Fachforum Mobilität zur Rapid.Tech 3D

Annina Schopen,

3D-Druck aus der Formel 1 inspirieren Straße und Schiene

AM-Entwicklungen und -Anwendungen für einen sauberen Straßen- und Schienenverkehr stehen im Mittelpunkt des Fachforums Mobilität am 14. Mai 2025 auf der Rapid.Tech 3D. Inspirationen dafür kommen nicht zuletzt aus dem Formel 1-Rennsport.

Die Auswirkungen von 3D-Druck u. a. auf die Aerodynamik-Entwicklung von Formel 1-Fahrzeugen beleuchtet ein Vortrag von Sauber Motorsport. Auf dem Foto ein 60-Prozent-Windkanal-Modell. © Sauber Motorsport

Einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen des Formel 1-Sports gibt bereits Pat Warner vom BWT Alpine Formula One Team in seiner Keynote vor dem Fachforum. Der Advanced Digital Manufacturing Manager des Teams zeigt auf, wie mit dem Einsatz von Additive Manufacturing Geschwindigkeit und Innovation sowohl auf als auch neben der Rennstrecke erzeugt wird. Das Team hat im Laufe von 25 Jahren den Einsatz additiver Technologien kontinuierlich erweitert. Heute wirkt sich AM auf fast jeden Aspekt ihrer Fahrzeuge aus. Die aktuellen Rennboliden weisen über 200 gedruckte Komponenten auf.

Zeit als Währung in der Formel 1 ist auch das Thema von Victor Sousa, Leiter der Abteilung AM Plastics & CNC für AM bei Sauber Motorsport. Er gibt einen Überblick über das Produktionssetup und beleuchtet zwei Anwendungsfälle. Zum einen zeigt er auf, wie Stereolithografie für kürzere Durchlaufzeiten in der Produktion sorgt – mit direkten Auswirkungen auf die Aerodynamik-Entwicklung. Zum anderen demonstriert er, wie mit dem direkten Metall-Lasersintern die Chassis-Entwicklung unterstützt wird und wertvolle Zeit freisetzt.

„Wir freuen uns, dass wir die AM-Experten aus den beiden Formel 1-Teams als Referenten gewinnen konnten. Beide Teams haben über Dekaden die additive Fertigung entdeckt und sind Profiteur in eigener Anwendung geworden. Daraus können die Teilnehmenden am Fachkongress vieles für ihren industriellen Alltag mitnehmen“, sagt Frank Cremer, Direct Sales Manager DACH 3D Printers bei 3D Systems und Mitglied im rapid.tech 3D-Fachbeirat. Gemeinsam mit Dr. Maximilian Binder, Innovation Management Transfer and Network bei BMW und ebenfalls Fachbeiratsmitglied, verantwortet er die inhaltliche Ausrichtung des Forums Mobilität.

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Additive Fertigung für Wasserstoffmotoren

Dass Wasserstoff und additive Fertigung in der Motorentechnologie kein Widerspruch sind, wird Jochen Wagner, Head of Sales and Business Development bei M&H CNC Technik, darstellen. Mann & Hummel nutzt AM-Vorteile wie mehr Designfreiheit, um notwendige Änderungen an Motorenkomponenten durchzuführen und damit einen sicheren Betrieb mit Wasserstoff zu gewährleisten. Das betrifft z. B. Ansaugkrümmer, die üblicherweise aus Kunststoff gefertigt sind, für den Wasserstoff-Betrieb jedoch in Aluminium ausgeführt werden müssen. Dafür setzt M&H metallische 3D-Druckverfahren ein wie selektives Laserschmelzen und pulverbettbasiertes Laserstrahlschmelzen. Die additiv hergestellten Teile kommen in zwei Motoren zum Einsatz: einem Hochleistungs-Wasserstoff-Rennmotor und einem 1,4l-Pkw-Motor.

Bahnindustrie und Automobilbauwertschöpfungskette

Neue Technologie trifft auf traditionelle Zulassung, hat Dr. Maximilian Kunkel seinen Vortrag überschrieben. Der F&E-Projektmanager und leitende Schlüsselexperte für AM-Technologien bei Siemens Mobility beschreibt die Erfahrungen, Implikationen sowie die nächsten Schritte bei der Zulassung 3D-gedruckter Metallbauteile in einem äußerst streng regulierten Anwendungsbereich im Personentransport: der Bahnindustrie.

Einen Kompass für das zielführende Navigieren in der komplexen AM-Wertschöpfungskette der Automobilindustrie will Matthias Schmidt-Lehr, geschäftsführender Gesellschafter von AMPower, den Zuhörenden an die Hand geben. Die Präsentation vermittelt einen Marktüberblick auf Basis des AMPower-Reports sowie mehrerer Technologiestudien. Sie zeigt u. a. Marktentwicklungen und Wachstumsraten für AM bei Automobilherstellern und Zulieferern auf, ebenso Anwendungsfelder vom Prototyping bis zur Serienproduktion sowie Herausforderungen bei Kosten und Skalierbarkeit im Vergleich zu konventionellen Verfahren.

Innovative Fertigungsverfahren sind ein Baustein, um in der Automobilindustrie Entwicklungszeiten zu verkürzen und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Potenziale eröffnen sich mit AM beispielsweise im Werkzeugbau. Eike Tim Koopmann, Doktorand Technologieentwicklung Werkzeugbau bei Mercedes-Benz, berichtet, unter welchen Voraussetzungen hybrid-additiv gefertigte Werkzeugkomponenten zu höherer Flexibilität und Effizienz in der Serienproduktion von Karosserieteilen führen.

Das richtige Mindset für AM schaffen

Um AM erfolgreich einzusetzen, braucht es neben technischen Voraussetzungen das richtige Mindset. Davon ist die iwis-Gruppe überzeugt. Pascal Kranich, Teamleitung Konstruktion bei iwis e-tech, stellt die Aktivitäten vor, mit denen betriebsintern das Bewusstsein für ein wachsendes Interesse an diesem Thema sowie eine Abkehr von gewohnten Pfaden geschaffen wurde. Ausgehend von einem Kernteam werden über Schulungen, Events und einen Anwendungs-Wettbewerb alle Mitarbeitenden angeregt, sich mit additiver Fertigung auseinanderzusetzen und diese Herstellungsverfahren zukünftig im Unternehmensalltag zu berücksichtigen.

Präsentationen, Austausch bei Ausstellern und Deep Dives Touren

Produkt- und Leistungsdemonstrationen sowie der Austausch in kleinen Gruppen stehen im Mittelpunkt in Halle 2 – individuell an den Ständen der Aussteller oder aber geführt bei Technical Deep Dives Touren, an „Expertentischen“ sowie beim AM Science Poster Slam direkt in der Halle.

Inspirationen für völlig neue Anwendungen additiver und digitaler Technologien liefert außerdem die 3D Pioneers Challenge. Der internationale Wettbewerb kommt in diesem Jahr zum zehnten Mal auf die rapid.tech 3D. Die Jubiläumsschau eröffnet allen bisherigen Finalisten und Gewinnern die Chance, sich erneut dem Jury-Urteil zu stellen und so zum „Pioneer of the Decade“ zu werden.

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