Interview
Verstärkte Nachfrage nach Automatisierung
Martin Kullmann, Leiter (a. i.) der Robotics-Division von ABB in Deutschland, spricht im Interview mit Andreas Mühlbauer über Perspektiven in der robotergetriebenen Automatisierung und wie sich KI dabei auswirkt. Einen Einblick erhalten Besucher der Automatica im Juni in München.
Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen: In welchen geografischen Regionen und Branchen sieht ABB derzeit dennoch Wachstumspotenziale oder eine stabile Nachfrage?
Wir sehen Potenziale in Europa, Nordamerika und Asien – insbesondere in China – gleichermaßen. Daher investieren wir in alle unsere Produktionsstandorte, um gemäß unseres "Local for local"-Ansatzes nah am Kunden zu sein. Erst kürzlich haben wir unser US-Werk in Auburn Hills ausgebaut, 280 Millionen US-Dollar in unseren Robotik-Campus in Schweden investiert und 2022 eine neue Roboterfabrik in Shanghai eröffnet.
Getrieben von den aktuellen Herausforderungen – und ermöglicht durch flexible, KI-gestützte und einfach zu bedienende Lösungen – entdecken immer mehr Unternehmen die Automatisierung für sich. Wir sehen eine verstärkte Nachfrage aus Branchen wie Logistik, Gesundheits- und Bauwesen. Auch Mittelständler setzen mehr Roboter ein.
Welche technologischen Neuerungen präsentiert ABB auf der Automatica 2025?
Unser Messeauftritt in Halle B5, Stand 321, spiegelt die Anforderungen unserer Kunden wider: Einfachheit bei der Bedienung und Programmierung, eine hohe Flexibilität, um die Produktion zügig skalieren zu können, sowie ein Plus an Nachhaltigkeit.
Entsprechend liegt ein Fokus auf kollaborativer Robotik und der Erweiterung unseres Partner-Ökosystems. Besucher können unterschiedliche Cobot-Anwendungen sehen und ausprobieren. Wie Hersteller ihre Produktion flexibel halten, demonstrieren wir anhand einer modularen Fertigungszelle – in Verbindung mit KI-gestützten AMR. Als Teil der Automatica-"Healthtech"-Offensive zeigen wir an unserem Stand zudem einen robotergestützten Labortisch. Was all diese Lösungen vereint, ist die OmniCore-Steuerungsfamilie von ABB – das "Herzstück" unseres Standes. Flankiert wird dies von digitalen Lösungen wie dem No-Code-Tool App-Studio und unserem Energieeffizienz-Service. Wir werden auch einige exklusive Neuheiten präsentieren.
Welche Rolle spielt KI in Ihren aktuellen Robotiklösungen – etwa bei der Programmierung, dem Einsatz oder der Wartung?
Mit Hilfe von KI erweitern unsere Forschungsteams weltweit die Fähigkeiten von Robotern über das hinaus, was herkömmlich eingehauste Roboter können. Sie verleihen ihnen Augen, Hände, "Köpfchen", die Fähigkeit, natürliche Sprache zu verstehen, sowie Mobilität – auf der Grundlage unserer mobilen Plattform.
Das ist insbesondere für Klein- und Mittelständler von Bedeutung. Sie können Automatisierungslösungen implementieren, die keine Programmierkenntnisse erfordern sowie intuitiver und einfacher zu bedienen sind. Das Potenzial geht weit über die traditionelle Fertigung hinaus. Bei ABB gehen wir die Produktentwicklung – auch in Sachen KI – stets aus Sicht des Kunden an. So kommen unsere KI-gestützten Robotiklösungen bereits in unterschiedlichen Anwendungen und Branchen zum Einsatz – vom autonomen Navigieren über Pick-&-Place bis hin zur Qualitätssicherung.









