Hajo Stotz zum Opel-Verkauf

Umparken nach ?

„Umparken im Kopf“ – es war sicher nicht nur der griffige Slogan, der Opel in den letzten Jahren half, das biedere Image abzuschütteln, das der Marke seit den 80ern anhing. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann, der 2014 von VW zu Opel kam und in Wolfsburg für die E-Auto-Entwicklung verantwortlich war, gelang den Rüsselsheimern die Neuausrichtung. Starken Anteil daran hatte vor allem die Vorstellung von neuen, pfiffigen Modellen. Doch nun will GM-Chefin Mary Barra die europäische Tochter Opel/Vauxhall an die PSA-Gruppe (Peugeot) verkaufen.

Hajo Stotz, Chefredakteur SCOPE.

Barra, seit 2014 CEO bei General Motors, verliert im 17. Jahr, in dem Opel in Folge Verluste schreibt, die Geduld mit der deutschen Tochter. Jahrzehntelang war die allerdings eine Cash-Cow für die Amerikaner. 1929 übernahm GM das deutsche Unternehmen, das heute 36.000 Mitarbeiter in Europa, davon rund 20.000 in Deutschland beschäftigt.

Unter der Marke Opel werden Fahrzeuge des Konzerns sowie von Kooperationspartnern in Europa und weiteren Ländern vertrieben. Die wachstumsstärksten Märkte wie China und USA sind den Deutschen allerdings verschlossen, dort verkauft GM seine anderen Marken.
Die Russland-Krise und die Wirtschaftssanktionen trafen zudem keinen Autohersteller so hart wie Opel: Aus ihrem einst größten Exportmarkt haben sich die Rüsselsheimer letztes Jahr komplett verabschiedet, das Werk in St. Petersburg wurde geschlossen.

Anzeige

Doch mit einer großangelegten Image-, Ideen- und Modell-Kampagne begann Neumann, Opel aus der Krise herauszufahren. Jüngster Plan: Bis 2030 sollte Opel komplett auf die Produktion von Elektroautos umsteigen.

Welche Ziele der ehrgeizige PSA-Chef Carlos Tavares mit dem Kauf verfolgt, liegt dagegen im Dunkeln: Die Produktpaletten von Peugeot und Opel überschneiden sich zum Großteil, und auch auf der operativen Seite ist vieles doppelt. Einkauf, Vertrieb und Marketing würden wahrscheinlich nach Paris abwandern. Am meisten wäre aber der Entwicklungsbereich betroffen, den es dann ebenfalls zweimal geben würde: in Rüsselsheim und in Paris.

Dabei gilt das Internationale Technische Entwicklungszentrum als Prunkstück der Hessen. 210 Millionen Euro investierte GM zuletzt 2014 in den Ausbau des ITEZ, in dem fast die Hälfte der 10.000 Rüsselsheimer Mitarbeiter beschäftigt ist. Dort entstehen Ideen, Konzepte und Projekte, die Grundlage für viele General-Motors- und Opel-Reihen waren und sind.

Modelle wie Adam, Karl, Mokka und der neue Astra kommen am Markt sehr gut an, das Image von Opel hat sich in den letzten Jahren ebenfalls zum Positiven gedreht: Nach 15 Jahren rückläufigen Absatzes gewinnt die Marke damit seit zwei Jahren erstmals wieder Marktanteile. Und ausgerechnet jetzt geben die Amerikaner auf? Das ist keine Strategie, das ist ein Umfallen im Kopf.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Editorial

Es geht weiter

Im Herbst sollen Messen wieder stattfinden. Das hat die Politik erst kürzlich beschlossen. Doch die Verunsicherung der Unternehmen und Menschen ist dennoch groß. Das zeigt die Ausstellerbefragung der Stuttgarter Messe.

mehr...

Editorial

Krisen müssen draußen bleiben

„Ich hab sie gar nicht kommen sehen, plötzlich stand sie da, groß wie ein Riese. Sie sagte: ‚Hallo, guten Tag, mein Name ist Krise!‘“ So stellt sich eine Krise im gleichnamigen Lied von Max Raabe vor, bevor sie bei ihm einzieht.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial

Gemeinsam weiter

Am 26. März zeigten sich mal wieder sehr deutlich die Auswirkungen, die das Coronavirus und die daraus resultierende Erkrankung Covid-19 auf die Industrie und unser berufliches Leben hat ...

mehr...

Editorial

Immer so gemacht

Deutschlands Konjunktur schwächelt. Die Schuldigen wurden auch schnell gefunden: US-Präsident Donald Trump sowie die Briten mit ihrer Brexit-Achterbahn. Sicherlich haben Trumps (Twitter-)Entgleisungen für viel weltpolitischen und -wirtschaftlichen...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Editorial

Branchen, verbindet euch!

Als ich 2008 bei der „Elektronik“, dem Fachmedium für Elektronikentwickler und industrielle Anwender, anfing, diskutierte die Branche gerade über Cyber Physical Systems und das Internet of Things.

mehr...

Editorial

Wertschätzung, bitte!

Ein Handwerker schließt kategorisch aus, für eine gewisse Berufsgruppe zu arbeiten. Der Grund: mangelnde Zahlungsmoral und Besserwisserei. Ein Aufruf für mehr Akzeptanz.

mehr...

Editorial

Aufbruch trotz Volatilität

Im Jahr 2010 führte ich ein Gespräch mit Christian Wolf, Geschäftsführer von Turck, über das damals enorme Wachstum des Automatisierungsspezialisten: Kurz nach der Krise 2008/2009, in dem das Unternehmen einen Einbruch von 30 Prozent verkraften...

mehr...