Meinung
Höhenflüge
„Huckepack ins All: Zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt hat ein privates Raumschiff das Weltall erreicht...“ So, oder ähnlich, ist sicher auch Ihnen die Spaceship-One-Story vor einigen Wochen begegnet. Die ersten 15 Kilometer Höhe mit Trägerflugzeug, dann auf 103 Kilometer mit Raketenantrieb in der Raumfähre. Es geht mir hier nicht um technische Details, nicht um pfiffige Strategien zum Überwinden der Schwerkraft. Ich spekuliere auch nicht auf den ersten Journalisten-Freiflug, ich glaube ohne „oben“ gewesen zu sein, dass die Erde eher Kugelform aufweist, nicht Scheibe ist.
Mir geht es darum, dass mit diesem Projekt etwas gelingt, was uns alle zum Nachdenken auffordert: Privatwirtschaftliche Initiative hat schneller, preiswerter und realisierbarer zum Ziel geführt, als jedes öffentlich geförderte Forschungs-Großprogramm dieses jemals schaffen kann.
Unternehmerisches Denken, kreative Ideen, höchste Motivation, Organisations- und Improvisationstalent – das sind die Zutaten, mit denen fest umrissene Ziele auf schnellstem Weg erreichbar sind. Und wenn Sie dieser Aussage wirklich zustimmen, dann schauen Sie bitte noch einmal auf die Erfolgs-Zutaten: Ist doch alles da, auch in Ihrem Hause!
Und ins All wollen wir ja gar nicht; es genügt, im Feld der Wettbewerber die bessere Figur zu machen. Was machen wir also nicht gut genug, wenn es nicht richtig rund läuft? Liegt es vielleicht an den Zielen? Sind es die Richtigen? Sind sie nicht exakt genug definiert? Können wirklich alle auf diese Ziele hin arbeiten? Kennen wirklich alle Mitarbeiter die Ziele des Hauses? Setzen sich nicht einzelne Abteilungen, Gruppen oder Teams ihre eigenen (oder gar persönlichen) Ziele?
Lohnt es sich, darüber nachzudenken?
Ihr
Dieter Capelle, Chefredakteur









