Konjunkturprognose

Annina Schopen/dpa,

OECD senkt Prognose für deutsche Wirtschaft erneut deutlich

Die deutsche Wirtschaft bleibt hinter den Erwartungen zurück und soll mit 0,4 Prozent Wachstum im kommenden Jahr das niedrigste Wachstum unter den großen Volkswirtschaften verzeichnen. Die OECD und das Ifo-Institut warnen vor den Auswirkungen von Handelskonflikten und geopolitischen Unsicherheiten.

© ronniechua/stock.adobe.com

Um die deutsche Wirtschaft ist es nach einer Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) noch schlechter bestellt als angenommen. Bereits in der Dezember-Prognose für 2025 rangierte Deutschland mit einem Wachstum von 0,7 auf dem letzten Platz. Nun korrigierten die Fachleute ihre Erwartungen auf 0,4 Prozent nach unten, wie aus dem in Paris vorgestellten Bericht hervorgeht. Lediglich Mexiko steht noch schwächer da. 

Deutschland folgt damit dem Trend der Weltwirtschaft, die dem Bericht zufolge erheblich von den Handelskonflikten rund um die US-Regierung getroffen wird. Zusammen mit geopolitischen Konflikten ergebe sich ein Klima, in dem Unternehmen weniger investieren und Verbraucher:innen ihr Geld zusammenhalten. 

Auch die USA werden vom Handelskonflikt getroffen

Unter diesem Eindruck senkten die Fachleute der OECD ihre Erwartungen für die weltweite Wirtschaftsleistung in diesem und im kommenden Jahr. Besonders hart dürfte es demnach Mexiko und Kanada treffen - im kommenden Jahr lassen aber auch die USA deutlich Federn. 

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Die Zahlen stehen unter der Annahme, dass die angekündigten US-Zölle wie angekündigt in Kraft treten und Kanada und Mexiko entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten.

Ifo senkt Konjunkturprognose ebenfalls

Auch das Ifo-Institut hatte zuvor seine Prognose für Deutschland gesenkt: Im laufenden Jahr rechnet es lediglich mit einem Wachstum von 0,2 Prozent. Im Winter waren die Münchner Wirtschaftsforscher noch von einem Plus von 0,4 Prozent ausgegangen. Erst 2026 sehen die Ifo-Experten mit 0,8 Prozent wieder etwas mehr Potenzial. Alle Werte beziehen sich auf das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt.

"Die deutsche Wirtschaft steckt fest. Trotz einer wieder anziehenden Kaufkraft bleibt die Konsumlaune verhalten, und auch die Unternehmen investieren zurückhaltend", sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser. Insbesondere die Industrie leide unter schwacher Nachfrage und zunehmendem internationalem Wettbewerbsdruck. 

Ifo: Es könnte besser kommen

Die aktuelle Prognose beinhaltet allerdings noch nicht die aktuellen Pläne der voraussichtlichen künftigen Regierung, wie Wollmershäuser erklärte. Diese seien einerseits noch nicht sicher beschlossen, andererseits wisse man nicht genug über die genaue Ausgestaltung. Sollten sie allerdings gut umgesetzt werden, gebe es deutliches Potenzial nach oben. Vor allem kommendes, möglicherweise aber auch dieses Jahr, könnte das Wachstum dann höher als aktuell noch vorhergesagt ausfallen. 

Union und SPD hatten mit den Grünen mehrere Grundgesetzänderungen vereinbart. Ziel ist einerseits eine Lockerung der Schuldenbremse, um höhere Verteidigungsausgaben zu ermöglichen. Andererseits soll ein 500 Milliarden Euro schweres, über Schulden finanziertes Sondervermögen für Investitionen in Infrastruktur und Klimaneutralität im Grundgesetz verankert werden.

"Erratische und protektionistische Wirtschaftspolitik" der USA

Es könnte aber auch schlimmer kommen: Politische Unsicherheiten, sowohl in Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten, sorgten für erhebliche Risiken, hieß es vom Ifo. "Die neue US-Regierung hat eine erratische und protektionistische Wirtschaftspolitik eingeschlagen. Bereits angekündigte Importzölle auf Waren aus Mexiko, Kanada und China sowie entsprechende Gegenzölle haben erste negative Auswirkungen auf die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft. Sollte es zusätzlich zu Zollerhöhungen auf europäische Produkte kommen, könnte dies die deutsche Exportwirtschaft empfindlich treffen."

Wollmershäuser rief die Politik auf, diese Phase der Unsicherheit schnell zu überwinden. "Eine verlässliche Wirtschaftspolitik ist essenziell, um Vertrauen zu schaffen und Investitionen anzukurbeln", betonte er. "Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit, insbesondere angesichts der aktuellen Herausforderungen durch den Strukturwandel in der Industrie."

Die Arbeitslosenquote für das laufende Jahr erwartet das Ifo bei 6,2 Prozent. Das ist minimal schlechter als in der letzten Prognose. Für 2026 werden 6,0 Prozent vorhergesagt. Bei der Inflation gehen die Münchner Wirtschaftsforscher - wie im Winter - von 2,3 Prozent im laufenden Jahr und 2,0 Prozent im kommenden Jahr aus.

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