Meinung
Die Chinesen kommen
„Ninhao!“ schallte es mir freundlich auf dem Stand des chinesischen Ausstellers entgegen. Einer von über 500, die sich dieses Jahr auf der Hannover Messe präsentierten. Den auf Englisch gehaltenen Erklärungen des Gesprächspartners, der mir sofort etliche Prospekte sowie einen seiner Antriebe zur Begutachtung in die Hand drückte, konnte ich leider nur in Ansätzen folgen – der freundliche Herr sprach ein völlig anderes Englisch als ich, und umgekehrt ist mir chinesisch leider völlig fremd.
Doch so geht es wohl 99,9 Prozent der deutschen Bevölkerung – obwohl China inzwischen der wichtigste Handelspartner für Deutschland ist, Import (80 Mrd. Euro) und Export (65 Mrd. Euro) zusammengezählt.
Dennoch findet hierzulande China außerhalb der Wirtschaft (auch der ums Eck) kaum statt. Über chinesische Kultur, Geschichte oder aktuelle Ereignisse berichten die Medien kaum, im Gegensatz zur Silicon-Erneuerung jedes US-Sternchens.
Doch die Chinesen kommen. Nicht nur jeder zehnte Aussteller der Hannover Messe stammte bereits aus China, auch immer mehr chinesische Firmen eröffnen Niederlassungen in Deutschland oder übernehmen deutsche Firmen: Medion, Putzmeister, Schiess, Kiekert, Waldrich Coburg sind nur einige Beispiele. Im letzten Jahr stiegen Chinas Investitionen in der EU um 101 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro.
Hintergrund ist der aktuelle 5-Jahres-Plan, der anspruchsvolle Ziele unter anderem hinsichtlich Umwelt-, Binnen- und Exportmarktausbau definiert. Die chinesische Industrie kann diese Ziele nur erreichen, wenn sie effizientere und höherwertige Maschinen und Anlagen einsetzt.
China ist zwar bereits die weltgrößte Exportnation mit 1578 Mrd. US-Dollar, vor den USA (1278) und Deutschland (1269), dabei jedoch bisher fast ausschließlich im Low-Tech-Bereich präsent. Daher hat das asiatische Land den Maschinenbau zu einer Schlüsselindustrie erklärt, der massiv mit Fördermitteln unterstützt wird und in die mittleren und High-end Segmente vordringen soll. Um an das notwendige Know-how zu gelangen, bedienen sich die Chinesen auch nicht mehr ausschließlich des konfuzianischen Ansatzes („Wer große Meister kopiert, erweist ihnen Ehre“) sondern investieren in eigene Innovationen oder kaufen das Know-how durch Übernahmen ein.
Dass die Qualität der chinesischen Produkte bereits gewaltig angezogen hat, war auch auf der Hannover Messe festzustellen. In meinem Fall erfolgte die Beurteilung weniger auf Basis des chinesischen Antriebs, sondern an Hand der Unterlagen. Die waren in hochwertiger Aufmachung angelegt mit professionellem Layout – und in fast fehlerfreiem Deutsch.
Vielleicht sollte ich doch anfangen, chinesisch zu lernen. Wer weiß, ob die Chinesen auch ihr Interesse an deutschen Verlagen entdecken – oder was sich in der Verlagswelt sonst so tut….









