Wirtschaft + Unternehmen
Netzgeflüster
Sprache wird schon heute beim Telefonieren in Daten umgewandelt. Noch leisten wir uns den Luxus, diese Daten im Unternehmen separat im Telefonnetz zu übertragen. Lesen Sie, wie in Zukunft Telefonnetz und Datennetz sinnvoll zusammenwachsen können.
Strippenzieher beherrschen die Szenerie, wenn eine neue Abteilung eingerichtet wird. Zuerst reißen die Jungs vom Telefonbau die Kabelkanäle auf und kriechen unter den Tischen herum. Kurz danach das gleiche Spiel. Diesmal verlegen die Herren von der Computerfraktion ihre Kabel. Und da liegen sie nun einträchtig nebeneinander die beiden Netze, Kabel an Kabel, Buchse an Buchse, und übertragen beide nichts anderes als Daten. Denn ISDN und DECT (Digital Enhanced Cordless Telefon ¿ Schnurlos-Telefon) sei dank, werden unsere Verhandlungen, Absprachen, Wutausbrüche und Liebesschwüre am Telefon heute in der Leitung zu nichts anderem als Nullen und Einsen. Was liegt näher, als diese beiden Netze miteinander zu verheiraten. Der Trauspruch dazu lautet kurz und knapp VoIP.
Gut verpackte Worte
VoIP steht für Voice over Internet Protocol, zu deutsch und etwas ausführlicher: Sprachübertragung über Datenleitungen in einer Art und Weise, wie Daten auch im Internet übertragen werden. Weil im Internet sehr viele gleichzeitig "reden" und dazu mal dahin, mal dorthin klicken, käme man mit einer Vermittlung, die ähnlich dem Fräulein vom Amt feste Verbindungen zwischen zwei Teilnehmern legt, nicht sehr weit. Denn während sie in aller Ruhe eine E-Mail lesen oder eine Webseite betrachten, wäre die Leitung für alle anderen blockiert, obwohl Sie diese in dem Moment gar nicht brauchen. Das Internet Protocol dagegen unterteilt den Datenstrom in kleine Pakete und versieht sie mit einem Adressaufkleber. Eine Art Internet-Paketdienst sammelt Pakete verschiedener Teilnehmer, packt sie auf einen freien LKW, sprich Leitung, und verteilt sie wieder. Ruht der Datenverkehr, bleibt die Datenautobahn für andere frei. VoIP macht nun aus der Sprache ebensolche Datenpakete, die übers Intra- oder Internet verschickt werden können. Das hausinterne Telefonnetz plötzlich arbeitslos? Unendlich viele Telefonanschlüsse? Halt, ganz so einfach ist es nicht. Zum einen fordert der Sprachdatenstrom eine relativ hohe und vor allem verlässliche Bandbreite wie sie nur in firmeneigenen Netzen sichergestellt ist. Das Schwätzchen mit dem Kollegen aus USA übers öffentliche Internet ist zwar theoretisch möglich, wegen der unzuverlässigen Verbindung aber (noch) nicht praktikabel. Ein weiteres Manko sind die permanent absturzgefährdeten Rechnernetzwerke, die bei Ausfall die VoIP-Telefone gleich mit lahm legen würden.
Sicherer Wechsel
Bei Philips Business Communications kennt man diese Bedenken nur allzu gut ¿ und ist sich gleichzeitig der großen Vorteile von VoIP bewusst. Deshalb haben die Eschborner eine Palette von Produkten entwickelt, die sowohl die klassische Telefonanlage um VoIP erweitern, als auch den sanften Übergang von der Telefonanlage hin zu VoIP erlauben. Und wer Vertrauen in Windows NT hat, der kann auch ganz auf VoIP setzen. Herzstück dieser "Jeder wie er´s mag Lösung" ist Call@net, eine Software zur Verbindungssteuerung, die sowohl auf der klassischen Telefonanlage SOPHO iS3000 der Eschborner die Telefonleitungen managt, als auch aus einem gewöhnlichen Windows NT-Server einen IP-Call Manager macht. Der fungiert dann als Telefonanlage für VoIP und verteilt Gespräche in Datennetzen mit gleicher Funktionalität, nur eben in Paketform. Also hüben wie drüben Weiterschaltungen, Rufumleitungen, Ansagedienste, Gruppenfunktionen, Gebührenerfassung und, und, und...
Die Apparate bleiben an der Telefonanlage die gewohnten analogen, ISDN- oder Komforttelefone. Die VoIP-Telefonierer dagegen greifen zum Komforttelefon Ergoline@net, das seinem ISDN-Bruder äußerlich bis aufs Haar gleicht aber wie ein Rechner ans Intranet angeschlossen wird. Und wer ohnehin wenig Platz auf dem Schreibtisch hat, der lädt sich einfach das Softphone auf den Rechner und verzichtet ganz auf den Sprechknochen. Die kleine Software macht aus einem Rechner mit Soundkarte und Mikrofon oder Sprechgarnitur ein einfaches Telefon, das mit verschiedenen Zusatzmodulen zum Komforttelefon oder sogar zum kompletten Call-Center Arbeitsplatz ausgebaut werden kann. Mit diesen wenigen Bausteinen, lassen sich die unterschiedlichsten Telefonprobleme in den Griff bekommen. Hier ein paar Szenarien:
Digitale Vielfalt
Die Außenstelle am anderen Ende der Stadt oder gar im Nachbarland hängt mit zwei dicken und teuren Strängen an der Zentrale: Daten- und Telefonleitung. Während die Rechnernetze in der Regel gut aufeinander abgestimmt sind, fristen die Telefonnetze meist ein Einzelgängerdasein. Mit je einem Link@net-Gateway, einer Verbindung zwischen der Telefonanlage und der Datenleitung nach draußen, lässt sich nicht nur Telefonleitung kappen und so manche Mark sparen. Jetzt können die beiden Telefonanlagen zudem problemlos Daten, das heißt Telefonlisten, Rufumleitungen und sonstige Einstellungen miteinander austauschen.
Das Büro zu Hause wird in nicht allzu ferner Zukunft für einige von uns zur Wirklichkeit werden. Die Technik dafür steht unter anderem dank VoIP heute schon zur Verfügung. Mitarbeiter außerhalb des Unternehmens können sich über virtuelle private Netzwerke (VPN, siehe cogito 02/01) nicht nur in das Rechnernetz ihres Unternehmens einloggen, sondern gleichzeitig auch in dessen Telefonanlage. Einfach die Telefonumgebung samt Telefonverzeichnis auf das heimische Telefon herunter laden und Kurzwahl, Ansagetext und Gesprächsweiterleitung funktionieren zuhause so, als ob Sie an Ihrem Schreibtisch in der Abteilung säßen.
Die neue Abteilung muss schnell und kostengünstig eingerichtet werden. Die Kollegen arbeiten ausnahmslos am Rechner. Das Datennetz muss einfach laufen, steht es, können die Leute ohnehin nach Hause gehen. Warum also die Telefone nicht gleich mit ans Netz hängen und über einen IP-Call Manager mit der klassischen Telefonanlage verbinden? Jetzt können Arbeitsgruppen ihre Konferenzschaltungen und Gruppenrufe direkt an ihrem Arbeitsplatzrechner verwalten.
Das IT-Startup Unternehmen vertraut voll und ganz in seine Fähigkeiten und in die Technik, die es vertritt. Telefonanlagen sind was von gestern. Ein gut ausgebautes Intranet und ein IP-Call Manager erledigen den Job mit. Der Administrator muss jetzt nur noch die Telefondaten in einem System verwalten. Viele in dem jungen, dynamischen Team arbeiten zudem zuhause, und teilen sich im Büro einen Schreibtisch. Seine individuelle Telefonumgebung lädt sich jeder mit dem Einloggen ins Netz auf das Telefon. Und die Hotline freut sich darüber, dass sich das Softphone beim Problemlösen am Rechner so einfach nebenher bedienen lässt. Wächst das Unternehmen nach dem Börsenstart, wird der IP-Call Manager, der bis zu 250 Anschlüsse verwalten kann, einfach mit einem zweiten vernetzt und die Anschlusszahl verdoppelt.
Sie sehen, VoIP bietet für jeden was. Sicher, es wird noch eine ganze Weile dauern, bis die gute, alte Telefonanlage ins Museum wandert. Andererseits werden Datennetze täglich leistungsfähiger und zuverlässiger. Warum also nicht schon heute mit dem Netzgeflüster beginnen?
Matthias Meier
Links: http://www.sopho.philips.com








