Wechsel an der Spitze des ZVEI
Verband der Elektro- und Digitalindustrie wählt Daniel Hager zum neuen Präsidenten
Mit Daniel Hager übernimmt künftig ein Familienunternehmer die Spitze eines der größten deutschen Industrieverbände: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Hager Group ist zum neuen Präsidenten des ZVEI e.V. gewählt worden.
Hager, der dem Verband seit vielen Jahren verbunden ist, trat sein Amt mit einer industriepolitischen Grundsatzrede an. „Die Digital- und Elektroindustrie ist eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen unseres Landes“, sagte er unmittelbar nach seiner Wahl beim eSummit des Verbandes. Die politische Aufgabe sehe er darin, die Bedeutung der Branche für technologischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wohlstand stärker im politischen Raum zu verankern. Bundeskanzler Merz forderte er auf, Reformen bei Rente, Arbeitszeit und Sozialabgaben entschlossen anzugehen. „Wir müssen wieder stärker darauf schauen, was unseren Standort wirklich trägt: Leistung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.”
Im Zentrum seiner Rede stand die Frage, wie Europa und Deutschland im globalen Wettbewerb um Technologie und industrielle Wertschöpfung bestehen können. Während die USA und China bei Schlüsseltechnologien wie Künstlicher Intelligenz Tempo machten, drohe Europa, sich in Regulierungsdebatten zu verheddern, die Innovation eher bremsten als ermöglichten.
Hager verwies dabei auf industrielle Anwendungen von KI als Stärke der europäischen Industrie. „Eine Stärke der deutschen Elektro- und Digitalindustrie liegt in der Entwicklung von KI für industrielle Anwendungen – für Roboter, Prozessindustrie, Stromnetze oder Gebäude und vieles mehr. Um sie auszuspielen, brauchen wir mehr Gestaltungsfreiräume.“ Regulierung müsse sich daran messen lassen, ob sie Innovation ermögliche oder behindere. Der im Trilog erzielte Kompromiss zum sogenannten KI-Omnibus sei ein Fortschritt, bleibe aber unvollständig. „Auch bei Medizinprodukten gehört Doppelregulierung abgeschafft“, sagte Hager.
Europa im globalen Wettbewerb
Auch die geopolitische Lage Europas spielte in seiner Rede eine zentrale Rolle. Europa sei, so Hager, „in geopolitisch schwierigen Zeiten unsere ‚Lebensversicherung‘“. Nur ein wirtschaftlich starkes Europa könne in einer Welt bestehen, in der geltende Regeln zunehmend an Verbindlichkeit verlören. Der Binnenmarkt müsse vertieft, die Europäische Union stärker als „Industriebeschleuniger“ verstanden werden.
Mikroelektronik als Schlüsseltechnologie
Ein weiterer Schwerpunkt war die Mikroelektronik. Europa müsse in Schlüsseltechnologien wie Halbleiterproduktion und -entwicklung unabhängiger werden. Einer neuen Studie des Verbands zufolge werde sich der europäische Bedarf an Halbleitern bis 2040 verdoppeln. „Auf die steigenden Bedarfe muss Europa schnell reagieren und sein Mikroelektronik-Ökosystem stärken“, sagte Hager. „Bei Schlüsseltechnologien darf Europa nicht in einseitige Abhängigkeiten rutschen.“
Energiepolitik und Strompreise
Auch energiepolitische Fragen verband Hager mit industriepolitischen Überlegungen. „Die Zukunft ist elektrisch – egal ob im Auto oder im Gebäude“, sagte er. Die Nachfrage nach elektrischen Anwendungen hänge eng mit dem Strompreis zusammen, wie Umfragen des Verbands zeigten. Daraus leitet der ZVEI die Forderung ab, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken – wie im Koalitionsvertrag angekündigt und von der EU-Kommission gefordert.
Erfahrung im Verband
Hager ist seit 15 Jahren im ZVEI aktiv, leitete unter anderem Fachverbände und Plattformen innerhalb der Organisation und ist heute Aufsichtsratsvorsitzender der Hager Group.
Neu ins Präsidium gewählt wurden als Vizepräsidenten unter anderem Vertreter von Siemens, Bosch und Schneider Electric. Dem engeren Vorstand gehören zudem Führungskräfte aus Unternehmen wie Siemens Energy, Phoenix Contact und Infineon an.









