Meinung
Staats-Lehrlinge*
Karlsruhe, 26. 1. 2010 – Mit ihrem heutigen Urteil haben die Richter des Bundesverfassungsgerichts eine Verfassungsbeschwerde der Opposition abgelehnt und damit den Weg für die generelle Einführung von Gebühren für die Berufsausbildung frei gemacht. Nach dem Grundsatz der Gleichberechtigung wurde damit das Modell der Studiengebühren für Universitäten auf alle Ausbildungswege ausgeweitet. Vertreter der Industrie begrüßten das Urteil als einen Durchbruch, der auch in Zukunft die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sichern werde. Führende Politiker zeigten sich erfreut über die Gleichsetzung: „Als zahlende Kunden können in Zukunft nicht nur Studenten von ihrer Universität, sondern nun auch Auszubildende von ihren Betrieben entsprechende Leistungen erwarten. Das wird mittelfristig dazu beitragen, die Qualität der Berufsausbildung in Deutschland zu steigern.“
Alles Quatsch. Richtig! Studium und Berufsausbildung kann man nicht vergleichen. Falsch!
Der Student als zahlender Kunde des universitären Ausbildungsbetriebs; das Studium als ein den Gesetzen der freien Marktwirtschaft unterliegende Dienstleistung – ein Vergleich der nur dann zulässig ist, wenn Universität und Studenten als isoliertes System betrachtet werden, wenn das Studium einzig allein als persönlicher Luxus gesehen wird. Als Teil des neuerdings so viel zitierten Unternehmens Deutschland jedoch übernimmt die Universität die Rolle der Entwicklungsabteilung und Lehrwerkstatt. Zwei Abteilungen, die uns bis heute weder der sparsamste Ökonom noch der cleverste Consultant als eigenes Profitcenter schönrechnen konnten. Forschung und Ausbildung kosten nun mal, sind aber zweifelsfrei die besten Investitionen in die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.
Dennoch scheint es sich immer noch nicht ganz herumgesprochen zu haben: Ein Land (noch) ohne billige Arbeitskräfte und ohne Bodenschätze kann sich in der Weltwirtschaft zukünftig nur durch den Export von Wissen behaupten. Wissen ist und bleibt unser einziger Rohstoff, und Rohstoffe müssen nun einmal gefördert werden. Denn wir brauchen auch in Zukunft das Talent und die Kreativität von allen und nicht nur von einigen Zahlungsfähigen.
Matthias Meier
Redakteur








