Antriebstechnik
Pressen modernisieren und einbinden
Eine Prozess- oder Produktionsstrecke ,,Auf der grünen Wiese" aufzubauen, ist für jeden Fertigungstechniker reizvoll. Es kann ohne Rücksicht auf vorhandene Einrichtungen und Gegebenheit optimal geplant werden. Damit verbunden sind jedoch auch entsprechend hohe Investitionen. Nicht immer – und immer weniger – kann so aus dem Vollen geschöpft werden. Vor allem im Mittelstand sind zunehmend praktikable Lösungen gefragt, um vorhandene Anlagen und Anlagenteile weiter zu nutzen, ohne auf die gewünschte Produktivität oder notwendigen Sicherheitsstandards verzichten zu müssen. Vor allem Pressen aller Bauarten lassen sich häufig mit überschaubaren Investitionen auf den aktuellen Stand der Technik bringen und in automatisierte Fertigungsstrecken einbinden.
Typisch ist die folgende Situation: Aufgrund steigender Nachfrage steht die Produktions- oder Geschäftsleitung vor der Aufgabe, den Ausstoß eines Produkts oder einer Produktgruppe deutlich zu erhöhen. Aufgrund der Rahmenbedingungen kann jedoch nicht in eine komplett neue Anlage vom Reißbrett investiert werden. Für das Herzstück vieler Anlagen, die Presse, muss eine Alternative gefunden werden. Die Lösung: Eine zugekaufte gebrauchte Presse oder eine vorhandene ältere Presse wird modernisiert und in eine neu aufzubauende Produktionsstrasse eingebunden. Die kann zum Beispiel bestehen aus: Abstapeleinrichtung, Transferstrecken, Ofen, Einlege- und Entnahmerobotern, Kühlstrecke und anderen Stationen. Während das meist mit Abstand teuerste Modul, die Presse, ,,alt" ist, werden die umgebenden Komponenten meist neu zugekauft. Damit stellt sich die Aufgabe, Anlagenteile verschiedener (Steuerungs-)Generationen miteinander zu verbinden.
Im ersten Schritt ist häufig die Presse sicherheitstechnisch auf den aktuellen Stand zu bringen. Zusätzlich muss sie in die Produktionsstraße signaltechnisch eingebunden werden. Häufig vorhanden sind an älteren Typen Steuerungen vom Typ Siemens S5 oder kontaktgebundene Steuerungen. Diese müssen nicht komplett ersetzt werden. Sie lassen für die Kopplung an die moderne S7 umrüsten. Dies übernimmt ein Gateway-Modul. Einlege- und der Entnahmeroboter bekommen ebenfalls über Gateways ihre Signale. Für die restliche informationstechnische Versorgung der Produktionsstraße wird ein Schaltschrank gebaut, der auch die Steuerung der gesamten Produktionstrasse aufnimmt, sie soll ja funktionieren wie eine einzige Maschine. Um die Bedienung komfortabel und effizient zu gestalten, benutzt man ein großes Touchpanel für die Gesamtanlage.
Abnahmen und Prüfungen werden nach DIN (Europäische Normen), VDE (Regelwerk der Elektrotechnik), BG (Unfallverhütungsvorschriften) durchgeführt.
An dieser Dienstleistung besonders interessant scheint mir nicht nur die Möglichkeit zu sein, mit geringeren Budgets leistungsfähige Anlagen aufzubauen. Dass alle notwendigen Arbeiten, vom Konzeptentwurf und Kalkulation über Bau und Verdrahtung des Schaltschranks sowie dem Installieren von Sensoren und Aktoren bis zur Programmierung und Anlagendokumentation alles aus einer Hand kommt, beschleunigt die Projekte. Dazu trägt auch die integrierte Sicherheitsabnahme der umgebauten Anlagen bei.
Nicht immer ist der Aufbau kompletter Produktionsstraßen fällig. Häufig lassen sich vorhandene, im Stand-alone-Betrieb arbeitende Pressen mit vergleichsweise geringen Mitteln auf neueste Sicherheitsstandards aufrüsten. Das beschert ihnen ein verlängertes Leben und dem Besitzer ein modernes Produktionsmittel.dr








