Wirtschaft + Unternehmen

Elektrische Kostensparer

Gesteckt statt geschraubt oder geklemmt soll nach dem Willen der Bamberger Verbindungstechniker von Wieland Electric die Elektroinstallation künftig sein. Das macht sich vor allem im Serienbau kostengünstig bemerkbar, wenn gleichartige Büros oder andere Räume zu installieren sind. Vorgefertigte komplette Systeme mit konfektionierten Leitungen senken die Kosten am Bau ganz erheblich. Das hat sich bereits nachrechenbar bewährt. Die Planer jubilieren naturgemäß, weil sie hier endlich ein Gewerk haben, das den Abgabetermin eines Gebäudes nicht mehr unnötig verzögert. Unter dem Strich spart das ganz sicher bares Geld. Auch beim europäischen Installationsbus EIB sorgen inzwischen steckbare Installationseinheiten für die rationelle Montage und Installation. Spezielle Komponenten gestatten auch solche Installationsgeräte in den Bus einzubinden, die keine direkte Bus-Einkopplung besitzen.
Vor 25 Jahren entwickelte Wieland in Bamberg ¿ heute heißt das Unternehmen ¿globalverträglich¿ Wieland Electric ¿ ein Steckverbindersystem für die Elektroinstallation, das zunächst hauptsächlich im Möbelbau eingesetzt wurde, damit auch Nichtelektriker beim Möbelaufstellen die integrierte Elektrik verdrahten konnten. Damals gab es nämlich Elektro-Installationsmaterial nur beim Fachhändler, und einem Normalsterblichen war es streng verboten, sich in den Geheimkünsten der Elektrikerzunft zu betätigen.

Aus kleinsten Anfängen . . .
Noch 1991 schrieb ich im SCOPE: ¿Ich bin aber sicher, daß sich hier eine Menge ganz anderer Bereiche und Branchen angesprochen fühlen, an die die Hersteller ursprünglich überhaupt nicht gedacht haben.¿ Sie hatten längst dran gedacht und begannen das System in voller Breite für alle Eventualitäten auszubauen. Nun ist besonders in der Elektroinstallation der Poppenbütteleffekt ¿ ¿das haben wir schon immer so gemacht¿ ¿ stark ausgeprägt. Die neue Technik wurde deshalb mißtrauisch beäugt und kommentiert: ¿Warum sollen wir uns umstellen, wo sich doch die bisherige Anschlußtechnik bestens eingespielt und bewährt hat?¿ hieß es zum Beispiel.

Alexander Schuir, Vertriebsleiter Inland bei Wieland, erinnert sich noch lebhaft: ¿Wir mußten anfangs sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, doch diese neuen Steckverbindersysteme boten gegenüber der konventionellen Verdrahtungstechnik zu viele Vorteile, als daß wir uns durch die anfängliche Ablehnung entmutigen ließen. Wir sind den mühseligen Weg gegangen und haben den Installateuren und Bauherren anhand praktischer Beispiele vor Ort die Vorteile des Steckverbindersystems aufgezeigt: Zeitsparende Installation ¿ dadurch kostengünstigere und flexiblere Verlegung, besonders bei Standortveränderung der Anschlußnehmer oder bei Nachrüstungen. Damit haben wir eine neue Technik auf den Weg gebracht: Die steckbare Elektroinstallation!¿

Imposante Wolkenkratzer
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe interessanter Referenzobjekte, bei denen sich ¿gesis¿ ¿ so heißt das System jetzt ¿ hervorragend bewährt hat. Zu den absoluten Paradepferden in dieser Liste gehören die berühmten Petronas Towers im malaysischen Kuala Lumpur und das ¿ zur Zeit muß ich wohl schreiben ¿ höchste Gebäude Europas, der Turm der Commerzbank in Frankfurt am Main. In Asien konnte sich die englische Tochter der Bamberger sogar gegen die dortigen Billigan-bieter durchsetzen. Die Installation der Innenbeleuchtung der 88 Stockwerke der ¿Twin-Towers¿ wurde also gesteckt. In Frankfurt gehörten die kürzere Installationszeit und die zuverlässige Just-in-time-Lieferung zu den wichtigsten Argumenten für den Auftrag.

Kein Wunder, denn trotz der höheren Materialpreise gegenüber der herkömmlichen Strippenzieherei spart die Steckverbindertechnik rund 70 Prozent (!) der Montagezeit ein. Das wird verständlich, wenn Sie das mit den bisher erforderlichen Arbeiten ¿ Abmanteln, Ablängen, Abisolieren und Anschließen ¿ vergleichen. Von diesen 70 Prozent bleiben dann in der Endabrechnung immerhin noch 30 Prozent Kostenersparnis übrig, versichern die Spezialisten von Wieland. Daß außerdem kaum Montageabfall entsteht, weil die konfektionierten Kabel in 0,5 Meter-Schritten bis zu zehn Metern größter Länge geordert werden können, zählt zu den weiteren Vorteilen. Eine entsprechende Kodierung verhindert außerdem Fehlsteckungen, was eine deutliche Reduzierung der Fehler zur Folge hat.

Aus den ersten einfachen Steckern und Kupplungen entstand im Laufe der Jahre ein riesiges Programm von etwa 16 000 Produkten, die einen eigenen Katalog mit immerhin 860 Seiten füllen.

Auch mit Bus
Natürlich bietet dieses System hervorragende Möglichkeiten, den europäischen Installationsbus EIB zu integrieren. Das geht entweder mit getrennt geführten und separat gesteckten Busleitungen oder sogenannten Kombisteckverbindern, die den Bus bereits in den konfektionierten Leitungen mitführen. Hier sind die ausgewählten Eingangs-, Ausgangs- und Jalousiemodule mit einem EIB-Basismodul zusammengesteckt. Diese Einheiten werden Aufputz in der Deckenabhängung oder im Flurbereich montiert, um kurze Leitungen zu den Schaltern, Sensoren und Verbrauchern zu gewährleisten. Der modulare Aufbau der EIB-Schaltgeräte und die steckbare Installation addieren hier die Flexibilität. Beispielsweise bei einem kompakten vierfachen Schaltaktor für das EIB, an dessen vier Binärausgängen mit jeweils 230 Volt Wechselspannung sich Leuchten und ähnliche Verbraucher schalten lassen.

Für jeden Ausgang steht eine einstellbare Zeitfunktion ¿ Anzug- und/oder Abfallverzögerung beziehungsweise Treppenhausfunktion ¿ zur Verfügung. Parametriert wird über die EIB-Software.

Geradezu selbstverständlich gibt es auch eine spezielle Ausführung für die grassierende Niedervolt-Halogenleuchten-Flut. Auch hier stand und steht die Möbelindustrie Pate. Das besonders platzsparende System paßt in kleinste Ecken und läßt sich auch an unzugänglichen Stellen noch leicht installieren. Trotz der geringen Abmessungen liegt die Bemessungsspannung bei 48 Volt und die Strombelastbarkeit bei 25 Ampere. Zu den wenigen aber vielseitigen Grundelementen gehört unter anderem ein steckbarer Verteilerblock mit einem Zugang und fünf Abgängen. Auch für dieses System gibt es einerseits Steckverbinder in Schraubversion und andererseits konfektionierte Leitungen unterschiedlicher Länge.

Es werde Licht
Haben Sie schon mal in einer abgehängten Decke Leuchten installiert? Das entartet meistens in eine ziemlich anstrengende Fronarbeit. Hier kommt die steckbare Anschlußtechnik so richtig in Fahrt. Das Odenwald Faserplattenwerk in Amorbach (OWA) im bayrischen Odenwald hat sich mit seinen nichtbrennbaren, abgehängten Fertigdecken zum Marktführer in Deutschland entwickelt. Als OWA vor drei Jahren diese Deckensysteme zusätzlich mit integrierbaren Langfeld- und Quadratrasterleuchten ergänzte, wurde offensichtlich auch an das rationelle Installieren gedacht. Jedenfalls stehen diese Leuchten jetzt mit dem hier vorgestellten Steckverbindersystem im Lieferprogramm.

Ich habe hier zur Vereinfachung alle Komponenten ¿gesis¿ genannt. Die Bamberger unterscheiden da natürlich noch in ¿CON¿, ¿St¿ ¿EIB¿ und so weiter. Lassen Sie sich das gegebenenfalls auseinanderklamüsern.

Ich meine, hier wurde ein mutiger Schritt und die lange Ausdauer der Verantwortlichen letztendlich belohnt. Daß dieses System hauptsächlich dann Sinn macht und seine Vorteile ausspielen kann, wenn sich Installationsschemata wiederholen, liegt auf der Hand. Nachdem ¿ wenigstens in den Zweckbauten ¿ die Elektroinstallation nicht mehr ¿ wie untreue Rittersfrauen ¿ eingemauert, sondern in Kabelkanälen verlegt wird, sollte auch die bisherige Installation solchen moderneren Verfahren Platz machen. Ob und wann sich diese Technik allerdings auch für den Häuslebauer eignet, steht auf einem anderen Blatt. Und daß beim Einzug in eine neue Wohnung für die Deckenleuchte immer noch die Anschlußstrippen mit den unvermeidlichen Klemmen aus der Decke baumeln, ist für mich ein Anachronismus.

Vielleicht setzen sich auch da irgendwann andere ¿ zum Teil schon vorhandene ¿ Systeme durch. Dieses Beispiel läßt mich hoffen.

Bernhard Siegmund / September 1998

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