Meinung

Nebel des Misstrauens

Für das Thema Cloud Computing gab es keinen besseren Präsentationsort. Nicht erst seit Ex-Bundeswulff verbindet man mit Hannover wolkige Argumente mit flauschigen Versorgungsansprüchen, Maschsee-Connection, Männerfreundschaften, Sümpfen, Frogs (Friends of Gerhard Schröder) und Gaz-Schwaden. Rechner in der Wolke und Cebit sind also eine geradezu ideale Verbindung. Das Cloud-Computing, bei dem Daten und Programme direkt aus dem Netz (auch über Rechner, deren Standorte der Kunde gar nicht kennt) kommen, versuchen die Anbieter der Industrie zwar schon lange schmackhaft zu machen. Doch noch nie stand das Thema so im Fokus wie auf der Cebit.

Laut einer Studie im Bitkom-Auftrag soll der Umsatz mit Cloud Computing in Deutschland 2012 um 47 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro wachsen. Die Unternehmen könnten dann flexibler agieren und Fixkosten sparen, erklärt Telekom-Chef René Obermann der Nachrichtenagentur dpa. „Nutzer der Telekom Cloud kaufen ihre IT bedarfsgerecht ein und bezahlen nur für die tatsächlich genutzten Dienste.“ Die Telekom erwartet, „dass in den kommenden Jahren fast alle Unternehmen zumindest ergänzend Cloud Computing nutzen“.

„Je selbstverständlicher Technologien werden, desto wichtiger ist es, dass wir diesen vertrauen können“, sagte Kanzlerin Merkel zur Messeeröffnung. Daran aber scheint es nach Ansicht vieler Unternehmen noch zu hapern. Studien von Dell und Intel zeigen, dass gerade kleine Firmen beim Thema Cloud am zurückhaltendsten sind. 28 Prozent der 1500 befragten KMU lehnen solche Dienste ab; 35 Prozent haben sich noch gar nicht damit beschäftigt.

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Die Fragen zu Rechtssicherheit und Datenschutz überfordern die Firmen. Wer seine Daten in die Cloud schiebt, tritt bei einigen Anbietern Nutzungsrechte an seinen Inhalten ab. Cloud-Daten eines US-Dienstes unterliegen nicht deutschem Datenschutzrecht. Die Folge: US-Behörden dürfen Einblick nehmen, selbst wenn der Server in Europa steht. Und das Urheberrecht? Viele Anbieter geben schnell ohne Gerichtsbeschluss Nutzerdaten raus, wie etliche Fälle (Wikileaks) gezeigt haben. Deutsche Anbieter wie T-Systems betonen den Standort ihrer Rechenzentren hierzulande. Nur deutsche Clouds würden deutsche Datenschutzstandards erfüllen, so T-Systems Chef Reinhard Clemens.
Deutsche Standards können sich Anbieter nach ISO 27.001 zertifizieren lassen und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und der Verband Eurocloud geben Zertifikate für IT-Sicherheit aus. Weitere länderübergreifende Rechtsstandards gibt es aber bisher kaum. Brüssel diskutiert derzeit eine europäische Cloud-Strategie. Ob das hilft, den Unternehmen das Misstrauen zu nehmen? Beim Cloud-Computing ist es wie in der Politik: Einige wenige faule Eier reichen aus, um den Ruf einer ganzen Branche zu verderben.

Hajo Stotz, Chefredakteur
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