Zulieferer

Chancen nutzen in volatilen Märkten

Das produzierende Gewerbe in Deutschland scheint auf dem Rückzug zu sein. Zunächst rollte eine Welle der Produktionsverlagerungen über das Land, jetzt ist die Rede davon, dass auch Entwicklungsaktivitäten an Standorte mit scheinbar günstigeren Konditionen verlagert werden. Dennoch ist und bleibt die produzierende Industrie Deutschlands Treiber unseres Wohlstands. Die Herausforderungen an Unternehmen wachsen und viele – gerade kleine und mittlere – sehen sich Positionierungsdefiziten, fehlender Differenzierung, starkem Kostendruck durch Globalisierung und zu hohen Fixkosten in volatilen Märkten ausgesetzt [1]. Insbesondere für den deutschen Maschinenbau ist eine kontinuierliche Differenzierung von der Konkurrenz vielfach der einzige Weg zu nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit.

Die Konzentration auf Kernkompetenzen zwingt Unternehmen vor diesem Hintergrund praktisch zu intensiver Kollaboration [2]. Insbesondere in volatilen Märkten bieten Entwicklungsnetzwerke die Chance, kurzfristig auf Kapazitäten und Kompetenzen der Partner zurückzugreifen, die im Alleingang erst erarbeitet werden müssten – falls überhaupt möglich, erfordert dies einen hohen zeitlichen und monetären Aufwand. Somit kann die Erfolgswahrscheinlichkeit der Projekte bei gleichzeitiger Reduzierung des Finanzierungsrisikos über Entwicklungsnetzwerke deutlich gesteigert werden.

Intellectual Property schützen

Grundvoraussetzung für die partnerschaftliche Zusammenarbeit ist die individuelle Kenntnis der strategischen Erfolgfaktoren (SEP) [3] jedes einzelnen Partners. Kennt ein Unternehmen seine SEPs nicht, ist es wahrscheinlich nicht offen genug, um im Netzwerk das maximale Innovationspotenzial zu erschließen. Andererseits droht ein Verlust der SEPs durch unvorsichtiges Offenlegen oder Fremdvergeben relevanter Felder. Der Schutz des eigenen Intellectual Property ist ein weiteres Feld, das durch intensive Kollaboration in Netzwerken betroffen wird. Grundsätzlich gilt: So bewahrend wie nötig, aber so offen wie möglich.

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Zur Kollaboration stehen Unternehmen unterschiedliche Ansätze zur Verfügung. Die Bandbreite geht von bilateralen Kooperationen, die die Komplexität der Zusammenarbeit möglichst eingrenzen, bis zu multilateralen Netzwerken, die ein hohes Maß an Komplexität in der Kollaboration zulassen. Je nach Anwendungsfall gilt es hier, die richtige Form der Zusammenarbeit zu identifizieren. Hybridformen, wie zum Beispiel Virtuelle Fabriken, in denen aufbauend auf einem Netzwerk unterschiedliche Kooperationen initiiert werden können, vereinen die Vorteile beider Kollaborationsformen [4]. Aber auch Kompetenznetzwerke bilden einen geeigneten Nährboden für kollaborative Innovation.

Forschung und Industrie integrieren

Insbesondere die Integration von Forschung und Industrie in derartige Netzwerke, wie sie beispielsweise im OWL Maschinenbau realisiert wird, bietet hohes Potenzial für Neuentwicklungen – sei es auf Produkt- oder Prozessseite. In der Region Aachen wird dies über das Kompetenznetzwerk Proteca (Forschungsseite) sowie den angeschlossenen Proteca Club (Industrieseite) realisiert. Über so genannte Tech-2-Business Events, an denen Partner aus Forschung und Industrie teilnehmen, werden innovative Ideen aus der Hochschule in die Industrie getragen und gleichzeitig neue Ideen für Entwicklungsprojekte im Netzwerk angeregt.

Unternehmen des Mittelstands, deren Management dem Paradigmenwechsel von der Eigenentwicklung zum Entwickeln in Netzwerken nicht folgen, werden es zukünftig besonders schwer haben, im internationalen Wettbewerb zu bestehen [5]. Einen Kostenwettbewerb werden sie aufgrund lokaler Standortnachteile nicht gewinnen können. Der Differenzierungswettbewerb hingegen dürfte aufgrund deutlich höherer realisierbarer Innovationsgeschwindigkeiten zugunsten der Unternehmen ausfallen, die sich in einem oder mehreren Netzwerken positioniert haben [6]. Günther Schuh/Alexander Sauer/(ms)

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