Digitalisierung für moderne Fertigung
Interview mit Jessica Bethune von Schneider Electric zur SPS 2025
Die SPS 2025 rückt näher – und mit ihr die Frage, welche Weichen die Automatisierungsbranche für die kommenden Jahre stellt. Welche Rolle offene Systeme, KI-gestützte Ansätze und modulare Architekturen dabei spielen, erläutert Jessica Bethune, Vice President Industrial & Process Automation DACH bei Schneider Electric, im Interview mit Industrial Production. Sie gibt Einblicke, welche technologischen Schwerpunkte das Unternehmen setzt, welche Entwicklungen die Branche aktuell prägen und vor welchen Herausforderungen die Industrie in den kommenden Jahren steht.
Industrial Production: Welche Technologien stehen bei Ihnen im Mittelpunkt?
Jessica Bethune: Im Mittelpunkt stehen bei uns moderne Automatisierungslösungen, die Effizienz, Flexibilität, Nachhaltigkeit sowie Sicherheit neu definieren. Durch offene, modulare und KI-gestützte Technologien lassen sich Prozesse optimieren, Zuverlässigkeit steigern sowie neue Wachstumschancen erschließen. Wie z.B. mit EcoStruxure Automation Expert (EAE), unserer offenen, softwaredefinierten Automatisierungsplattform, die Automatisierungsanwendungen mit anlagebezogenen, portablen und praxisbewährten Softwarekomponenten ermöglicht, unabhängig von der zugrunde liegenden Hardware-Infrastruktur.
EAE erlaubt es, Anwendungen auf die Hardware-Systemarchitektur seiner Wahl zu verteilen – hochgradig verteilt, zentralisiert oder beides – bei minimalem bis gar keinem Programmieraufwand. Außerdem werden bewährte Software-Best-Practices unterstützt, um Automatisierungsanwendungen, die mit IT-Systemen zusammenarbeiten, einfacher erstellen zu können.
IP: Welcher Branchentrend hat für Ihr Unternehmen derzeit die größte Relevanz?
Jessica Bethune: Der Einstieg in die Digitalisierung und der Übergang zu einer modernen Fertigung ist entscheidend für Unternehmen, die auf dem heutigen schnelllebigen Markt wettbewerbsfähig bleiben wollen.
Insofern sehen wir in der software-definierten Automatisierung nicht mehr nur einen Trend, sondern eine Notwendigkeit. Für die Industrie liegt hier der Schlüssel zur Nutzung von Innovation und neuen Technologien.
Traditionelle Automatisierungssysteme (mit Schwerpunkt auf der Hardware), die vor Jahrzehnten entwickelt wurden, haben oft Schwierigkeiten, sich an die Anforderungen einer datengesteuerten Zukunft anzupassen, was die Flexibilität und Effizienz einschränkt.
Offene, softwaredefinierte Automatisierung (SDA) überwindet diese Herausforderungen durch die nahtlose Integration von Informationstechnologie (IT) und Operational Technology (OT) der nächsten Generation und ermöglicht es Unternehmen, ein noch nie dagewesenes Maß an industrieller Leistung zu erreichen.
Durch die Nutzung der durch Automatisierung generierten Daten können Unternehmen wertvolle Erkenntnisse für eine verbesserte Entscheidungsfindung gewinnen, was zu mehr Effizienz und Produktivität führt.
SDA optimiert die Ressourcennutzung, fördert umweltfreundliche Praktiken und erhöht die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette durch sein anpassungsfähiges und modulares Design, während es gleichzeitig die Betriebskosten senkt. Es ermöglicht Unternehmen, ihre Abläufe zu skalieren, innovativ zu sein und neue Funktionalitäten zu implementieren, ohne durch bestehende Hardware-Einschränkungen eingeschränkt zu sein.
Ohne softwaredefinierte Automatisierung können wir die volle Kraft der Digitalisierung und KI im industriellen Umfeld nicht entfalten. Sie ist das Rückgrat unserer digitalen Revolution und ermöglicht es Unternehmen, das Potenzial fortschrittlicher Technologien zu nutzen und transformative Veränderungen voranzutreiben.
IP: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Ihre Branche in den nächsten zwei bis drei Jahren?
Jessica Bethune: Die Welt um uns herum verändert sich stetig und schnell, die heutigen Branchen sehen sich damit ständig neuen Herausforderung gegenüber, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
In Europa hat die Industrie mit hohen Energiekosten, strengen Umweltvorschriften, langsamer digitaler Transformation, Unterbrechungen der Lieferkette, Arbeitskräftemangel und geopolitischer Unsicherheit zu kämpfen.
Dieses komplexe und sich schnell verändernde Umfeld erfordert von Unternehmen neue Ansätze, um ihre Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Innovation und Technologie spielen eine Schlüsselrolle bei der Umgestaltung der Industrielandschaft und schaffen neue Möglichkeiten für Effizienz und nachhaltiges Wachstum.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen moderne Fertigungstechniken einsetzen und das Risiko von Investitionen in neue Technologien und Lösungen gegen das Risiko einer Unterinvestition in diese wichtigen Wachstumsfaktoren abwägen.
Und ganz persönlich: Was ist für Sie das Highlight an der SPS 2025?
Highlight in diesem Jahr ist für mich natürlich unser Messestand 540 in Halle 1. Mit einer Fläche von insgesamt 870 m² fällt der Stand dieses Mal deutlich größer aus – rund 300 m² mehr als 2024 – und unterstreicht damit die Wichtigkeit der SPS für unser Unternehmen.
Unter dem Motto „Welcome to Industrial Automazing“ vereinen wir dort 4 Säulen für die Zukunft der industriellen Automatisierung: „Softare-driven Manufacturing“, „Agile and Flexible Machines“, „Energy Efficiency and Sustainable Production“ sowie „Workforce Empowerment“.
Wer mehr dazu erfahren will und sich vor allem auch die verschiedenen Showcases, wie z.B. die neuentwickelte Verpackungsmaschine von Meurer, live anschauen will, der ist herzlich eingeladen, uns auf unserem Stand zu besuchen!
Herzlichen Dank für das Interview.
Die Fragen stellte Melanie Steinbeck.









