BDI auf der Hannover Messe 2025
Industrie in der Krise
Zum Auftakt der Hannover Messe 2025 haben führende Industrieverbände BDI, VDMA und ZVEI die wirtschaftliche Lage Deutschlands als besorgniserregend bezeichnet. Laut BDI-Präsident Peter Leibinger ist die Stimmung in vielen Unternehmen so schlecht sei wie nie zuvor.
„Wir haben nicht nur konjunkturelle, sondern strukturelle Probleme“, betonte Leibinger. Die Industrieproduktion in Deutschland geht 2025 voraussichtlich um 0,5 % zurück, nach einem Minus von 4,8 % im Vorjahr. Damit setzt sich der Rückgang im vierten Jahr in Folge fort.
Auch in der EU bleibt die Industrieproduktion im Abwärtstrend. 2024 sank die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe der EU um 2,7 %, für 2025 wird ein weiterer Rückgang von knapp einem % erwartet. Global zeigt sich hingegen ein positiveres Bild: Während Deutschland und die EU hinterherhinken, wuchs die weltweite Industrieproduktion 2024 um fast 2 % und dürfte 2025 um 2,5 % steigen, insbesondere durch Schwellenländer. Ein Blick auf das Vorkrisenniveau von 2019 zeigt, dass die deutsche Industrie 2024 um 11 % darunter lag, während die europäische Industrieproduktion im gleichen Zeitraum um ein % zulegte.
Forderung nach Reformen
Die Industrieverbände fordern entschlossene Maßnahmen der Bundesregierung, um den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen. „Wir brauchen einen großen Wurf, eine mutige Reformagenda“, so Leibinger. Insbesondere in vier Bereichen sieht die Industrie dringenden Handlungsbedarf:
- Bürokratieabbau: Die zunehmende Regulierungsdichte bremse Unternehmen aus. Der VDMA fordert eine Vereinfachung der Berichtspflichten und eine Senkung der Unternehmenssteuern auf maximal 25 %.
- Steuern: Die Steuerlast der Unternehmen müsse auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden, um Investitionen zu erleichtern.
- Energieversorgung: Hohe Energiekosten und Unsicherheiten in der Energiepolitik erschweren langfristige Planungen. Eine Halbierung der Übertragungsnetzentgelte sowie eine Verlängerung der Strompreiskompensation für energieintensive Unternehmen werden gefordert.
- Innovation: Deutschland müsse in Schlüsseltechnologien wie KI, Quantentechnologien und Automatisierung investieren. Technologieoffenheit müsse dabei das Grundprinzip sein.
Auswirkungen und Perspektiven
Die schwache Industrieentwicklung trägt maßgeblich zur gesamtwirtschaftlichen Stagnation bei. Während das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands voraussichtlich weiter schrumpft, wird für die Weltwirtschaft und die EU ein Wachstum erwartet. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch: Im ersten Quartal 2025 stieg die Produktion im Vergleich zum Vorquartal um etwas mehr als ein %. „Eine Bodenbildung zeichnet sich ab“, so Leibinger. Zudem könnten die zusätzlichen Ausgaben des Sondervermögens für Infrastruktur positiv auf das Wirtschaftswachstum wirken – vorausgesetzt, sie werden effizient eingesetzt.
Bedeutung der Hannover Messe
Die Hannover Messe bleibt trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten ein wichtiger Treffpunkt für Innovation und Austausch. „Die deutsche Wirtschaft macht. Sie packt an, erfindet und entwickelt“, so Leibinger. Der VDMA präsentiert auf der Messe neue Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz und digitale Fertigung. Ein Praxisbeispiel ist das Projekt Manufacturing-X, das sichere, gemeinsam genutzte Datenräume schafft und Unternehmen ermöglicht, den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte in Echtzeit zu messen.
Die Industrie sieht sich mit großen Herausforderungen konfrontiert, zeigt aber zugleich ihre Innovationskraft. „Wenn wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, wird unsere Industrie nicht nur wettbewerbsfähig bleiben, sondern neue Maßstäbe setzen“, so Leibinger abschließend.









