Zerspanen
"Gesamtkosten analysieren"
SCOPE: Lassen sich durch hochwertige Präzisionswerkzeuge die Gesamtprozess- und Fertigungskosten spürbar senken?
Dr. Kress: Präzisionswerkzeuge sind eine der wichtigsten und interessantesten Möglichkeiten, um Kosten in Fertigungsprozessen zu senken. Die Werkzeugkosten machen dabei nur etwa drei Prozent der Herstellkosten aus, sie beeinflussen aber die Restkosten von 97 Prozent ganz wesentlich.
SCOPE: Neue Substrat- und Beschichtungsverfahren ermöglichen erhebliche Leistungssteigerungen – worin liegen die Weiterentwicklungen?
Dr. Kress: Die Entwicklung geht immer mehr zur scharfen Schneide und zu geringerer Reibung. Dadurch entstehen weniger Wärme und weniger Abrieb.
SCOPE: Sind Produktivitätssteigerungen von 20 und mehr Prozent mit Werkzeugen neuer Generation realistisch, und wie können sie erreicht werden?
Dr. Kress: Ja, Produktivitätssteigerungen von 20 Prozent und mehr sind in Einzelfällen durchaus realistisch. Ich denke zum Beispiel an den Einsatz von Kombinationswerkzeugen, bei denen solch bemerkenswerte Ergebnisse nachzuweisen sind. Aber auch die neuen Scheidstoffe, etwa CBN oder aktorische Werkzeuge bringen ähnlich erstaunliche Werte.
SCOPE: Wie hoch liegen die Mehrkosten für produktivitätssteigernde Werkzeuge?
Dr. Kress: Das kann nicht so pauschal beantwortet werden, wie hoch die Mehrkosten dafür sind. Im Gegenteil. Manchmal sind solche Werkzeuge, die deutliche Produktivitäts-Steigerungen bringen sogar auch vom Preis her günstiger. Wenn zum Beispiel HSS anstelle von Hartmetall eingesetzt wird; Hartmetall anstelle von CBN – das ist heute möglich durch die neuen Beschichtungen.
SCOPE: Gibt es Unterschiede in der Produktivität oder im Preis zwischen Wendeschneidplatten, HSS und Hartmetall?
Dr. Kress: Ich bin sicher, dass Wendeplatten günstiger sind als feste Werkzeuge, vor allem bei größeren Werkzeugen. So sind zum Beispiel bei der Fertigbearbeitung der Bohrungen in Schaltschieberplatten Wendeplattenwerkzeuge in der Betrachtung der Gesamtbetriebskosten festen PKD Werkzeugen überlegen. Allerdings sind die Wendeplattenwerkzeuge anspruchsvoller im Handling.
SCOPE: Wie verträgt sich die Produktivitätssteigerung mit der Standzeit der Werkzeuge?
Dr. Kress: Ich sehe keine Korrelation. Die Produktivitätssteigerung kommt meist über den höheren Vorschub, die höhere Schnittgeschwindigkeit. Wichtig ist immer der Gesamtprozess. Dabei ist die Standzeit nur ein Faktor.
SCOPE: Sind diese produktivitätssteigernden Werkzeuge für alle Stähle und Metalle geeignet?
Dr. Kress: Im Prinzip ja. Allerdings ist die Wirkung beziehungsweise der Fortschritt in der Produktivität sehr verschieden.
SCOPE: Was sind die typischen Fehler der Anwender bei der Werkzeugauswahl? Welche wichtigsten Punkte sind für ein Unternehmen bei der Werkzeugauswahl zu beachten?
Dr. Kress: Aus Sicht der Werkzeughersteller ist es wichtig, dass die Werkzeuge als Teil des Fertigungsprozesses gewählt werden, also nicht separat betrachtet und festgelegt werden. Die beste Wirkung kann erzielt werden, wenn das gesamte Fertigungssystem schon bei der Planung gesehen wird. Wichtig ist dabei auch, nicht in erster Linie den Preis für die Beschaffung der Werkzeuge gesondert zu sehen, sondern die Gesamtkosten des Prozesses sorgfältig zu analysieren.









