Meinung
Teilweise sonnig
Im Rahmen unserer verhaltenen Wirtschaftsentwicklung erlebt die Roboterbranche – deren Hersteller, Ausrüster, Softwareschmieden, Integratoren – eine Art Sonderkonjunktur. Die Branche läuft wie geschmiert.
Weit mehr als 2,6 Millionen Roboter sind seit Beginn des industriellen Einsatzes um 1970 verkauft worden – und mehr als die Hälfte werkelt noch vor sich hin. Bei der Dauerhaftigkeit dieser Systeme ist es dennoch bemerkenswert, dass der Verkauf weiter steigen wird. So wird für 2013 ein neuer Rekordabsatz gemeldet: plus zwölf Prozent verglichen zu 2012. Das bedeutet nicht ganz 180.000 Robotereinheiten.
Ein etwas tieferer Blick in die Zahlen offenbart, dass Asien die Werkbank der Welt bleibt. Die Asiaten standen für 55 Prozent der weltweiten Käufe und setzten sich mit einer Wachstumsrate von 17 Prozent doch recht einsam an die Spitze, berichtet der Branchenverband IFR. Verglichen dazu rangieren Amerika (plus acht Prozent) und Europa mit einem Zuwachs von fünf Prozent weit hinten. Bei den Vereinigten Staaten macht sich hier die offensichtliche Reindustrialisierung bemerkbar. Dass Europa ordentlich hinterherhinkt, liegt mehr oder weniger an den unbewältigten Finanzkrisen in den Industrieländern Frankreich, Italien und Spanien. Hier wird sich wohl mit dem angekündigten Wiedererstarken ein Nachholbedarf entwickeln können.
Spannend ist aber nicht allein die Zahl der Installationen, sondern die Dichte der Roboter im Verhältnis der Arbeitsplätze. Maßstab sind 10.000 Industriearbeitsplätze. Und da liegt nicht China vorne, wie vielleicht erwartet wurde. Spitzenreiter war 2013 Südkorea mit einer Menge von 437 Installationen auf 10.000 Mitarbeiter. Japan mit seinen lange Jahre anhaltenden konjunkturellen Problemen meldete einen Rückgang auf 323 Roboter – Deutschland schwang sich auf eine Population von 282 Einheiten hoch, die USA und Taiwan melden 152 respektive 142.
Dass diese Zahlen nur eine Zwischenstufe darstellen, ist allen klar. In Japan geht man von einer Verdoppelung bis 2020 aus. So ähnlich wird es wohl auch bei uns kommen, vor allem wenn die Mensch-Roboter-Kooperation die Praxis erreicht hat.
Das sind die wirtschaftlich sonnigen Aussichten für den Augenblick. Und Europa soll sich nächstes Jahr auch wieder aufrappeln, glauben die Auguren ganz fest.
Verlag und Redaktion wünschen Ihnen schöne und erholsame Feiertage.
Bis zum nächsten Jahr,
herzlichst
Ihr
Bernd Waßmann
Stellv. Chefredakteur
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