3D-Bildverarbeitung
IIoT in der dritten Dimension
Hochauflösende 3D-Stereo-Kamerasysteme mit bis zu 12 Megapixel-Sensoren und integriertem Projektor ermöglichen neue Industrie-4.0-Anwendungen.
Die industrielle Bildverarbeitung erlebt durch die Anforderungen neuer IIoT-Anwendungen einen anhaltenden Boom. Bekanntermaßen lebt Industrie 4.0 von Use-Case-Szenarien, und diese wiederum werden von technologischen Innovationen beflügelt. Matrix Vision, Marke des Sensor- und Automatisierungsspezialisten Balluff, kennt die Anforderungen im Anlagen- und Maschinenbau genau und entwickelt stetig leistungsstarke Hard- und Software für die industrielle Bildverarbeitung.
Das Unternehmen erweitert nun sein Portfolio um zwei 3D-Stereo-Kameras, einmal 1,2 und 12 Megapixel Auflösung. „Unsere Kamerasysteme helfen dem Maschinen- und Anlagenbau, bei der Verteilung von Einzelteilen aus einer großen Menge heraus komplexe Zuführkinematiken zu vermeiden, die oft technisch aufwendig und kostspielig sind und meistens viel Platz benötigen“, erklärt der zuständige Produktmanager Fabian Furtner. „Oft eingesetzt wird das sogenannte Bin-Picking, bei dem ein industrieller Greifroboter über eine Bildverarbeitung geführt nach Teilen in einer Box greift. Der Einsatz der Kamerasysteme für derartige Industrie-4.0-Anwendungen reduziert den technologischen Aufwand, spart Platz und schont die Umwelt.“
Auf die Perspektive kommt es an
Die 3D-Kameras basieren auf der Stereotechnologie: Über zwei Kameralinsen werden Bilder einer Szene leicht versetzt zueinander erfasst. Die Bildverarbeitung geht dabei deutlich über die von konventionellen Digitalkameras hinaus, denn es werden auch Tiefeninformationen als dritte Dimension berechnet. Das kleinere Kamerasystem von Matrix Vision hat einen „Augenabstand“ von 65 mm, das große von 160 mm. Hinzu kommt ein Nvidia-Board, das durch die Korrelation von Strukturen im linken und rechten Kamerabild ein 3D-Bild direkt in der Kamera berechnet.
Diese Technologie ist gerade für die Logistik und Robotik interessant. Denn neben der Lokalisierung von Objekten in einer planaren (X-Y-)Fläche spielt auch die Z-Richtung eine Rolle, etwa zur Positionsbestimmung eines Objekts relativ zum Betrachter, um einen Greifvorgang zu steuern. Doch was bringen die zehnmal so hohe Auflösung von 4.096 x 3.008 Pixel und ein Tiefenmessbereich von 0,5 m bis 4,0 m des großen Systems? „Über das hochauflösende 3D-Kamerasystem lassen sich die Objekte aus einer größeren Distanz bestimmen und viel kleinere Objekte erkennen. Man muss nicht so dicht mit der Kamera am Ort des Geschehens sein, was von Vorteil ist, wenn dort ungünstige Bedingungen wie hohe Temperatur herrschen oder dem Roboter ausreichend Bewegungsfreiheit gewährt werden muss“, erklärt Furtner.
Aufbau des Highend-Systems
Mit 12 Millionen 3D-Datenpunkten erfasst die Kamera jedes Detail – und das mit einer Bildwiederholungsrate von bis zu 9 Hz. Die Herausforderung dabei ist, dass sehr viele Daten verarbeitet werden müssen, was eine hochperformante Hardware voraussetzt. Dadurch jedoch, dass eine sehr gute GPU-basierte Auswerteeinheit von Nivida zum Einsatz kommt, sei das alles kein Problem, versichert der Produktmanager. Über eine GigE-Vision-Schnittstelle lassen sich auf Basis der Kameradaten eigene 3D-Applikationen erstellen. Erleichtert wird dies durch die im Lieferumgang enthaltene Software-Bibliothek, sodass die 3D-Berechnung auf die Grafikkarte outgesourct werden kann. Dies entlastet die Kamera-CPU.
Das kompakte, 1,2 Megapixel auflösende System indes benötigt keinen Extra-PC. Die Auswerteeinheit ist im Sinne eines „all-in-one“ in der 3D-Kamera verbaut. In der Lesart von Industrie 4.0 handelt es sich also um ein „smart product“. Das drückt die Betriebskosten, unter anderem weil es wartungsoptimiert ist.
Zur Erkennung der Objekte gibt es verschiedene Softwaremodule, die für unterschiedliche Applikationen optimiert sind. Bei manchen sind 3D-Modelle notwendig, an denen der Algorithmus trainiert wird, bei anderen nur wenige Einstellungen im Webinterface der Kamera. Aber dies sei relativ schnell erledigt, sagt Fabian Furtner.
Bei den angesprochenen Zielgruppen gibt es einen gewissen Überlappungsbereich. Mit dem niedrigauflösenden Kamerasystem werden etwa Robotersystemintegratoren und Maschinenbauer angesprochen. Durch die benutzerfreundliche und einfache Software lässt sich das System auch ohne ausgesprochene Expertise im Bereich der industriellen Bildverarbeitung integrieren. Das 12-Megapixel-System bietet zudem die Möglichkeit der komplexen Applikationsentwicklung. Diese wird meist nicht vom Maschinenhersteller direkt, sondern von einem Entwicklungspartner durchgeführt. Beiden Systemen gemein ist die robust-professionelle Ausführung.
SPS: Halle 5, Stand 210 und Halle 7A, Stand 303











