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Artikel und Hintergründe zum Thema

Berufskleidung

Das Modebewusstsein in den Werkshallen steigt

Schmutzige Arbeitsklamotten nach Schichtende in den Wäschesammler werfen, den Feierabend genießen und am nächsten Morgen einfach die neue saubere Arbeitskleidung aus dem Schrankfach holen? Schöne Vorstellung. Aber absolut realitätsnah, denn Textil-Dienstleister übernehmen die Ausstattung von Mitarbeitern mit Berufs- und Schutzkleidung von A wie Anschaffung bis Z wie Zubehör. Das spart Zeit und Aufwand. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker erfuhr außerdem, dass sich die Branche der Textildienstleister über stetes Wachstum freuen kann.
Saubere Vorarbeit: Sortierung der Berufskleidung nach dem Grad der Verschmutzung.

Die Auftragslage in den meisten deutschen Unternehmen war im vergangenen Jahr vielversprechend - besonders in der produzierenden Industrie zog dies eine positive Beschäftigungsquote nach sich. In seinem Jahresbericht 2012 vermeldete das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie einen Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland um weitere 0,3 Prozent auf 6,8 Prozent. Das freut die Leut. Mehr Mitarbeiter an Werkbänken und Fertigungsstraßen bedeuten auch für Jürgen Gerdum mehr Umsatz. Denn wird in Deutschland geschafft und produziert, boomt seine Branche: Berufs- und Schutzkleidung im Full-Service-System. "Der Textil-Service-Markt ist immer ein Spiegelbild der gesamtwirtschaftlichen Situation", erklärt er. Als Geschäftsführer des Bereichs Kunden und Organisation der Mewa Gruppe, einem der Marktführer im Bereich textile Dienstleistungen, und Präsident des Wirtschaftsverbands Textil Service - Wirtex e.V. zieht er eine positive Bilanz für die Marktentwicklung in den vergangenen Jahren und beurteilt die zukünftigen Chancen gut: "Im Jahr 2012 stiegen die Umsätze der deutschen Textil-Service-Branche im Segment Berufskleidung um 6,7 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro. Damit zog das Geschäft noch stärker an als 2011."

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Die Anziehungskraft von Arbeitskleidung, die immer zur Hand ist, ohne dass sich deren Träger um Waschen, Ausbessern oder Nachkaufen kümmern zu müssen, liegt in den Servicevorteilen. Zeiteinsparung, logistische Entlastung, die Kostentransparenz und – vor allem im Fall von Schutzkleidung – die Rechtssicherheit, veranlassen immer mehr Arbeitgeber dazu, ihre Mitarbeiter von Profihand anziehen zu lassen. Hinzu kommen die steigenden Erwartungen der Träger selbst an Qualität, Arbeitsschutz und Hygiene am Arbeitsplatz.

Im Jahr 2012 trugen 4,81 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland die Kleidung von Textil-Service-Anbietern. Drei Prozent mehr als im Jahr davor. Jürgen Gerdum berichtet: „Allein in Deutschland gehen 780.000 Menschen in Mewa Kleidung zur Arbeit. Die Unternehmensgröße spielt dabei keine Rolle. Zu den Kunden gehören Kleinbetriebe, Mittelständler und große international operierende Konzerne.“ Das Bereitstellen von Berufskleidung kostet natürlich auch Geld. Schaltet man aber einen kompetenten Dienstleister für die Vollversorgung ein, rechnet sich das in der Regel gegenüber dem Aufwand in Eigenregie.

Die Branche ist noch relativ jung: Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts schwappte die Geschäftsidee „Mietkleidung“ wie so viele andere Trends aus den USA über den Atlantik nach Westeuropa. Kittel und Arbeitsanzüge aus Mischgeweben waren damals besonders gefragt. Viel mehr war in den Pionierzeiten der textilen Dienstleistung allerdings auch nicht im Angebot.

Heute zeigt sich ein vollkommen anderes Bild, denn nicht nur die Zahl der Kunden steigt. Auch ihre Ansprüche tun es. Wurde Berufskleidung in vielen Unternehmen noch vor einem Jahrzehnt ausschließlich über das Maß ihrer Funktionalität bewertet, so gelten heute zusätzliche Kriterien. Die Kleidung soll modern und optisch ansprechend sein. Bei Schutzkleidung wird erwartet, dass sie nicht nur ein oder zwei, sondern gleich eine ganze Bandbreite an Schutzfunktionen erfüllt. „Freizeit- und Outdoormode geben uns den Takt vor“, berichtet Dascha Guttenberger. Die Bekleidungsingenieurin leitet bei Mewa die Produktentwicklung und weiß genau: Wer Kunden überzeugen will, muss mehr als Blaumänner bieten. Nachdem viele Jahre Latzhose und Overall die solide Grundausstattung eines Werkers ausmachten, steigt das Modebewusstsein auch in den Industriehallen an. Bundhosen und Westen im Cargolook mit aufgesetzten Taschen und sichtbaren Nähten liegen im Trend, gern zweifarbig und kombiniert mit sportlichem T-Shirt oder Polohemd.

„Rüstungen“ sind out

Auch Schutzkleidung, die zwar vor Gefährdungen am Arbeitsplatz schützt, aber den Tragekomfort einer Rüstung hat, will heute niemand mehr anziehen. Neue Faser- und Gewebezusammensetzungen machen es zunehmend möglich, dass Schutzkleidung angenehm zu tragen ist. Zum Beispiel werden inzwischen leichtere Multifasergewebe mit einer besseren Haptik eingesetzt. Diese technischen Entwicklungen ermöglichen schickere Schnitte und eine sportliche Anmutung.

Darüber hinaus hat sich auch die Erwartungshaltung in Bezug auf die Betreuung verändert: Kunden setzen eine persönliche, reibungslose Betreuung voraus. Dazu gehören eine sehr kurzfristige Umsetzung von Änderungswünschen im Service-Umfang sowie auch die umgehende Reaktion auf Beanstandungen.

Das Interesse der Unternehmen, sich für professionell gepflegte Hemden und Hosen zu entscheiden ist inzwischen europaweit vorhanden. Das ergab eine Umfrage, die der europäische Dachverband der Textil-Service-Anbieter, die E.T.S.A, im vergangenen Jahr in England, Polen, Belgien und Deutschland unter den Arbeitnehmern durchführte. Das Ergebnis: 40 Prozent der Befragten finden Berufsbekleidung im Full-Service gut, weil sie dadurch Zeit und Geld sparen und den Schmutz nicht in der eigenen Waschmaschine haben. Je jünger die Befragten, umso größer die Aufgeschlossenheit. Deshalb geht man von einem weiteren Anwachsen des Marktes aus. Hinzu kommen länderspezifische Gründe. Während in Polen oft das Hygieneplus ein Argument ist, sind es in Belgien die Erfüllung rechtlicher Auflagen und Deutschland die verbesserte Sicherheit bei Schutzkleidung sowie die umweltschonenden Waschverfahren. Michael Stöcker

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