Richtmaschine für Winkelprofile

Stierli-Bieger biegt's gerade

Im Zuge der Energiewende braucht es jede Menge neue Gittermasten. Spezialisiert auf deren Herstellung ist der deutsche Hersteller AGO Stahlbau Neuwied. Er nutzt dazu eine neue automatische Richtmaschine für Winkelprofile des Schweizer Maschinenbauers Stierli-Bieger.

In unserer Republik entstehen derzeit allerlei neue Stromleitungen vom windigen Norden in den sonnigen Süden. Dafür werden unter anderem jede Menge Masten benötigt, die aus verschiedenen Winkelprofilen gefertigt werden. Damit die Masten gerade und aufrecht in der Landschaft stehen, braucht es für die Bearbeitung der Profile spezielle Richtmaschinen. Warum solche Anlagen wichtig sind für die Gittermast-Produktion, weiß Manfred Vonau von AGO Stahlbau Neuwied ganz genau: „Es kommt vor, dass wir Winkelprofile aus den Walzwerken erhalten, die in ihrer Geradheit außerhalb der vorgegebenen Norm sind. Bei großen Winkelprofilen kann selbst die Einhaltung der zulässigen maximalen Toleranz der Norm zu Bearbeitungsproblemen auf unseren Fertigungsanlagen führen“, berichtet er. Also muss gerichtet werden, wozu die Stahlbauer eine automatische Richtmaschine mit einer Druckkraft von 220 Tonnen benötigen, die sie gemeinsam mit der Schweizer Maschinenbau Firma Stierli-Bieger AG entwickelten. Mit dieser neuen Richtmaschine werden die angelieferten Winkelprofile vermessen, die Messwerte protokolliert – und sobald die Abweichung größer ist als die eigenen Qualitätsansprüche des Unternehmens – gerichtet.

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Auf den ersten Blick erkennt eigentlich nur der Profi, was diese Richtmaschine alles kann, und warum sie Geschäftsführer Thomas Stierli als Weltneuheit bezeichnet. Er erläutert die raumfüllende Anlage: „Die Winkelprofile werden vom Kunden für den Transport auf die Kettenförderer gelegt, danach werden sie automatisch gemessen und gerichtet. Verantwortlich für die Vermessung sind neun Laser, die fähig sind, unterschiedlich große Winkelprofile – bis zu einer Länge von zwölf Metern – aus welchem Material auch immer zu messen.“

Die Vermessung des Winkelprofils ist notwendig, damit die Krümmung des Profils ermittelt werden kann und anschließend anhand dieser Angaben das Profil in der Maschine gerade gerichtet werden kann. „Gegenüber herkömmlichen Maschinen, wo vieles von Hand gemacht wird, ist die neue Maschine vier bis fünf Mal schneller“, betont Thomas Stierli. Pro Profil arbeitet die automatische Richtmaschine fünf bis acht Minuten, je nach Größe und Form. Die komplexe Vernetzung mit Rollenbahn, Querförderer und Wendevorrichtung trägt einen großen Teil dazu bei, dass diese Zeitersparnis erreicht werden kann.

Verantwortlich für die Planung der Steuerung und die Programmierung der Anlagensteuerung (SPS Simatic S7) und den übergeordneten Computer sowie der Datenprotokollierung war der Software Ingenieur Oliver Meyer von der schweizerischen Om Datacom AG, die seit einigen Jahren für Stierli-Bieger arbeitet. Mit Blick auf die neue Richtmaschine sagt er: „Der Kunde wollte viel Komplexes und alles musste den heutigen Normen entsprechen. Die Kommunikation mit allen Lasern mussten wir richtig miteinander koordinieren und verrechnen“. Als Plus im Vergleich zu Konkurrenzprodukten nennt Meyer die Rückverfolgbarkeit jedes ihrer Schritte.

Seit Auftragserteilung sind inzwischen knapp sieben Monate vergangen. „Wir sind stolz darauf, dass wir

diese einzigartige, komplexe Anlage in dieser Zeit bauen konnten“, freut sich Thomas Stierli. Weitere Anfragen für solche Anlagen für das Richten verschiedener Profile sind bereits eingegangen. ms

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