Transfersystem

Andreas Mühlbauer,

Durchlaufzeiten gekappt

In der Musikwelt ist Beyerdynamic für einen guten Klang bekannt. Das Unternehmen stellt unter anderem hochwertige Kopfhörer her. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, soll der Automatisierungsgrad in der Fertigung kontinuierlich erhöht werden.

Ist die Montage abgeschlossen, entnehmen Roboter die Teile und stapeln sie in Behälter. © Stein Automation

Stein Automation lieferte ein Werkstückträger-Transportsystem für die Endmontage von Lautsprechern. Seit dieses im Einsatz ist, sind die Durchlaufzeiten signifikant kürzer geworden, und der Output hat sich deutlich erhöht.

Im Jahr 1924 in Berlin gegründet, erfolgte 1948 der Umzug von Beyerdynamic nach Heilbronn. Dort erwirtschaften heute 500 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro. Zum Portfolio gehören Kopfhörer, Mikrofone und Kommunikationssysteme für den Bühneneinsatz, für Live-Übertragungen in Rundfunk und Fernsehen und Headsets für Konferenzen. Über ein weltweites Händlernetz werden auch Endverbraucher beliefert. Pro Jahr verlassen rund 1,3 Millionen Kopfhörer das Werk in Heilbronn.

Beyerdynamic stattete die erste Beatles-Tournee durch Deutschland im Jahr 1966 exklusiv mit seinen Mikrofonen aus, 1987 verfügten alle Reportageplätze bei den Olympischen Spielen im südkoreanischen Seoul über Headsets aus Heilbronn. Seit 2008 arbeitet Konferenztechnik von Beyerdynamic bei der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. 2019 rüstete das Sydney Opera House sein Tourguide-System mit Kopfhörern der Audio-Spezialisten aus. Spezielle Headsets entwickelte das Unternehmen für Piloten.

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Die Fertigungstiefe bei Beyerdynamic ist hoch, der Maschinen- und Sondermaschinenbau findet im Hause statt. Allerdings ist der Anteil an Handarbeit relativ groß. „Wir sind erfolgreich am Markt unterwegs. Damit wir unser Wachstum bewältigen können, müssen wir effizienter werden und unsere Fertigung durch mehr Automatisierung auf das nächste Level heben“, sagt Raphael Soccol, Process Engineer bei Beyerdynamic. Um die Endmontage von Kopfhörern zu verbessern, suchten die Heilbronner nach einem geeigneten Transfersystem. Die Anforderungen: Es sollte einfach zu programmieren sowie übersichtlich und intuitiv zu bedienen sein. Darüber hinaus waren geringe Geräuschemissionen gefragt, und filigrane Teile mussten sicher transportiert werden.

Stein 300 bringt die Kopfhörer-Komponenten schnell und sicher von Bearbeitungsstation zu Bearbeitungsstation. © Stein Automation

Komplettpaket zum Transfer

Da sich ein Werkstückträger-Transportsystem von Stein in einem anderen Produktionsbereich bereits bestens bewährt hatte, war die Entscheidung schnell gefallen: „Stein war der beste Partner“, bringt es Raphael Soccol auf den Punkt. „Wir haben unser Stein 300 vorgeschlagen. Damit bieten wir ein Komplettpaket aus Anlage, Betreuung und Steuerungssoftware“, beschreibt Martin Magrian, Vertriebsleiter bei Stein Automation.

Das erste Stein 300 arbeitet seit 2017 in der Endmontage von Kopfhörern, 2018 folgte eine zweite Linie. Die Teile kommen halbfertig aus der Maschine und werden dann zusammengebaut. Sie durchlaufen dabei bis zu sieben Stationen. Integriert sind eine Trocknungs- und Lackieranlage. Auch eine akustische Prüfung kann am Werkstückträger-Transportsystem durchgeführt werden. Eine besondere Rolle spielt das System SoftMove von Stein. Dieses transportiert empfindliche Teile besonders schonend. „Wir verarbeiten Spulendraht, der dünner ist als ein menschliches Haar. SoftMove sorgt dafür, dass der Draht unbeschadet von A nach B gelangt“, beschreibt Raphael Soccol. Ist die Montage abgeschlossen, entnehmen Roboter die Teile und stapeln diese in Behälter.

Beyerdynamic erzielt mit dem Stein-Transfersystem eine ganze Reihe von Vorteilen. Früher verbrachten Komponenten zum Trocknen einen ganzen Tag im Lager. Heute geschieht dies wesentlich schneller direkt am Transfersystem. „Wir haben die Durchlaufzeiten von Tagen auf wenige Minuten reduziert“, sagt Raphael Soccol. Das Unternehmen spart Personal und Lagerfläche. „Darüber hinaus fällt die Gefahr durch Beschädigung beim manuellen Transport weg, weil die Teile automatisch und sicher von Prozess zu Prozess gelangen“, schildert er. Deutlich erhöht hat sich der Output. In der Regel dauert die Montage zwei Minuten. „Damit schaffen wir die anfallenden großen Stückzahlen.“ Das Stein 300 hat auch die Wiederholgenauigkeit und die Präzision in der Endmontage verbessert. „Die Kombination aus Transfersystem und unseren innovativen Maschinen hat den Montageprozess optimiert“, fasst Soccol zusammen.

Unterstützung kommt sofort

Lobende Worte findet der Prozessingenieur auch für die Zusammenarbeit mit Stein, die er als durchweg positiv und sehr partnerschaftlich bezeichnet. „Wenn wir etwas benötigen, erhalten wir sofort Unterstützung. Änderungswünsche werden schnell umgesetzt, auch per Fernwartung.“ Stein-Mitarbeiter waren in der Projektphase regelmäßig vor Ort, in Villingen-Schwenningen fanden mehrfach Schulungen statt. Die Inbetriebnahme des zehn Meter langen Werkstückträger-Transportsystems verlief reibungslos. Für Beyerdynamic bleibt Stein auch in Zukunft erste Wahl, wenn es um effiziente Transfersysteme geht. Raphael Soccol: „Eine dritte Anlage ist konkret in Planung, über eine vierte wird nachgedacht.“

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