Mikrochips und Sport
Experten diskutierten über Trends der Mikro- und Nanotechnologie in Brasilien
Im Mai trafen sich 18 Delegationen aus verschiedenen Ländern zum 20. Micromachine Summit 2014 in Brasilien. Die Bedeutung der Mikro- und Nanotechnologien vor allem für Sport- und Medizintechnik stand in diesem Jahr im Mittelpunkt des Treffens. Auch zwei Chemnitzer Innovationen wurden präsentiert.
Beim Vorrundenspiel Frankreich gegen Honduras am vergangenen Sonntag konnte die neue Torlinientechnik "Goalcontrol" erstmals zeigen was sie kann: In der 48. Minute entschied sie richtigerweise auf Tor für Frankreich, nachdem kurzzeitig nicht klar war, ob der Ball die Linie im vollen Umfang überschritten hatte.
Bevor die elektronische Torlinien-Technologie in Brasilien zum Einsatz kam, blickten Experten aus Mikro- und Nanotechnologie bereits im Mai nach Südamerika. Vom 12. bis 14. Mai 2014 trafen sich dort weltweite Vertreter dieses Technologiebereiches im brasilianischen São Paulo und Campinas zum 20. Micromachine Summit. Ein Thema war die Bedeutung dieser Technologien für den Sport. Angereist waren 58 Delegierte aus 18 Ländern und Regionen. Chefdelegierter der deutschen Delegation war Prof. Dr. Thomas Geßner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme ENAS und Direktor des Zentrums für Mikrotechnologien der Technischen Universität Chemnitz.
Die Delegierten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Fachverbänden und Politik stellten Forschungsprojekte und Anwendungsbeispiele von Mikro- und Nanotechnologie in den Bereichen Sport- und Medizintechnik, Umwelt und Energie sowie Smart Systems Integration in den Mittelpunkt ihrer Diskussionen. Dabei zeigten die sechs deutschen Vertreter unter anderem wie Mikrotechnologien in der modernen Medizintechnik Einzug halten. Sie stellten Entwicklungen von medizinische Heil- und Pflegeprodukte für die alternde Gesellschaft vor, aber auch intelligente mobile Diagnosesysteme, die unabhängig von Laboren vor Ort Krankheitstests ermöglichen. Ein solches Testverfahren für die Tropenkrankheit Chagas wird vom Fraunhofer ENAS und der Chemnitzer BiFlow Systems GmbH mit weiteren Partnern im europäisch-brasilianischen Forschungsprojekt PodiTrodi entwickelt.
Im Bereich Energie wurde "Astrose" vorgestellt. Die Stromerzeugung durch Sonne und Wind fluktuiert in Deutschland mit dem Tagesverlauf und der Witterung enorm stark. Dadurch entstehen Zeiten, in denen die Leitungskapazität der Hochspannungsnetze erreicht wird und unter ungünstigen Umständen Erzeuger von Ökostrom vom Stromnetz abgeschaltet werden müssen. Die TU Chemnitz und die Fraunhofer-Institute IZM und ENAS haben zusammen mit den Unternehmen MITNETZ Strom, RWE, MPD und KE-Automation ein Funksensornetz entwickelt, das dabei helfen soll, Reserven zu erschließen, die sich bei starkem Wind oder wenig Sonne ergeben. Es besteht aus einer Vielzahl von Sensorknoten, die im Abstand von einigen hundert Metern entlang des Leiterseils aufgehängt sind. Jeder Sensorknoten des Netzwerks erfasst in einem 15-minütigen Intervall die aktuellen Sensorwerte für Neigung, Temperatur und Strom und überträgt die gewonnen Daten mit einem Zeitstempel versehen zum benachbarten Sensorknoten in Richtung Basisstation im Umspannwerk. Dort werden die Informationen aller Messstellen in die Netzleittechnik eingebunden.
Das Micromachine Summit wurde 1995 vom Micromachine Center in Japan ins Leben gerufen. Nach Stationen in Asien, Europa, Nordamerika und Australien wurde die Veranstaltung nun in diesem Jahr zum ersten Mal in Südamerika ausgerichtet. Das Treffen dient als Plattform zur globalen Vernetzung von Experten und Entscheidern und bietet dem ausrichtendem Land die Chance, seinen Standort zu präsentieren. kf








