Volkswagen einsam an der Spitze
Die 100 größten börsennotierten Unternehmen
Volkswagen bleibt unter den deutschen Top-Unternehmen eine Klasse für sich: Der Autokonzern war in diesem Jahr mit einem 9-Monates-Umsatz von 146 Milliarden Euro das mit Abstand umsatzstärkste börsennotierte Unternehmen in Deutschland, gefolgt von Eon und Daimler (89 bzw. 86 Milliarden Euro), teilte die Beratungsfirma Ernst & Young (EY) kurz vor Jahresende mit.
Den höchsten Gewinn fuhr in den Monaten Januar bis September ebenfalls Volkswagen ein (8,6 Milliarden Euro). BMW (6,0 Milliarden Euro) und BASF (5,6 Milliarden Euro) folgen auf den Plätzen zwei und drei.
Insgesamt erwirtschafteten die 100 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands einen Umsatz von 1.099 Milliarden Euro - der Vorjahreswert lag mit 1.096 Milliarden Euro etwa auf dem gleichen Niveau. Hauptgrund für die relativ schwache Umsatzentwicklung war die ungünstige Währungsentwicklung, die die im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen genauso belastete wie die zum Teil ebenfalls stark international ausgerichteten Unternehmen aus MDAX, SDAX oder TecDAX.
Der starke Euro macht sich auch beim Gewinn bemerkbar: Trotz einer regen Auslandsnachfrage und einer guten operativen Entwicklung gab der Gewinn (EBIT) der 100 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen in den ersten neun Monaten 2013 leicht um 1 Prozent nach. Insgesamt lag das operative Ergebnis der 100 Top-Unternehmen bei 77 Milliarden Euro, in den ersten drei Quartalen des Vorjahres waren es 78 Milliarden Euro. Bei fast jeder zweiten Firma schrumpften die Gewinne, jedes elfte Unternehmen schrieb sogar rote Zahlen. Die Mitarbeiterzahl ist im selben Zeitraum leicht (um 0,6 Prozent) gestiegen und liegt nun bei 4,7 Millionen Beschäftigten.
Die europäische Gemeinschaftswährung hat gegenüber allen wichtigen ausländischen Währungen im Vergleich zum Vorjahr an Wert gewonnen, was im Ausland erzielte Umsätze bei der Umrechnung in Euro abwertet und deutsche Produkte im außereuropäischen Ausland teurer macht. Diese Entwicklung belastet auch die Margen: Die EBIT-Marge, das Verhältnis von Umsatz und Gewinn, sank im Neun-Monats-Vergleich leicht von 7,1 Prozent 2012 auf 6,9 Prozent im Jahr 2013. Bei mehr als der Hälfte der Unternehmen (54) fiel die Marge niedriger aus als im Vorjahreszeitraum.
"Die deutschen Top-Unternehmen stehen derzeit überwiegend gut da - besser als es die nackten Umsatz- und Gewinnzahlen zunächst erkennen lassen", sagt Thomas Harms, Partner bei EY. "In der zurückliegenden Krise haben die deutschen Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht: Sie haben ihre Innovationskraft gestärkt, ihre Strukturen auf Effizienz getrimmt und sich internationaler aufgestellt. Das operative Geschäft brummt daher bei vielen Unternehmen - Währungseffekte machen aber momentan einen Teil dieses Erfolgs zunichte. 2014 werden die Unternehmen aber die Früchte dieser Strategie ernten und voraussichtlich deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen ausweisen - wenn ihnen nicht eine weitere Euro-Aufwertung in die Quere kommt."
Am profitabelsten arbeiteten in den Monaten Januar bis September 2013 die Deutsche Börse (EBIT-Marge von 40 Prozent), SAP, der Medienkonzern ProSiebenSat.1 sowie der Flughafenbetreiber Fraport (jeweils 23 Prozent). Eine Marge von über 20 Prozent erwirtschaftete außerdem Kabel Deutschland (21 Prozent).
Jedes zweite Top-Unternehmen mit Hauptsitz in Bayern oder NRW
Besonders viele Top-Unternehmen finden sich an Rhein und Ruhr und im Süden der Republik: Je ein Viertel der untersuchten Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Bayern und Nordrhein-Westfalen - der Freistaat kommt auf 26 Unternehmen, Nordrhein-Westfalen auf 25. Kein einziges Unternehmen kommt aus den ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin). In Baden-Württemberg sind 17 der Top-Konzerne angesiedelt. Hessen und Niedersachsen sind die Heimat von 10 bzw. 7 Konzernen.
Dominiert wird das Top-100-Ranking von den traditionell starken Industrieunternehmen: 30 Unternehmen im Ranking sind der Industrie zuzuordnen, weitere 9 gehören zur Automobilbranche. Stark vertreten sind außerdem die Chemie (9 Unternehmen), der Einzelhandel sowie die Energieversorger (jeweils 7 Unternehmen). "Die Industrie ist nach wie vor das Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Das betrifft nicht nur die bekannten Großkonzerne, sondern auch die zahlreichen Zulieferer im Land", sagt Harms. "Vor allem über die Industrie ist Qualität 'Made in Germany' weltweit bekannt und geschätzt - und kann so auch anderen Branchen dabei helfen, sich global stärker zu etablieren." Es ist aber nicht nur die "old economy" im Ranking vertreten. Ebenfalls platzieren konnten sich Unternehmen, die der Informationstechnologie (6 Unternehmen) oder der Medienwirtschaft (5 Unternehmen) zuzuordnen sind.
Weltweit arbeiteten zum 30. September 2013 4,67 Millionen Menschen bei den 100 größten Unternehmen Deutschlands. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist die Zahl der Beschäftigten damit leicht um 0,6 Prozent gestiegen. Etliche Unternehmen mussten aber auch Stellen streichen: In knapp vier von zehn Unternehmen arbeiteten zum 30. September weniger Menschen als noch vor einem Jahr.
Der größte börsennotierte Arbeitgeber in Deutschland ist nach wie vor Volkswagen mit rund 570.000 Mitarbeitern, gefolgt von der Deutschen Post (434.000) und Siemens (362.000). Das stärkste Mitarbeiterwachstum verzeichneten Kabel Deutschland (plus 26 Prozent, unter anderem wegen der Festanstellung ehemaliger Zeitarbeitskräfte) sowie - mit bedingt durch Akquisitionen - Stada Arzneimittel (plus 25 Prozent) und Freenet (plus 17 Prozent). kf








