Editorial
Advent, Advent, die Hütte brennt!
Adventszeit – Vorfreude und Besinnlichkeit, wie jedes Jahr. Fällt aus, wieder. Überraschung! Dafür macht sich eine andere Routine breit: die im Herbst versäumte Prävention nachzuholen. Was Appelle an die Vernunft bewirken, haben wir gelernt. Verzicht zugunsten des Allgemeinwohls – äußerst widerwillig. Kann man Corona eigentlich ernst nehmen, solange – zum Beispiel – in Fußballstadien vor zigtausend Fans gekickt wird, als wäre alles wie immer? Ganz schwierig. Verantwortungsbewusstsein: monatelang Fehlanzeige. Oder erklärt mir jemand die pandemische Irrelevanz eines launigen Abends im Fußballstadion im Gegensatz zu einem Abstecher auf den Weihnachtsmarkt? Es war höchste Zeit, ein Zeichen zu setzen und Fußball vor großem Publikum sein zu lassen, ebenso wie andere Veranstaltungen. Meine Kollegin Annina Schopen schrieb dieser Tage, es fiele angesichts der sich trotz Impfmöglichkeit wiederholenden Winterweihnachtswelle schwer, nicht zynisch zu werden. Recht hat sie. Mir fällt es noch schwerer – sehen Sie es mir nach.
Das Recht des Einzelnen auf Unvernunft geht nicht immer mit dem demokratischen Verständnis des Wohles der Gesellschaft einher. Wenn selbst dem sonst so besonnenen Lothar Wieler der Kragen platzte und sich Jens Spahn aus dem ministeriellen Vorruhestand zurückmeldete und verkündete, dass nichts Ausgeschlossenes ausgeschlossen werden könne, da konnte man schon mal stutzig werden. Vielleicht hilft es, den Blick tatsächlich einmal in die Kliniken des Landes zu wenden. Wo Pflegekräfte spätestens dann an ihrer Berufung zweifeln, wenn ihnen ein nach Intensivaufenthalt genesener Corona-Patient bei der Entlassung mitgibt, er werde sich auch künftig keinesfalls impfen lassen. Das ist Zynismus pur.
Ich wünsche Ihnen trotz allem eine schöne Adventszeit,
Ihr Andreas Mühlbauer









