Interview zum Femworx-Karrierekongress
"Frauen kämpfen immer noch mit Geschlechterstereotypen"
Im Rahmen der Hannover Messe fand der Femworx-Karrierekongress erstmalig an zwei Tagen statt. Am 25. und 26. April konnten Teilnehmerinnen zwei Tage voller Inspirationen und ermutigender Geschichten bei der Netzwerk- und Diskussionsveranstaltung für Female Leadership im Mint-Bereich miterleben.
Johanna Meyer, Femworx-Projektleiterin, erläutert im Interview mit Annina Schopen die Initiative und spricht über die die Rolle der Frau in der Industrie und Herausforderungen für Frauen in Führungspositionen. (Anmerk. der Red.: Das Interview wurde im Vorfeld des Kongresses geführt)
Der Karrierekongress präsentiert sich in diesem Jahr mit neuem Namen. Was steckt dahinter?
Nach 20 Jahren Womenpower war es an der Zeit, den nächsten Schritt zu wagen. Von der eintägigen Veranstaltung am letzten Messetag der Hannover Messe wollten wir unseren Themen mehr Raum geben. Ziel ist es, insbesondere messeseitig eine engere Verzahnung mit der Hannover Messe zu erreichen. Für uns war klar: Wenn wir schon vieles neu denken, dann muss auch ein neuer Name her, der mehr auf den Karrierefokus eingeht. Nach vielen Überlegungen und ganz vielen Namensideen, sind wir bei "Femworx" angekommen und sehr glücklich. Die Silbe "Fem" ist die Abkürzung von "female", und "worx" weist auf die Arbeitswelt und Karrieremöglichkeiten hin. Das "X" ist ein kleines Spiel mit dem X-Chromosom und der Mathematik/Wissenschaft, in der oft "x" gesucht wird. Wir bieten dafür die Lösung, und so findet man bei uns viele weibliche Talente.
Was sind die Schwerpunktthemen des diesjährigen Kongresses?
Unsere Vorträge und Workshops sind in diesem Jahr in sieben Themen gegliedert. So bilden die Themen Career, Leadership, New Work und Entrepreneurship die Basisthemen, die wir in den letzten Jahren gut etabliert haben. Neu in diesem Jahr sind die Themen Gender Design, Finance und Health. Neben einem sehr fachlichen Thema wollten wir unbedingt zwei Themen mit auf die Agenda bringen, die uns alle betreffen, aber leider viel zu oft vernachlässigt werden.
Was sind die Hauptziele dieses Karrierekongresses für Frauen in der Industrie?
Das Femworx-Programm verspricht eine Mischung aus spannenden Vorträgen, lebhaften Podiumsdiskussionen, interaktiven Workshops und reichlich Gelegenheiten zum Netzwerken – alles darauf ausgerichtet, Frauen in allen Phasen ihrer Karriere zu stärken. Die begleitende Ausstellung bietet eine Fülle an Informationen zu Karrieremöglichkeiten, Studien-, Coaching- und Mentoring-Angeboten sowie aktuellen arbeitspolitischen Themen und Trends. Wir hoffen, dass der Femworx-Karrierekongress alle Teilnehmerinnen inspiriert und dabei hilft, wertvolle Kontakte zu knüpfen, um berufliche Ziele mit Entschlossenheit und Leidenschaft zu verfolgen.
Welche Arten von Netzwerkmöglichkeiten werden auf dem Kongress geboten?
Da wir unser Programm auf zwei Veranstaltungstage erweitern konnten, bieten sich in diesem Jahr noch mehr Möglichkeiten zum Netzwerken: Sei es zwischen verschiedenen Programmpunkten, mitten in der begleitenden Ausstellungsfläche oder beim Mittagessen. Wer nach dem ersten Kongresstag noch nicht genug hat, kann sich natürlich auch gerne zu unserer Networking Night anmelden und in entspannter Atmosphäre den Tag ausklingen lassen. Am zweiten Tag warten ebenfalls viele Möglichkeiten zum Netzwerken: Wer auf Jobsuche ist, kann sich unter anderem für unser Format "Job Offer Talks – Speed-Date your Job" anmelden. Wer sich noch nicht sicher beim Netzwerken fühlt, findet im Programm viele Möglichkeiten, um sich in dieser Hinsicht zu entwickeln.
Der Kongress findet zum 21. Mal statt, was hat sich in den letzten 20 Jahren verändert? Wie hat sich die Rolle der Frau verändert?
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Rolle der Frau in der Industrie stark gewandelt. Frauen sind nun in einer Vielzahl von Bereichen präsent und übernehmen vermehrt Führungspositionen. Die Arbeitskultur hat sich ebenfalls verändert mit mehr Flexibilität und einem Fokus auf Work-Life-Balance. Unternehmen setzen verstärkt auf Vielfalt und Inklusion. Es gibt ein wachsendes Bewusstsein für Geschlechterungleichheit, und Frauen haben einen besseren Zugang zu Bildung und Ausbildung. Trotz dieser Fortschritte stehen wir immer noch vor Herausforderungen in Bezug auf Gleichberechtigung und Chancengleichheit, die angegangen werden müssen.
Welche Herausforderungen sehen Sie für Frauen in der Industrie, insbesondere in Führungspositionen?
Trotz großer Fortschritte kämpfen Frauen immer noch mit Geschlechterstereotypen und der "gläsernen Decke". Oft fehlt die spezifische Unterstützung zum Beispiel durch Mentoring-Programme, um in Führungspositionen aufzusteigen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Lohnungleichheit sind nach wie vor große Probleme. Darüber hinaus sind Frauen in einigen Industriezweigen immer noch unterrepräsentiert. Es ist dringend notwendig, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um Frauen in der Industrie zu fördern und gleiche Chancen auf Führungspositionen zu bieten.
Welche Maßnahmen könnten ergriffen werden, um Frauen zu ermutigen, eine Karriere in der Industrie anzustreben?
Ein erster Schritt wäre es, inspirierende Rolemodels sichtbar zu machen. Sie zeigen, was möglich ist, und bestärken andere in ihren Fähigkeiten und ermutigen, neue Wege einzuschlagen. Des Weiteren ist die Bereitstellung von modernen Bildungs- und Ausbildungsprogrammen entscheidend, um Frauen die erforderlichen Fähigkeiten zu vermitteln. Flexible Arbeitsmodelle, die es ermöglichen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Unternehmen sollten aktiv Vielfalt und Inklusion fördern und Möglichkeiten schaffen, in denen Frauen sich unterstützt und gehört fühlen. Netzwerke und Gemeinschaften für Frauen in der Industrie können wertvolle Unterstützung bieten, während finanzielle Anreize, beispielsweise über Stipendien, Frauen dazu ermutigen können, ihre beruflichen Ziele zu verfolgen. Die aufgeführten Maßnahmen allein können nur etwas bewirken, wenn auch gleichzeitig Hindernisse abgebaut werden, die dem beruflichen Fortschritt im Wege stehen. Neben allen genannten Maßnahmen sollten Unternehmen Perspektiven und Karrieremöglichkeiten für Quereinsteigerinnen aufzeigen, wie beispielsweise auf unserem Femworx-Karrierekongress.
Welche Rolle spielt die Bildung bei der Förderung von Frauen in der Industrie, und welche Änderungen könnten in Bildungsprogrammen vorgenommen werden, um dies zu unterstützen?
Ich denke, dass Bildung die entscheidende Rolle spielt, um in der Industrie erfolgreich zu sein. Um Frauen auf diesem Weg zu unterstützen, könnten Bildungsprogramme bereits in der Schule angepasst werden: verstärkte Förderung im Mint-Bereich, Unterstützung über unterschiedliche Förderprogramme, Stärkung von Vielfalt und Flexibilität sowie die Möglichkeit, frühzeitig praktische Erfahrung zu sammeln. Allein mit diesen Maßnahmen könnte bereits viel bewegt werden.









