Interview mit Werner Pfister und Christian Busch
„Das Innovationskarussell dreht sich immer schneller“
SCOPE: Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen bei der Verbindung von Leichtbau- und Sandwich-Materialien?
Werner Pfister: Traditionelle Fügemethoden basieren nach wie vor auf den Eigenschaften kompakter Werkstoffe, in denen die Befestiger optimalen Halt finden und eine dauerhaft sichere Verbindung gewährleisten. Leichte und zugleich hochfeste Werkstoffe, wie Sandwichplatten oder Wabenplatten, sind jedoch in der Regel poröse Werkstoffe mit „Hohlräumen“, die einer belastbaren Verbindung denkbar schlechte Voraussetzungen bieten. Unternehmen, die bei der Verarbeitung dieser Materialien auf herkömmliche Verbindungstechniken wie Niete oder Schrauben setzen, gehen also einen Kompromiss ein – der zwar bekannt und funktional ist, aber gleichzeitig Optimierungspotenziale in sich birgt.
SCOPE: Welche Möglichkeiten gibt es aus Ihrer Sicht für diesen Bereich?
Christian Busch: Um poröse Materialien sicher zu verbinden, wird heute vielfach die Klebetechnik eingesetzt. Ihr großer Vorteil gegenüber Fügeverbindungen, wie Schrauben oder Niete, ist die flächig gleichmäßige Kraftübertragung. Gleichzeitig bedingt dieses Verfahren aber höhere Aufwände, wie die Klebestellenvorbereitung sowie längere Aushärtezeiten und schwierige Prozesskontrolle. Die patentierte MultiMaterial-Welding-Technologie vereint die Vorteile von konventioneller Verbindungstechnik und Klebetechnik in sich. Sie kombiniert hohe Festigkeit mit schnellen sowie kontrollierbaren Prozessen und bietet damit eine komplett neue Alternative für die Verbindung von Leichtbaumaterialien. Aus unserer Sicht wird sich dieses ultraschallbasierte Verfahren bei der Verbindung von Sandwich- und Leichtbaumaterialien langfristig durchsetzen.
SCOPE: Wie können Unternehmen die Vorteile der MM-W-Technologie optimal für sich nutzen?
Pfister: Um das gesamte Potenzial von MM-W auszuschöpfen, sollte das Thema so früh wie möglich berücksichtigt werden. Wir empfehlen unseren Kunden daher, uns bereits in den Designprozess des jeweiligen Bauteils einzubinden. So können wir schon in diesem Stadium festlegen, wo thermoplastische Verbinder optimal eingesetzt werden sollen. Übrigens gibt es hierbei nicht nur Standardlösungen. Art, Größe und Beschaffenheit der Befestiger können sehr rasch und kostengünstig jeweils individuell für die jeweilige Kundenanwendung entwickelt beziehungsweise optimiert werden.
SCOPE: Und für welche Einsatzgebiete ist MM-W geeignet?
Busch: Wir konzentrieren uns aktuell insbesondere auf die Automobil- und Transportbranche, die am stärksten mit den Themen Multimaterial-Mix, Leichtbau oder auch Noise Vibration Harshness konfrontiert sind. Wir sehen hier das größte Potenzial und können zudem auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen. Doch das Innovationskarussell bei der Entwicklung neuer Materialien dreht sich immer schneller, um die steigenden Anforderungen der Industrie und auch der Konsumenten zu erfüllen. Diese Entwicklung wird dazu führen, dass das Spielfeld für den Einsatz der MM-W-Technologie sich immer mehr vergrößert und alle Bereiche der Verbindungstechnik treffen wird.










