogar gedreht und vergrößert werden. Diese Funktion ist auch für Anwender kostenlos erhältlich, die noch mit der Version 8 arbeiten.
Das Tool ¿3D Meeting¿ hingegen basiert auf der Technologie von Microsoft Net-Meeting und erlaubt Konstrukteuren den gleichzeitigen Zugriff auf 3D-Modelle oder -Prototypen. Sie können die Modelle online via 3D-Meeting diskutieren und mögliche Fehlerquellen und Probleme bereits sehr früh erkennen und lösen.
Stefan Graf
Links: http://www.solidworks.de








