Digitale Unterstützung aus der Ferne
Remote Services für Maschinen und Anlagen in der Industrie
Im Maschinenbau ist der Service ein unverzichtbarer Teil des Geschäftsmodells und ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Doch im Außendienst stehen Unternehmen vor der Herausforderung, die Servicequalität aufrechtzuerhalten, während die Kosten steigen und die Fachkräfte knapper werden. Hier bietet die Digitalisierung mit modernen Tools für Remote Services, insbesondere durch den Einsatz von Visual-Support-Software, eine Lösung.
Die Bedeutung von schnellem Service für Maschinenbetreiber
Für produzierende Unternehmen ist es von zentraler Bedeutung, Stillstandzeiten ihrer Maschinen und Anlagen zu minimieren. Ein Produktionsausfall kann hohe Kosten verursachen und bei verzögerten Lieferungen sogar zu Vertragsstrafen führen. In solchen Situationen ist der Service des Maschinenherstellers unerlässlich, um Fehler schnell zu beheben und Wartungsarbeiten fachgerecht anzuleiten. Oft sind die Betreiber auf das Expertenwissen des Herstellers angewiesen, um Probleme effizient zu lösen.
Doch auch auf Herstellerseite ist der Außendienst mit großen Herausforderungen verbunden. Zum Beispiel gehen viele erfahrene Fachkräfte, die sich mit älteren Maschinen gut auskennen, in den Ruhestand, und es rücken nicht genügend Nachwuchskräfte nach, um die Lücken zu schließen. Die wenigen verfügbaren Fachkräfte werden stark umworben, was den Wettbewerb um qualifiziertes Personal weiter verschärft. Für Maschinenbauer ist dies besonders problematisch, da die Servicequalität für den langfristigen Erfolg entscheidend ist: Oft gilt in der DACH-Region das Prinzip, dass die erste Maschine durch den Vertrieb verkauft wird, alle weiteren jedoch durch den Service. Maschinenbauer müssen daher Wege finden, den Service auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Remote Maintenance durch Visual Support
Hier setzt die Digitalisierung an: Mit Remote Services und Visual Support können Maschinenhersteller ihren Kunden auch aus der Ferne effizient helfen. Servicetechniker vor Ort können mit Experten weltweit über eine interaktive Live-Videokonferenz verbunden werden. Dies ist über eine App, einen Webbrowser oder sogar Augmented-Reality-Datenbrillen möglich und bietet vielfältige Anwendungsbereiche, darunter die Störungsbeseitigung, geplante Wartungen, Inspektionen, Inbetriebnahmen, Schulungen, die Erstellung von Servicedokumentationen und die Durchführung von Factory Acceptance Tests (FAT).
Ein Visual-Support-Prozess beginnt damit, dass der Betreiber des Geräts den Hersteller über eine Hotline kontaktiert oder einen Ticketfall eröffnet. Anschließend erhält er einen Link, der ihn zur Remote-Sitzung führt. Die Kamera seines Smartphones, Tablets oder einer Datenbrille wird aktiviert, und es wird eine Audio- und Videoverbindung hergestellt. Über WLAN oder Mobilfunknetz kann der Supportfall bearbeitet werden. Besonders wichtig dabei: Die übertragenen Daten müssen verschlüsselt sein, da es sich oft um sensible Informationen handelt. Durch die Möglichkeit, Probleme aus der Ferne zu analysieren, können Experten schnell eine Einschätzung der Lage geben und den Technikern vor Ort bei der Reparatur oder dem Austausch von Ersatzteilen helfen.
Die wichtigsten Funktionen einer Remote-Service-Software
Besonders wichtig sind im Remote Service Features, die die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten fördern. So sollte es möglich sein, während des Videoanrufs Standbilder zu erstellen, um z.B. kritische Bereiche zu identifizieren und Lösungen schneller zu finden. Eine solche Lösung bietet beispielsweise die Remote-Service-Software bitnamic CONNECT, die eine interaktive Zusammenarbeit zwischen Technikern und Experten ermöglicht. Neben der Standbildfunktion können auch Laserpointer und Augmented-Reality-Elemente im Live-Video verwendet werden. So wird sichergestellt, dass alle Teilnehmer synchron an einem Problem arbeiten und dass jeder die gleiche Ansicht teilt.
Weitere nützliche Funktionen umfassen die Möglichkeit, Dokumente, Bilder und Videos synchron im Live-Video oder in einem Splitscreen-Modus zu betrachten und zu bearbeiten. Ein integriertes Whiteboard mit Annotationsfunktion ermöglicht es, Zeichnungen und Notizen zu erstellen, um komplexe Sachverhalte zu verdeutlichen. Darüber hinaus können relevante Dokumente wie Schaltpläne oder Anleitungen direkt aus einem zentralen Dokumentations-Hub eingeblendet werden, um das Problem Schritt für Schritt zu lösen. Diese zentralen Wissensspeicher erleichtern auch den Self-Service für Kunden, die damit bekannte Probleme selbstständig beheben können.
Der 3D-Manager für eine professionelle Visualisierung
Eine weitere Möglichkeit, den Remote Service zu optimieren, ist die Einbindung von CAD-Elementen. Der 3D-Manager von bitnamic CONNECT ermöglicht es, Bauteile, Komponenten und Baugruppen dreidimensional zu visualisieren. Komplexe Anlagen können in Explosionsansichten dargestellt und in ihre Einzelteile zerlegt werden. So können Techniker und Experten im Videoanruf gemeinsam durch das 3D-Modell navigieren und notwendige Arbeiten visualisieren, etwa welche Schraube gelöst oder welches Teil ersetzt werden muss. Das ermöglicht eine detaillierte Vorbereitung von Wartungs- und Reparaturarbeiten. Ein virtueller Eingriff kann sogar geübt werden, bevor die eigentliche Reparatur an der Maschine vorgenommen wird.
Erleichterungen für das Field Service Management
Wenn ein Problem durch Remote Support gelöst werden kann, bedeutet das kürzere Ausfallzeiten für den Betreiber und geringere Kosten für den Maschinenhersteller. Der digitale Support ist oft schneller verfügbar als ein Techniker vor Ort und spart vor allem Reisekosten. Das ist besonders wichtig, wenn es um dringende Fälle geht, bei denen Produktionsmaschinen schnell repariert werden müssen, um größere Ausfälle zu vermeiden.
Maschinenhersteller profitieren zudem davon, dass sie ihr Servicepersonal effektiver einsetzen können. Anstatt Techniker rund um den Globus reisen zu lassen, können Experten durch Visual Support in der gleichen Zeit mehrere Kunden unterstützen. Dies hilft auch, den Fachkräftemangel im Field Service abzufedern. Zudem können weniger erfahrene Techniker oder Auszubildende mithilfe von Visual Support effizienter geschult und betreut werden. Remote Services und Visual Support bieten somit eine innovative und effiziente Möglichkeit, den Maschinenservice zu verbessern, Ausfallzeiten zu minimieren, Reisekosten zu senken und gleichzeitig die Servicequalität auch bei knappen Personalressourcen auf hohem Niveau zu halten.
Rolf Behrens, Geschäftsführer Bitnamic GmbH und Nadja Müller, Redakteurin für Wordfinder









