Wirtschaft + Unternehmen

VDMA Thermoprozesstechnik: Stagnation auf hohem Niveau

Nachdem 2011 überduchschnittlich viele Neuaufträge eingegangen waren, hat sich die Auftragslage in der Thermoprozesstechnikbranche im vergangenen Jahr sukzessive eingetrübt. "Das vorhandene Auftragspolster verhalf der Branche 2012 noch zu einer Umsatzsteigerung von durchschnittlich sechs Prozent", berichtete Dr. Timo Würz, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Thermoprozesstechnik, am Mittwoch in Frankfurt am Main.

Der Auftragsrückgang machte sich bereits in der Jahresproduktion der Branche bemerkbar. Sie lag im abgelaufenen Jahr mit einem Wert von 1,7 Milliarden Euro unter der Zwei-Milliardenmarke, die noch in den beiden Vorjahren überschritten worden war. Besonders betroffen war dabei der Bereich des elektrischen Industrieofenbaus.

Ausblick 2013: Branche erwartet nur geringes Auftragswachstum

Im ersten Quartal des Jahres 2013 verzeichneten die Industrieofenbauer auftragsseitig - in Relation zum hohen Niveau des Vorjahreszeitraums - einen Einbruch um über 45 Prozent. Ausgeprägte Rückgänge zeigen sich bei den Neuaufträgen aus dem Nicht-EU-Ausland. Die Umsätze gaben um 17 Prozent nach. Besonders stark zurück gingen im Zeitraum von Januar bis März die Umsätze, die mit den Ländern der EU erwirtschaftet wurden. Die Thermoprozesstechnik-Hersteller, die an der aktuellen Konjunkturumfrage des Fachverbandes teilgenommen haben, rechnen für das Gesamtjahr 2013 im Durchschnitt mit stagnierenden Umsätzen und mit geringen Auftragszuwächsen im einstelligen Bereich; der Durchschnitt der Melder liegt bei plus zwei Prozent.

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Exporte 2012: Weltmarktführer Deutschland legt um fünf Prozent zu

Seit langen Jahren behaupten sich die deutschen Thermoprozesstechnik-Hersteller an der Weltmarktspitze. Die deutschen Exportumsätze wuchsen 2012 um knapp fünf Prozent auf einen Wert von über zwei Milliarden Euro, der Weltmarkt um zwei Prozent auf über 8,5 Milliarden Euro. Die deutschen Branchenausfuhren in sechs der zehn wichtigsten Abnehmerländer sind im vergangenen Jahr gestiegen, darunter erneut China (plus 16 Prozent) und Russland (plus 22 Prozent) sowie die USA (plus elf Prozent) und Japan (plus 143 Prozent). Positiv entwickelten sich außerdem die Ausfuhren nach Saudi Arabien (plus 22 Prozent) und Mexiko (plus 147 Prozent), während sich der Umfang der Lieferungen nach Indien (minus 36 Prozent) und Brasilien (minus elf Prozent) verringerte. Deutlich zurückgegangen - minus 50 Prozent - sind die Lieferungen in die Republik Korea.

Die mittelständisch geprägte Thermoprozesstechnik-Branche ist als Hersteller einer Schlüsseltechnologie für die produzierende Industrie an die konjunkturellen Zyklen und Anforderungen vielfältiger Anwenderbranchen gebunden. Auf bedeutenden Absatzmärkten für Thermoprozesstechnik zeichnen sich strukturelle Änderungen ab. Im metallurgischen Sektor unternimmt China zielgerichtete Anstrengungen, die Position des eigenen Maschinenbaus für den Stahlbereich zu stärken. Dies wird sich mittelfristig auch im Ofenbausektor niederschlagen. Betroffen sind Thermoprozesstechnik-Hersteller ebenso von den Lokalisierungsbestrebungen im Automobil- und Automobilzuliefersektor auf den großen internationalen Märkten.

China konnte seine Thermoprozesstechnik-Exporte 2012 um 17 Prozent steigern. Indien ist nach wie vor größter Abnehmer gefolgt von den USA und weiteren, südostasiatischen, Ländern. Der Wert chinesischer Exporte nach Afrika stieg insgesamt um 64 Prozent. Den größten Zuwachs erzielten die Lieferungen nach Südafrika mit plus 121 Prozent. Während italienische Exporte 2012 insgesamt stagnierten (minus ein Prozent), konnten dennoch Steigerungen bei den Ausfuhren in die USA (plus 54 Prozent), nach Brasilien (plus 30 Prozent) und in weitere Abnehmerländer Asiens erzielt werden - so nach China, Thailand, in die Republik Korea und nach Indonesien. Auch auf dem südafrikanischen Markt positionierte sich Italien mit steigenden Lieferungen (plus 76 Prozent).

Das Stimmungsbild der Branche entsprechend der 'Erwartungen hinsichtlich der Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten' zeigt sich im ifo-Index am aktuellen Rand eher gedämpft, nachdem es sich zum Jahresbeginn zunächst stark aufgehellt hatte. Die Beurteilung der Wettbewerbsposition im Inland fiel im ersten Vierteljahr 2013 besser aus als zum Jahreswechsel. Im außer-europäischen Ausland sieht sich die Branche aktuell im Wettbewerb jedoch weniger gut positioniert. "Mit ihren innovativen Technologien und ihrem Know-How zur Gestaltung energie- und ressourceneffizienter Produktionsprozesse werden die deutschen Hersteller weiterhin punkten können. Die strukturellen Marktverschiebungen werden jedoch strategische Weichenstelllungen und intensivierte Anstrengungen auf vielen Ebenen erfordern", kommentierte Würz die Branchenlage. kf

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