Zwischen Finanzierung und Beteiligung

Andrea Gillhuber,

Mehr unternehmen mit mehr Kapital

Geld aufnehmen? Anteile veräußern? Wer Kapital benötigt, kann in vielen Fällen wählen. Mit dieser Wahl entscheidet der Unternehmer allerdings auch darüber, welche Spielräume das Unternehmen in den nächsten Jahren hat und welche Risiken es eingeht. Im Gespräch erläutert Dr. Hannspeter Schubert was die Entscheidung für die Kapitalform bedeutet und worauf externe Investoren besonders achten.

Kapital gesucht - Zwischen Finanzierung und Beteiligung © Pixabay / CC0

Herr Dr. Schubert, wenn ein Unternehmen Kapital sucht, welche Themen stehen dann im Vordergrund?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich habe von Nachfolgesituationen über Kapital für Produktentwicklungen, Ausweitung der Produktionskapazitäten und Internationalisierungen bis zu Restrukturierungsfällen viele unterschiedliche Kapitalanfragen auf dem Tisch gehabt. Jedes Unternehmen benötigt eine auf die spezifischen Belange zugeschnittene Finanzierungsstrategie. Hier spielen die äußeren Faktoren wie Markt und Wettbewerb, aktuelle Finanzausstattung, Zustand des Maschinenparks, Lieferketten oder die Kostensituation eine wichtige Rolle. Dazu gehören aber ebenso emotionale Faktoren wie Familientraditionen, die Persönlichkeit des Gründers und das Verhältnis zu seinem Unternehmen oder die individuelle Risikobereitschaft.

Bei den aktuellen Zinsen ist doch der Weg zur Bank der einfachste.

Richtig ist: Heute sind Kreditkonditionen so attraktiv wie nie – zumindest vermeintlich. Manche unternehmerische Investitionsentscheidungen, die früher nicht getroffen worden wären, können so realisiert werden. Was bleibt, ist das Risiko hoher Schuldenlasten und entsprechender Rückzahlungsverpflichtungen. Den Banken ist es aber nicht möglich, umfangreiche Prüfprozesse anzustrengen, Ausfallrisiken einzugehen oder gar zukünftige Potenziale zu berücksichtigen. Der Grund dafür ist einfach und schnell benannt: geringe Margen. Deshalb beziehen die Institute Nebenabreden zum zukünftigen Cash Flow oder der Verschuldungsquote in das Kreditverhältnis mit ein, die mitunter zu Risikozuschlägen oder Kreditkündigungen führen können. Sie sollten solche Klauseln sehr kritisch hinterfragen und prüfen.

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Also eher ein Risikokapitalgeber als eine Bank?

Das kommt darauf an. Wer sich über eine Bank finanziert, verpflichtet sich, jeden Monat eine bestimmte Rate zurückzuzahlen – unabhängig von der aktuellen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens. Wer Eigenkapital mit an Bord nimmt, erhält einen Partner, der mit ins Risiko geht und dessen Erfolg ein gutes Stück von der Entwicklung des Unternehmens abhängt. Die Folge: Der Partner ist i.d.R. engagierter, redet also bei Bedarf auch mit. Das kann bei einem Partner mit spezifischem Know-how und einem guten Netzwerk sehr hilfreich sein. Aber das führt auch zu Konflikten, wenn die Ansichten über die zukünftige Strategie auseinander gehen. Und es bedeutet auch: Geht es dem Unternehmen schlecht, bleibt das Geld im Unternehmen. Floriert das Unternehmen, partizipiert der Eigenkapital-Partner am Erfolg.

Was bedeutet das denn für das traditionelle Hausbanksystem?

Die angestammte Rolle der Banken als wichtigster Kapitalgeber ist längst abgelöst durch eine Vielzahl unterschiedlicher Anbieter und Kapitalformen. Der Trend geht weg vom traditionellen Hausbankprinzip. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass man sich nicht mehr nur auf ein Institut festlegen sollte. Machen Sie Ihr Unternehmen nicht von der Geschäftspolitik einer einzigen Bank abhängig. Jeder Kapitalgeber verfolgt eigene Ziele – auch die Bank. Deswegen ist es wichtig, nach dem spezifischen Finanzierungsschwerpunkt und den passenden Finanzprodukten zu fragen. Kaum eine Bank bietet heute Produkte für den kompletten Finanzierungsbedarf eines Unternehmens. Wenn Sie als Unternehmen unabhängig bleiben wollen, finanzieren Sie sich über jeweils zum Thema passende Partner. Und schöpfen Sie die Grenzen einer solchen Bankbeziehung nie ganz aus.

Was genau meinen Sie mit spezifischen Finanzierungsschwerpunkten?

Statt klassischer Bankkredite gibt es heutzutage eine Vielzahl von Spezialprodukten. Kurz- oder langfristige Finanzierungen spielen eine Rolle und auch die Verwendung der benötigten Mittel. Eine Fahrzeugflotte finanzieren Sie vielleicht mit einem Mobilienfinanzierer oder einem Leasinganbieter, ein neues Bürogebäude über eine Immobilienbank, Pensionsrücklagen zusammen mit einer Pensionskasse und die Erhöhung der Liquidität lösen Sie vielleicht mit dem Verkauf Ihrer Forderungen an einen Factoring-Anbieter. Ein einziges Kontokorrentkonto bei einer Hausbank ist sicher einfacher, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch teurer und bei den Verträgen unvorteilhafter.

Wann ist Eigenkapital sinnvoll?

Meist dann, wenn Sie ein erhöhtes Risiko haben, wenn Sie also Kapital für typische unternehmerische Risiken benötigen: etwa die Entwicklung eines neuen Produkts oder den Eintritt in einen neuen Markt. Und wenn Sie einen Partner benötigen, der Ihnen nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Know-how und einem Netzwerk weiter helfen kann. Oder anders ausgedrückt: Der Weg von der Investition zum Gewinn ist oft viel steiniger und länger als erwartet. Deshalb: Splitten Sie den Finanzierungsbedarf im Unternehmen auf. Was benötigen Sie für welche Zwecke? Analysieren Sie sehr genau und suchen Sie für jeden Punk die bestmögliche Finanzierung. Und spielen Sie Cash Flow-Planungen und Worst Case-Szenarien durch. Auch potenziellen Eigenkapitalgebern helfen Sie durch solch eine Analyse sehr. Ihre Unternehmensstrategie sollte die Grundlage für das Finanzierungskonzept bilden. Und nicht umgekehrt. 

Worauf achten Private Equity-Unternehmen bei Beteiligungsangeboten besonders?

Auch hier sollte man genau hinsehen. Es gibt verschiedenste Formen von Private Equity. Es gibt minder- oder mehrheitliche Beteiligungen, Gesellschaften mit operativem Engagement ebenso wie reine Kapitalanleger. Eher risikoarme und auf gewinnunabhängige Verzinsung ausgerichtete Institutionen sind komplett anders aufgestellt als Family Offices aus unternehmerischem Umfeld. Entscheidend sind letztendlich drei Punkte: die Herkunft des Geldes, die strategische Erwartungshaltung und das unternehmerische Verständnis.

Wann lohnt sich das Investment in ein Unternehmen?

In manchen Situationen sind natürliche Personen einfach nicht mehr in der Lage, das höhere Finanzierungsrisiko zu übernehmen. Bei Nachfolgeregelungen, Sanierungen oder Wachstumsfinanzierungen ist dies oft der Fall. Gerade hier sind institutionelle Beteiligungsgesellschaften aber auch eher zurückhaltend. Deshalb ist an dieser Stelle ein unternehmerisch aufgestelltes Private Equity-Haus in der besten Position, um als Geldgeber und Partner zu agieren.

Was sind die wichtigsten Schritte bei der Restrukturierung eines Unternehmens?

Ich habe in meiner Laufbahn immer mit folgender Strategie gearbeitet und bin damit sehr gut gefahren: Am Anfang liegt der Fokus komplett auf dem Unternehmen, man versucht die Prozesse zu verstehen und die Problemfelder herauszuarbeiten. In dieser Phase geht es darum, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob das Management richtig positioniert ist. Für diesen Schritt gibt es in den PE-Häusern Spezialisten, die sich tagtäglich mit solchen Aspekten beschäftigen. Im Anschluss daran geht es um die Kür der Finanzierung: eine vorausschauende Restrukturierung beziehungsweise eine Anpassung oder Erneuerung des Geschäftsmodells. Das entscheidet letztendlich über Erfolg und Misserfolg.

Welche Folgen ergeben sich durch eine Risikoübernahme?

Das hängt zunächst von der gewählten Finanzierungsform ab. Das Kapital kann als Fremd- oder Eigenkapital einfließen. Im Falle von Eigenkapital bedeutet dies, dass sich der Gesellschafterkreis erweitert und der neue Gesellschafter die gleichen Rechte erhält. In der Regel werden aber an dieser Stelle auch die vorhandenen Gesellschaftsverträge angepasst. Hintergrund dafür sind meist die Erwartungshaltungen an weitere Unternehmensentwicklungen seitens der Finanzinvestoren.KlassischeReibungspunkte bilden sich an der Grenze zwischen historischen Machtinteressen und zukünftigen Renditeerwartungen oder strategischen Neuausrichtungen. Wichtig ist, dass sich alle Parteien – und dies unbedingt vorab – über die Eigentümerverhältnisse und deren Folgen im Klaren sind.

Dr. Hannspeter Schubert © Southern Blue

Dr. Hannspeter Schubert (58) war annähernd 15 Jahre Vorstand der börsennotierten Münchner Industrieholding „Blue Cap“ und hat als solcher erfolgreich in mittelständische Unternehmen investiert. Dr. Schubert hat dabei sowohl Nachfolgesituationen als auch Restrukturierungsfälle gelöst. Allen gemeinsam war die Umsetzung einer passenden Finanzierungsstrategie. Heute betreibt Dr. Schubert mit der Gesellschaft „Southern Blue“ ein Family Office und investiert mit Blickrichtung auf ethische Unternehmensführung, gesellschaftliche Verantwortung und Respekt gegenüber unserer Natur.

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