Editorial
Generation Y
Audi, BMW, Porsche oder Volkswagen - das sind auch 2013 wieder die Wunsch-Arbeitgeber der Nachwuchs-Ingenieure. Fast jeden fünften Jung-Ingenieur zieht es zu dem Autobauer in Ingolstadt, jeder zehnte entdeckt seine Liebe zu Wolfsburg, wenn der Arbeitgeber Volkswagen heißt. Kleine und mittelständische Firmen, vor allem wenn sie weitab von Metropolen wie Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München sitzen, tun sich da ungleich schwerer - wie auch Daniel Just bestätigt, Personalchef beim Vakuumgreifer-Hersteller Schmalz im Schwarzwald: "Wir bieten ein Leistungspaket, das auf dem Niveau der Besten ist. Das müssen wir, um unseren Bedarf an Fachkräften auch in den nächsten Jahren zu decken." Allein durch die demografische Entwicklung wird sich im Schwarzwald in den nächsten zehn Jahren die Zahl der Unter-20-jährigen um fast 20 Prozent verringern (siehe Titelstory in SCOPE 05/2013, Seite 10). Zudem hat die Generation Y ganz andere Lebensziele. Generation Y - das sind die zwischen 1980 und 1990 geborenen, die gerade die Unternehmen erobern. Das Y, natürlich englisch ausgesprochen, steht für "Why?". "Die Neuen wollen Spaß haben, schnell vorwärtskommen und dabei weniger Zeit in ihrem Job verbringen. Und nebenbei noch die Welt retten", beschreibt die "Zeit" die Ansprüche des Nachwuchses. Vor allem das Thema Lebensgestaltung rangiert ganz oben: 60 Prozent der jungen Akademiker sieht eine gesunde Balance von Freizeit und Beruf als wichtigstes Karriereziel, wie die Universum Young Professional Survey herausgefunden hat. Weit abgeschlagen: Status und Prestige, wie eine Studie des Trendence-Instituts ergab. Spaß an der Arbeit, intellektuelle Herausforderung, Verantwortung und Gestaltungsspielräume stehen auf der Prioritätenliste ganz oben, ebenso wie die Standortqualität am Sitz des Arbeitgebers. Selbst in Städten wie Böblingen, wo Daimler, IBM oder HP für die niedrigste Arbeitslosenrate der Republik sorgen, bemerken suchende Arbeitgeber die geändernden Ansprüche der jungen Generation. "Wo niemand hin will¿, lästert etwa die ¿Stuttgarter Zeitung" über den Vorort. Unternehmen wie Schmalz gleichen mit attraktiven Leistungen aus, was Standort oder Image nicht bieten können. Doch Firmen, die in der Mitarbeitergewinnung weniger aktiv sind und dann noch an unattraktiven Standorten sitzen, tun sich in Zukunft immer schwerer damit, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen oder spezialisierte Stellen zu besetzen. Oder sie könnten ja auf die Idee kommen, die Generation "Käfer" anzusprechen? Wie etwa einen Bekannten von mir: Ingenieur, flexibel, wohnortunabhängig, Auslands- und Projektleitungserfahrung, guter Hochschulabschluss - doch der liegt eben fast 30 Jahre zurück. Nach rund 100 Bewerbungen musste er feststellen, dass der Fachkräftemangel - Demografiewandel hin oder her - so groß dann doch noch nicht sein kann.
Hajo Stotz, Chefredakteur
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