Verbesserung der Batterie-Produktion
Hohe Ausschussraten senken mit KI-Algorithmen
Die Zukunft der Lithium-Ionen-Batterien-Produktion ist golden. In den rund drei Jahrzehnten, seit die Technologie den Weg von den Labors zu den Produktionslinien gefunden hat, hat sie sich stetig weiterentwickelt und ist nun auf dem besten Weg, ein Schlüsselfaktor für eine globale Verkehrsrevolution zu werden. Mit der wachsenden Nachfrage steigt auch der Druck auf die Hersteller. Wie können sie ihre Abläufe effektiv skalieren und verbessern, um die Herausforderungen, denen sie sich gegenübersehen, in Chancen zu verwandeln? Klaus Petersen, Director Automotive and Lithium Battery Industries, Factory Automation Emea bei Mitsubishi Electric, untersucht die Faktoren, die Batteriehersteller noch verhalten reagieren lassen und wie sie überwunden werden können.
Lithium-Ionen-Batterien benötigen teure Rohstoffe und durchlaufen einen komplexen Produktionsprozess mit hohen Verschrottungsquoten. Ein Lösungsansatz ist die Digitalisierung – die Implementierung digitaler Technologien zur Erfassung und Verarbeitung großer Datenmengen, die in der modernen Fertigung anfallen. Sie dienen der Gewinnung von Erkenntnissen, die dem Produktionsprozess Vorteile bringen.
Deckung der steigenden Nachfrage
Man kann nur schätzen, wie dramatisch der Sektor der Lithium-Ionen-Batterien in den kommenden zehn Jahren wachsen wird. Die steigende Nachfrage aus dem Bereich Elektrofahrzeuge hat bereits dazu beigetragen, dass der Weltmarkt von rund 40 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 auf mehr als 60 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 gewachsen ist. Der Wachstumstrend wird sich voraussichtlich noch beschleunigen. Prognosen zufolge wird der Markt bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als eine Viertel Billion Dollar wert sein.
Das schiere Ausmaß dieser Expansion bringt jedoch einige Anforderungen mit sich. Nicht nur wird der Wettbewerb stark zunehmen, sondern auch die für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien verwendeten Rohstoffe werden bei steigender Nachfrage noch knapper und teurer werden. Lithium, Kobalt und Nickel müssen abgebaut und verarbeitet werden, bevor sie für die Herstellung verwendet werden können. Die IEA prognostiziert, dass der Gesamtbedarf an Mineralien, die für die Produktion von Elektrofahrzeugen benötigt werden, zwischen 2020 und 2040 um das 30-fache steigen wird. Um die Nachfrage nach E-Fahrzeugen befriedigen zu können, muss die Produktion so effizient wie möglich gestaltet werden. Ein bottle-neck in der Produktion ist die Umsetzung einer effektiven Qualitätskontrolle und die Reduzierung der hohen Ausschussraten.
Sehr hohe Ausschussrate
Etwa zehn Prozent der fertigen Produkte erfüllen die Mindestanforderungen nicht und enden als Schrott. In vielen Fällen kann diese Quote sogar auf 30 Prozent ansteigen. Das ist einer der Gründe, warum die Batterie meist bis zu 60 Prozent der Gesamtkosten eines Elektrofahrzeugs ausmacht. Sie ist auch aus Nachhaltigkeitsgründen inakzeptabel. Doch die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien ist komplex; die Ausschussquoten sind nicht auf die Nachlässigkeit oder unverantwortliches Verhalten der Hersteller zurückzuführen, vielmehr sind der Herstellungsprozess und die Durchführung herkömmlicher Qualitätskontrollmaßnahmen anspruchsvoll.
Einfluss der Beschichtungsdicke auf die Energiekapazität
Zunächst werden Bändern oder Folien aus Metall hergestellt – Kupfer für die Anode und Aluminium für die Kathode. Die Größe dieser Bänder ist je nach Design und Spezifikationen der hergestellten Batterien verschieden, üblicherweise sind sie mehrere hundert Meter lang, an größeren Produktionsstandorten oft über einen Kilometer. Die Breite liegt bei einigen Zentimetern bis mehr als einem Meter. Um sie in Batterien umzuwandeln, werden die Bänder mit einer dünnen Schicht aus aktiven Materialaufschlämmungen beschichtet. Für die Kathode werden Lithiumkobaltoxid, Lithiumeisenphosphat oder andere Lithiummetalloxide verwendet, während die Anode mit Graphit oder Materialien auf Siliziumbasis beschichtet ist. Unabhängig von den verwendeten Materialien hat die Beschichtungsdicke einen großen Einfluss auf die Energiekapazität und die Ionentransporteffizienz der fertigen Batterie. Dickere Beschichtungen können mehr aktives Material speichern, was die Gesamtenergiespeicherkapazität der Batterie erhöhen kann. Allerding können zu dicke Beschichtungen die Bewegung der Lithiumionen zwischen den Elektroden behindern, was die Lade- und Entladegeschwindigkeit der Batterie verringert.
Gleichbleibende Beschichtungsdicken auf einer großen Fläche
Dieses Gleichgewicht zwischen der Dicke für eine erhöhte Energiespeicherung und der Notwendigkeit eines effizienten Ionentransports ist von entscheidender Bedeutung. Es wirkt sich direkt auf die Leistung der Batterie aus, insbesondere bei EV-Anwendungen, die eine schnelle Energielieferung erfordern. Wenn eine Beschichtung zu dick oder zu dünn ist, können große Abschnitte eines Bandes für die Verwendung in einem fertigen Produkt ungeeignet sein. Obwohl die ideale Dicke je nach Anforderungen des Herstellers variiert, liegen die Kathodenbeschichtungen meist im Bereich von 100 bis 200 μm, während die Anodenbeschichtungen etwas dünner sind mit 70 bis 120 μm; dies entspricht der Dicke eines menschlichen Haares. Es gilt als Herausforderung, eine gleichbleibend dünne Folie auf einer großen Fläche zu erhalten. Viele Faktoren können die Dicke des Endprodukts beeinflussen – von der Temperatur der Folie bis zur Luftfeuchtigkeit in der Anlage. Um diese komplexen, sich ständig ändernden Daten zu erfassen, kann die Implementierung geeigneter Fertigungstechnologien und Sensorik hilfreich sein.
KI-gesteuerte Lösung Melsoft Mailab
Das Prinzip der vorausschauenden Wartung kann auch die Batterieherstellung verbessern. Es lässt sich ermitteln, welche Parameter zu kontrollieren sind, um qualitativ hochwertige Zellen zu erhalten. Das erhöht den Wert funktionstüchtiger Batterien und verringert die Menge der zu verschrottenden Materialien. Mitsubishi Electric hat dieses Wissen bereits auf reale Produktionslinien für Lithium-Ionen-Batterien angewendet. Das Team konzentrierte sich auf den Aspekt der ungleichmäßigen Schichtdicke und sammelte Daten von 127 verschiedenen Parametern, um festzustellen, welche davon zusammenhängen könnten. Mit Hilfe der KI-gesteuerten Lösung Melsoft Mailab von Mitsubishi Electric konnte herausgefunden werden, dass vier Faktoren stark mit den Schwankungen der Schichtdicke korrelieren: Spannung, Beschichtungsdruck, Übertemperatur und Abstand von der Beschichtungsöffnung. So entwickelte das Team eine Diagnoseregel zur Erkennung der Dicke. Anschließend kombinierten die Experten sie mit industrieller Automatisierungstechnik, zum Beispiel Spannungsregler, um die Parameter sorgfältig zu überwachen und zu ändern. So wird sichergestellt, dass ein möglichst großer Teil des Bandes den Qualitätsstandards entspricht.
Umsetzung einer digitalen Zukunft
Die Einführung von Werkzeugen, Technologien und Fachwissen, die für eine digitale Fertigungslinie erforderlich sind, erfordert mehr als nur den Kauf der entsprechenden Ausrüstung. Sie muss aus zwei Blickwinkeln gleichzeitig angegangen werden – dem technischen und dem betrieblichen. Auf der technischen Seite muss ein Hersteller Zugang zu den richtigen Werkzeugen haben. Das bedeutet, dass alle Maschinen und Sensoren über eine hervorragende Konnektivität verfügen und mit Hilfe fortschrittlicher industrieller Netzwerklösungen mit einer hochwertigen Datendrehscheibe verbunden sind. Lösungen wie das CC-Link IE TSN-Netzwerk und die MELIPC-Industriecomputer können eine hochgenaue Probenahme ermöglichen, die für die Arbeit mit so komplexen und veränderlichen Materialien wie Lithium-Ionen-Batterien unerlässlich ist.
KI-gestützte Algorithmen decken Korrelationen auf
Darüber hinaus sind hervorragende Visualisierungs- und Korrelationswerkzeuge wichtig, wie sie in Mailab und der Iconics-Genesis64-Suite enthalten sind. Damit können Experten die in den Daten verborgenen Erkenntnisse freilegen; KI-gestützte Algorithmen decken Korrelationen auf, die ein Mensch niemals entdeckt hätte. Mit einem digitalen Zwillingstool wie Melsoft Gemini von Mitsubishi Electric können Hersteller eine virtuelle Nachbildung des Prozesses erstellen und alle Änderungen testen. Es ist jedoch wichtig, einen digitalen Zwilling nicht zu kompliziert zu gestalten, vor allem in den frühen Phasen der digitalen Reise eines Unternehmens. Auf betrieblicher Ebene beginnt die Digitalisierung bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien mit der Schaffung einer soliden betrieblichen Grundlage, die für die Nutzung des vollen Potenzials neuer Technologien unerlässlich ist.
Pilotprojekte mit klaren, messbaren Zielen sind ein strategischer Weg, um schnelle Erfolge zu erzielen, die Zustimmung der Beteiligten zu gewinnen und den Weg für eine breitere Umsetzung zu ebnen. Dieser methodische Ansatz ermöglicht die reibungslose Integration digitaler Fertigungstechnologien, verringert die Risiken und steigert die Effizienz und Qualität des Fertigungsprozesses.
Herausforderungen werden zu Chancen
Angesichts der steigenden Nachfrage nach Elektrofahrzeugen erfordert die Ausweitung der Lithium-Ionen-Batterieproduktion eine strategische Planung sowie die Nutzung von Technologien und Daten, um die komplexen Zusammenhänge effizient zu bewältigen. Die Digitalisierung ermöglicht Echtzeit-Überwachung und -Analysen, verbessert die Entscheidungsfindung und die Produktqualität und reduziert gleichzeitig die Verschwendung. Der Übergang zu einer digitalisierten Fertigung erfordert Investitionen und ein Umdenken, verspricht aber greifbare Ergebnisse.














