Helmut Schmid, Geschäftsführer der Universal Robots

„Unsere ‚Do it yourself‘- Strategie schafft Mehrwerte“

Die dänische Roboterschmiede Universal Robots gilt als Pionier für kollaborierende Robotertechnologie. Die Roboterarme können ohne Schutzbehausung direkt neben den Mitarbeitern aus Fleisch und Blut eingesetzt werden und ihnen monotone und belastende Arbeitsschritte abnehmen. SCOPE-Redakteurin Karin Faulstroh hat sich die handzahmen Kollegen auf der Hannover Messe näher angeschaut und sich mit Helmut Schmid, Geschäftsführer der Universal Robots (Germany) GmbH und General Manager Western Europe, über das Potenzial der Leichtbauroboter unterhalten.

Helmut Schmid, Geschäftsführer der Universal Robots (Germany) GmbH und General Manager Western Europe

SCOPE: Beim Rundgang durch die einschlägigen HMI-Messehallen fällt sofort auf: Anbieter von Leichtbau- robotern gibt es einige. Womit heben Sie sich vom Wettbewerb ab?

Helmut Schmid: Universal Robots war der erste Roboterhersteller, der sich von Gründung an ausschließlich auf die Entwicklung und den Vertrieb von Leichtbaurobotern für die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) spezialisiert hat. Mit dem Verkauf unseres ersten UR5 Ende 2008 hatten wir den kollaborierenden Roboter bereits vom Reißbrett hin zur Marktreife gebracht. Seither haben wir mit unserer Produktfamilie – bestehend aus UR3, UR5 und UR10 – die Robotertechnik revolutioniert und die Automatisierung vor allem für kleine und mittelständische Betriebe Realität werden lassen. Diesen First-Mover-Advantage haben wir bis heute in eine weltweite Marktführerschaft von mehr als 50 Prozent ausgebaut, die wir auch künftig behaupten möchten. Mit immerhin schon mehr als 12.000 UR-Robotern im weltweiten Einsatz haben wir den Proof-of-Concept für die Mensch-Roboter-Kollaboration außerdem hinreichend erbracht. Denn die meisten unserer Roboter arbeiten, nach erfolgter Risikobeurteilung, ohne oder nur mit minimaler Schutzumhausung in direkter Nähe zum Menschen. Eine Säule unseres Erfolges beruht somit darauf, dass wir als bislang einziger MRK-Anbieter ein lange erprobtes, solides Produkt vorweisen können.

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SCOPE: Die Konkurrenz schläft nicht. Woran arbeiten Sie, um den Vorsprung zu halten?

Schmid: Um uns auch weiterhin von unseren Marktbegleitern deutlich abzuheben und nachhaltig erfolgreich zu bleiben, verfolgt Universal Robots zwei strategische Ansätze: Zum einen wollen wir unsere Marktführerschaft mit dem bestehenden Produktportfolio natürlich halten und konsolidieren. Hierfür konzentrieren wir uns insbesondere im Bereich Forschung und Entwicklung darauf, unseren technischen Vorsprung weiter auszubauen und unsere Produkte hinsichtlich Technologie und Qualität stetig zu optimieren. Auf der anderen Seite steht unsere „Do it yourself“-Strategie, mit der wir Mehrwerte für die Roboter selbst sowie rund um unsere Produkte schaffen wollen. Mit Universal Robots+ und der neuen UR Academy haben wir hierfür bereits zwei erfolgreiche Initiativen gestartet. Unser Ziel ist es, die Hürden für den Einstieg in die Automatisierung zu senken, indem wir Komplexität und Kosten bei der Implementierung noch weiter reduzieren. Roboterapplikationen, ja die gesamte Technologie muss nicht nur einfach über Plug & Play implementierbar, sondern auch so intuitiv bedienbar und flexibel einsetzbar sein, dass wirklich jeder damit umgehen kann.

SCOPE: Für welche Anwendungen eignen sich Ihre Leichtbauroboter und wo stoßen sie an ihre Grenzen?

Schmid: Wir verstehen unsere Produkte als flexible Werkzeuge: Aufgrund ihrer Vielseitigkeit lassen sich mit unseren Roboterarmen UR3, UR5 und UR10, die jeweils nach ihrer maximalen Tragkraft von drei bis zehn Kilogramm benannt sind, nahezu alle Aufgaben im Bereich der Leichtbaurobotik automatisieren. An Grenzen stoßen wir nur dann, wenn Aufträge über die Möglichkeiten der Leichtbaurobotik hinausgehen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn besonders schwere Werkstücke gehandelt werden müssen, ein Arbeitsradius von 130 Zentimetern nicht ausreicht oder sechs Achsen für eine Umsetzung zu wenig sind. In der gelebten Praxis ist nach wie vor das Be- und Entladen von Maschinen das klassische Anwendungsbeispiel, bei dem UR-Roboter zum Einsatz kommen. Ebenso gibt es viele Applikationen für Verpackung und Palettierung. Aktuell werden unsere Roboter zudem vermehrt für Anwendungen in der Logistik angefragt, also für Pick-&-Place- und Kommissionierungsaufgaben.

SCOPE: Und wer sind Ihre Kunden?

Schmid: Dieser Trend bestätigt sich auch mit Blick auf unsere Anwender: Nachdem in den vergangenen Jahren die ohnehin automationsaffinen Branchen Automotive und Elektronik in puncto kollaborative Robotertechnologie am aufgeschlossensten waren, sehen wir heute in der Logistik einen neuen Treiber für die Automatisierung. Außerdem stehen bei uns branchenübergreifend kleine und mittelständische Firmen im Fokus. Hier spüren wir immer deutlicher, dass das Thema Robotik in den Unternehmen angekommen ist und Interessenten mit konkreten Anfragen für Automatisierungslösungen auf uns zukommen. Vor circa zwei Jahren mussten wir noch deutlich mehr Aufklärungsarbeit leisten. Denn die klassischen „Vorurteile“ gegenüber der Robotik – die Technologie sei zu teuer, die Roboter für begrenzte Produktionsflächen zu sperrig, oder zur Programmierung und Bedienung sei speziell ausgebildetes Personal nötig – waren noch stark in den Köpfen verankert. Jetzt erkennt der Mittelstand zunehmend, dass sich der Einstieg in die Automatisierung bereits mit einem Investment von 60.000 bis 80.000 Euro und ohne zusätzliches Fachpersonal realisieren lässt und sich oftmals innerhalb eines Jahres amortisiert. Auf Basis dieser Erkenntnis beginnen immer mehr kleinere Unternehmen, ihre Produktion unter völlig neuen Gesichtspunkten zu betrachten, das Potenzial für die Automatisierung monotoner oder körperlich belastender Abläufe zu erkennen und ihre Wertschöpfung durch den Einsatz kollaborierender Roboter zu optimieren.

SCOPE: Sie vertreiben Ihre Produkte über sogenannte Integratoren. Wie viele gibt es derzeit und wie viele sollen in den nächsten Jahren hinzukommen?

Schmid: Mit rund 20 Partnern sind wir in unserer Region – Westeuropa – derzeit sehr gut aufgestellt. Was unsere Pläne für das Partnernetzwerk in den kommenden Jahren betrifft, so richten sich diese an unseren globalen Umsatzzielen aus. Universal Robots hat den Anspruch, bis 2020 weiterhin jährliche Zuwächse von mehr als 50 Prozent zu erzielen. Entsprechend muss unser Netzwerk von Distributoren und Integratoren um denselben Faktor wachsen, um diese Zielvorgaben in Form von konkreten Applikationen in die Praxis umzusetzen.

SCOPE: Sie haben gerade die Universal Robots Academy angesprochen. Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Angebot?

Schmid: Die Universal Robots Academy ist der jüngste Bestandteil unserer bereits erwähnten „Do it yourself“-Strategie: Ziel des Online-Schulungsprogramms ist es, bestehende Automatisierungshürden nachhaltig zu senken und besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen den Einstieg in die kollaborative Robotik noch leichter zu machen. Mit der Academy ist wirklich jeder Anwender in der Lage, sich die Grundlagen für den Umgang mit unseren Robotern selbst beizubringen. Anhand von sechs interaktiven Modulen bekommt jeder Schulungsteilnehmer die Basiskenntnisse für die Installation sowie für die Programmierung unserer Roboter innerhalb von nur 90 Minuten vermittelt. Die Inhalte dieser Grundlagenschulung reichen von der Einweisung in die Werkzeugeinrichtung über den Anschluss der I/Os bis hin zu ersten einfachen Programmierungen und die Konfiguration von Sicherheitseinstellungen. Die Online-Kurse sind kostenlos und neben Deutsch zudem auch auf Englisch, Spanisch, Französisch und Chinesisch weltweit verfügbar.

SCOPE: Im Herbst 2016 wurde die Universal Robots (Germany) GmbH mit Sitz in München gegründet. Welche Pläne und Ziele haben Sie auf dem deutschen Markt?

Schmid: Mit der Gründung der Universal Robots (Germany) GmbH haben wir der enormen Bedeutung der Region Westeuropa Rechnung getragen, die mit Asien und den USA zu den drei wichtigsten Absatzmärkten von Universal Robots zählt. Die Gründung einer eigenen Niederlassung geht gleichzeitig mit der allgemeinen Wachstums- und Regionalisierungsstrategie von UR einher. Vor dem Hintergrund unseres weltweit geplanten Wachstums ist es uns wichtig, die regionale Nähe zu unseren Kunden und den Austausch mit unseren Partnern zu intensivieren. Nur indem wir ein noch stärkeres Verständnis für die Bedürfnisse unserer Region entwickeln, werden wir darin wie geplant wachsen können. Hierfür haben wir auch unsere regionale Vertriebsarbeit bereits deutlich verstärkt und sind nun mit vier Business Development Managern in Bayern/Österreich, Baden-Württemberg/Schweiz, Niedersachsen und dem Rheinland vor Ort präsent. Sie werden in ihren Regionen nicht nur unser bestehendes Partnernetzwerk betreuen, sondern auch für unsere Distributoren und Integratoren vor Ort neue Kunden akquirieren. Ein weiterer Fokus ist das Thema Schulung. In unserer neuen Zentrale in München haben wir ein Trainingscenter eingerichtet und in Betrieb genommen. Unsere Partner und Integratoren können dort nicht nur ihre eigenen Mitarbeiter, sondern auch Endanwender zu vielfältigen Fortbildungen anmelden, die über die Grundlagen der UR-Academy hinausgehen. Hierzu zählen zum Beispiel unsere Basis- und Advanced-Schulungen für die Roboterbedienung, unsere spezielle Core-Programmierungsschulung und unsere neueste Lerneinheit zu den Themen Sicherheit und Zertifizierung.

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