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Artikel und Hintergründe zum Thema

Bildung

Ein Traum wird Wirklichkeit

Der Lapp-Mitarbeiter Désiré Kope stammt aus dem afrikanischen Land Elfenbeinküste. Von seinem Verdienst sparte er jahrelang, um in seiner Heimat eine Schule zu gründen. Im Oktober 2019 war die Einweihung.

Im Oktober 2019 wurde die Schule in Galebre eröffnet. © Lapp

Désiré Kope wurde in einer Provinzstadt namens Gagnoa geboren, viele Stunden entfernt von der ivorischen Hauptstadt Abidjan. Das war Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und in Gagnoa waren die Menschen sehr arm. Nur in wenigen Hütten, die oft nur aus vier Lehmwänden und einem Dach aus Schilfgras bestanden, gab es Strom. Désiré wuchs zwischen diesen Hütten auf und zum Glück gab es dort auch eine Schule. Auf einer Schulbank saßen oft fünf Kinder, obwohl sie nur für zwei gedacht war. Doch Désiré lernte viel und gerne und wurde schließlich selbst Lehrer.

Zunächst war er Grundschullehrer in der Hauptstadt Abidjan und entschloss sich dann, sein Glück in Europa zu suchen. Ein entfernter Verwandter hatte ihm berichtet, dass Deutschland ein guter Ort zum Leben sei, und so stieg Désiré Kope im Jahre 1996 in ein Flugzeug Richtung Deutschland. Er strandete in Ludwigsburg. Désiré Kope sprach zwar fließend Französisch, die offizielle Amtssprache der Elfenbeinküste, aber kaum ein Wort Deutsch. Immerhin reichte es für ein höfliches „Verzeihung, Madame“, mit dem er um Entschuldigung bat, als er auf dem Weg zum Bahnhof mit der Frau zusammenstieß, die heute seine Frau ist.

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Auf eine Zeitungsanzeige in der Ludwigsburger Kreiszeitung bewarb sich Désiré Kope als Lagerarbeiter bei der Firma Lapp. Er wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen, machte den Führerschein für den Gabelstapler und hatte bald darauf einen Arbeitsplatz, der ihm ein gutes Leben im Land seiner Träume ermöglichte.

Andreas Lapp (r.) bei der Eröfffnung des „Collège Andreas Lapp“. © Lapp

Für seine Frau Renate Kope war das Hochzeitsfest in Abidjan so ziemlich das eindrucksvollste Fest ihres Lebens. Die Musik, die Tänze, das Essen. Fasziniert von der Gastfreundschaft der Menschen, aber auch schockiert von der Armut, sprachen sie und ihr Mann zuhause noch lange darüber, was aus den Kindern, die hier aufwuchsen, einmal werden sollte. Viele, das wussten sie, würden ihr Land verlassen, weil es ihnen keine Perspektive bot, so wie es auch Désiré Kope selbst gemacht hatte. „Wenn ich sehe, wie die jungen Leute weggehen, ihre Heimat verlassen, Gefahren auf sich nehmen – das macht mich kaputt, da muss ich etwas tun,” so Kope. So wuchs die Idee, mit den Ersparnissen vom Lohn als Lagerarbeiter in Deutschland eine Schule in Afrika zu gründen. 2016 war es so weit. Désiré Kope war davor mehrmals in seine Heimat gereist, hatte mit Lokalpolitikern und der Schulbehörde seine Pläne diskutiert und schließlich hatte er sogar ein passendes Grundstück gefunden: 4.000 Quadratmeter groß, eine ehemalige Kakao-Plantage am Ortsrand von Galebre, dem Nachbarort seiner Heimatstadt. Hier sollte die neue Schule entstehen – ein „Collège“ wie es auf Französisch heißt, vergleichbar mit einer Realschule in Deutschland.

Doch auch in der Elfenbeinküste sind Grund und Boden nicht billig, vom Bau der Gebäude ganz zu schweigen. Désiré Kope und seine Frau mussten einen Kredit aufnehmen, aber die Idee war es ihnen wert. Vielleicht, so die Hoffnung von Désiré Kope, würde ja der Mann noch etwas beisteuern, dem er seinen Job als Lagerarbeiter letztlich verdankte: Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG.

Désiré Kope bat um einen Termin bei Andreas Lapp und als es soweit war, holte seine Frau den dunkelblauen Anzug aus dem Schrank und bügelte ihn nochmals. Für das Gespräch hatte er sich neben dem guten Anzug auch einen kleinen Trick ausgedacht. Er wollte die neue Schule „Collège Andreas Lapp“ nennen, denn schließlich verdankte er der Firma das Geld, mit dem er den Grundstein zu ihr legte. Als Andreas Lapp von Kopes Plänen hörte, schmunzelte er in sich hinein, weil er den Trick durchschaute. Trotzdem war die Idee dadurch nicht schlechter. „Dass die Schule nach mir benannt werden sollte, gab nicht den Ausschlag, dass ich dieses Projekt finanziell unterstützte“, sagt Lapp. „Es ist einfach eine tolle Idee und Herrn Kopes Engagement finde ich großartig, das muss man einfach unterstützen.“

Anfang Oktober 2019 fand die Einweihung der Schule statt. Désiré Kope hatte schon zwei Wochen davor Urlaub genommen und war nach Galebre gefahren, um bei der Vorbereitung zu helfen. Andreas Lapp hat die Einladung zur Einweihung angenommen, von Abidjan fährt er in Richtung Galebre. Mindestens vier Stunden auf teilweise schlechten Straßen dauert die Fahrt von der Hauptstadt in die abgelegene Provinz. Als Lapp schließlich die ersten Hütten von Galebre erreicht, springen Jugendliche vom Straßenrand auf, schwingen sich auf ihre Mopeds und umkreisen hupend, knatternd und schreiend das ankommende Fahrzeug. Alle tragen T-Shirts mit Lapps Foto und der Aufschrift, „Bienvenue Mr. Andreas Lapp à Galebre“. Am Eingang zum Schulgelände wartet Kore Zadi Bernard, in einem festlichen Gewand, das ihn als Häuptling, Dorfältesten oder einfach nur als „Chef du Village“ – als Dorfoberhaupt – zu erkennen gibt. In der einen Hand hält er eine Kakaofrucht, in der anderen ein lebendiges Huhn als Symbol der Gastfreundschaft.

Was folgt sind Reden, Musik, Tänze und Rituale. Mehrere hundert Menschen sind gekommen. Auf der einer Seite des Schulhofes sitzen diejenigen, um die es eigentlich ging: die Kinder und Jugendlichen von Galebre. Andreas Lapp, der vom „Chef du Village“ in einer symbolischen Krönung zum Häuptling ehrenhalber ernannt wird, klettert auf ein am Tag zuvor provisorisch gezimmertes Podest, nimmt das Mikrophon und spricht zu den Jugendlichen, die hinter ihm sitzen: „Denn um euch geht es hier. Euch gehört die Zukunft und ihr werdet einmal in diesem Land, auf diesem Kontinent, auf dieser Welt entscheiden, wie es weitergeht.“ Darum habe er das Schulprojekt sehr gerne unterstützt und werde das auch in den kommenden Jahren tun, „weil einer aus eurer Mitte die Idee dazu hatte.“

Die ersten 35 Schüler sind bereits aufgenommen im „Collège Andreas Lapp“, weitere werden folgen. Auch das Lehrerteam um Direktor Kouassi Brou Rodrigue steht fest. Eine der Schülerinnen ist Florence, 18 Jahre alt und etwas eingeschüchtert von dem großen Rummel an ihrer neuen Schule. Leise sagt sie: „Ich möchte einmal Ärztin werden oder zumindest Krankenschwester. Dazu brauche ich einen guten Abschluss und freue mich schon darauf, dass es bald mit dem Unterricht richtig losgeht.“

Désiré Kope macht schon weiter Pläne: „Ich werde noch ein paar Jahre bei Lapp in Ludwigsburg arbeiten, aber eines Tages, wenn ich Rentner bin, werde ich nach Galebre zurückkehren und mich ganz um die Schule kümmern.“ as

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