Meinung
Kunst oder Realität?
Wenn eine Maschine oder ein Automat konsequent den Dienst verweigern und die Funktionen nicht oder fehlerhaft ausführen, ist der Ärger groß.
Bei der Amme ist das gewollt. Das Projekt, das Kunst, Technik und Kommunikation vereinen soll und derzeit im Museum Moderner Kunst in Wien gezeigt wird, wurde von dem Berliner Künstler Peter Dittmer mit Unterstützung von zahlreichen Maschinen- und Anlagenbauunternehmen realisiert, darunter Festo, Allgaier, Emag, Schuler und Siemens.
Sinn des Kunstprojektes ist es, den Roboter per Monitordialog dazu zu bringen, ein Glas Milch zu reichen. Doch die 20 Meter lange Roboteranlage ist so programmiert, dass sie mit frechen Antworten provoziert und durch sich füllende und leerende Gläser, durch kuriose Duschattacken sowie Spül- und Pumpvorgänge ihre Befindlichkeiten mitteilt. Fühlt sie sich geärgert, nimmt sie das Glas Milch - und verschüttet es. Gezeigt werden soll damit laut Künstler Dittmer die Ohnmacht des Menschen gegenüber der ihn immer stärker beherrschenden Technik.
Aber nützt es der Branche, wenn sie ein Objekt fördert, das zeigen soll, wie hilflos der Mensch angesichts nicht funktionierender Technik agiert? In Anbetracht wachsender Vorbehalte gegenüber immer komplexer werdender Technik sowie eines rapide wachsenden Ingenieurs-Nachwuchsmangels könnte es ihr mehr bringen, Aktionen zu fördern, die die positiven Seiten der Technik aufgreifen und in das Bewusstsein der Gesellschaft rücken. Denn negative Erlebnisse kann man tagtäglich bereits mit ganz normalen Maschinen und Anlagen genießen, ohne dafür extra Eintritt zu zahlen. Wie etwa bei der Rückreise von dem Wiener Pressetermin. Die Idee ist gut: Einchecken für den Flug in der Stadtmitte am Shuttle-Terminal. Statt menschlichen Personals steht dort als Ansprechpartner ein Automat. Der scheint allerdings eng mit der Amme verwandt zu sein, denn die Kommunikationsversuche mit ihm lösen ein Déjà-vu aus.
Doch nach einer Vielzahl von Fehlversuchen habe ich es fast geschafft. Die Maschine fordert mich auf, den Koffer auf das automatische Wiege- und Gepäckförderband zu stellen. Es zuckt kurz hin und her, dann teilt mir der Automat mit, dass mein Koffer Übergewicht habe. Mit dem Wissen, dass das Gepäck auf dem Hinflug nur acht Kilogramm wog und nun trotz zusätzlicher Presseunterlagen kaum schwerer sein kann, versuche ich den Automaten zu korrigieren. Doch der Erfolg ist noch bescheidener als bei der Amme. Während diese wenigstens noch reagierte, wenn auch nicht in der erhofften Form, bricht der automatische Check-In-Automat die Kommunikation einfach ab. Erst im dritten Anlauf klappt es; er akzeptiert diesmal das Gewicht und druckt das Flugticket und das Gepäckmarkierungsband aus.
Mit dem guten Gefühl, eine schwierige Aufgabe doch noch erfolgreich gelöst zu haben, schaue ich meinem Gepäckstück hinterher, bis es hinter einer sich automatisch öffnenden Schleuse verschwindet. Das war das letzte Mal, dass ich meinen Koffer seitdem gesehen habe.








