Editorial INDUSTRIAL Production 3/2023
Romantisch konsumieren
Nach einem Jahr Krieg in der Ukraine mit immer wieder gezielten Angriffen auf die Zivilbevölkerung macht es mich ein bisschen ratlos, dass es immer noch – oder auch zunehmend mehr – Menschen gibt, die es sich einfach machen und Konzessionen von den Überfallenen fordern.
Es könnte sich der Eindruck aufdrängen, man möchte endlich wieder in die entspanne Vorkriegsruhe verfallen können. Es ist leicht, Verhandlungen zu fordern und zu suggerieren, wer sich dem nicht anschließt, habe kein Interesse am Frieden. Leider ignoriert die Forderung, dass der Angreifer derzeit gar nicht zu Konzessionen bereit ist. Das ist das Verlockende am Populismus – man muss sich mit den Realitäten nur am Rande auseinandersetzen, entsprechend müssen die Argumentationskonstrukte auch nur oberflächlich konsistent sein. Das trifft den Nerv, passt zum Wunsch, es möge alles wieder gut sein, eine Bedrohung einfach verschwinden. Verständlich.
Wir möchten möglichst ungestört, angenehm und günstig unseren eigenen Wünschen und Bedürfnissen nachgehen. Der Historiker Yuval Noah Harari nennt dies in seinem brillanten Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ den „romantischen Konsumismus“. Da stören freilich Verwerfungen, wenn sie sich in unmitelbarer Nähe abspielen und sogar ins Alltagsleben hinein wirken. Doch wer glaubt, nach einem Waffenstillstand, einem Ende des Krieges wäre schon irgendwie bald alles wie vorher, der irrt. Dessen bin ich sicher.
Kosten für Energie – wie auch für viele andere Rohstoffe und Produkte – werden nicht wieder das günstige frühere Niveau erreichen. Nicht nur eine Folge des Krieges. Auch beginnt es sich zu zeigen, welchen Preis wir künftig dafür werden zahlen müssen, dass Klimaschutz in den vergangenen Jahrzehnten in erster Linie als idealistisches Hirngespinst betrachtet wurde, dem sich der romatische Konsumismus keinesfalls unterordnen wird. Mit diesen Problemen werden wir umgehen lernen müssen, uns anpassen und neue Wege gehen. Das können wir nicht den Ukrainern auferlegen.
Umso wichtiger wird es sein, bewusst mit Energie und anderen Ressourcen umzugehen und das zu verinnerlichen. Darunter muss die Lebensqualität nicht leiden, den Willen und etwas Flexibilität vorausgesetzt. Ein Ansporn zur aktiven Suche nach Alternativen sollte allemal gegeben sein.
Der Schwerpunkt aktuellen Ausgabe der INDUSTRIAL Production ist „Industriekommunikation“ mit dem Fokus auf Embedded-Technologie und natürlich die embedded world Exhibition & Conference vom 14. bis 16. März in Nürnberg. Wir geben Ihnen jetzt schon Einblicke in neueste Anwendungen, Trends und Produktentwicklungen der Embedded-Branche.









