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Artikel und Hintergründe zum Thema

INDUSTRIAL Production Thementag Künstliche Intelligenz

Andreas Mühlbauer,

Großes Interesse am KI-Forum auf der Motek

„Keine Angst vor KI – Potenziale nutzen, wettbewerbsfähig bleiben“ – mit diesem Aufruf hatte Industrial Production im Rahmen des Vortragsforums der diesjährigen Motek Experten zu Gast, die über Einsatzmöglichkeiten und Herausforderungen der KI in der Industrie referierten.

Die Podiumsdiskussion mit dem Titel „Fachkräfte, Energiepreise und Klimaschutz – ist der Produktionsstandort Deutschland noch zu retten?“ Von links: Ingo Herbst, Marco Dutenstädter, Andreas Mühlbauer, Patrick Hantschel, Markus Berghammer. © Pelemedia

Sowohl die Fachvorträge als auch die abschließende Podiumsdiskussion stießen auf große Resonanz. Fachbesucher und Interessenten nahmen einiges mit: mehr Verständnis für die Potenziale von KI, praxisnahe Lösungen sowie optimistische Handlungsansätze.

Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt den Menschen, sie ersetzt ihn nicht. Der Mensch wird nicht vergessen beim Einsatz von KI. Sie greift dort ein, wo Operationen die Fähigkeiten des Menschen überfordern – sie ist Enabler für verschiedene Aspekte auch im Bereich der industriellen Fertigung. Zu diesem Fazit lassen sich die Aussagen der insgesamt sechs Fachvorträge am Vormittag des zweiten Messetages der Motek zusammenfassen. Die mit zeitweise mit mehr als 100 Zuschauern gut besuchten Redebeiträge fokussierten die KI aus unterschiedlichen Blickwinkeln – etwa KI in der industriellen Robotik, KI-basiertes Greifen, Machine Learning sowie KI als Digitale Services. Das Forum mit seinem prägnanten und praxisbezogenen Format war eine geeignete Plattform, um über die Potenziale von KI in der Industrie aufzuklären. Es fand große Resonanz und hohe Aufmerksamkeit bei den Produktionsautomatisierern, die ihre Prozesse verbessern und wirtschaftlicher machen wollen.

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Die Vorträge im Einzelnen:

  • Digital Factory, Machine Learning und Condition-based Maintenance
    Markus Berghammer, Director International Business Development Factory Automation, Phoenix Contact

  • Voraussetzungen und wirksame Grundlagen für KI-Anwendungen - aus Sicht eines Komponenten- und Systemlieferanten
    Patrick Hantschel, Leiter Digitalization Center, Wittenstein 

  • Ist das KI oder kann das weg? KI in der industriellen Robotik
    René Kirsten, Research Team Manager Robotics & Automation, ABB

  • igusGO App bringt Kunden und nachhaltige Produkte zusammen
    Kai Finke, Senior Manager Online Tools and Plattform, Igus

  • KI-basiertes, intelligentes & flexibles Greifen von unbekannten Objekten
    Marco Dutenstädter, Geschäftsentwicklung Robotik, J. Schmalz

  • KI als Digitale Services im Datenraum
    Pascal Rübel, Projektleiter Factory-X, Gebietsverantwortlicher für Industriegeschäft, SmartFactory Kaiserslautern
Die mit zeitweise mit mehr als 100 Zuschauern gut besuchten Redebeiträge fokussierten die KI aus unterschiedlichen Blickwinkeln. © Pelemedia

Die Fertigung braucht KI für die Zukunftsfähigkeit

Was Fertigungsunternehmen brauchen, ist hinlänglich bekannt: mehr Effizienz bei Abläufen, Ressourcen und Energieverbrauch, eine bessere Performance, weitere Einsparungen, höhere Auslastungen und Verfügbarkeiten. Hier kann KI wesentliche Unterstützung leisten und ein Turbo für Lean-Abläufe sein: erst die Prozesse verbessern, per Digitalisierung vernetzen, und hierauf KI-Anwendungen setzen. Resultat sei die stetige Optimierung aller Aktionen und die Vermeidung von Verschwendung mit dem Effekt, Zeit und Kosten zu reduzieren und zugleich die Qualität zu steigern.

Die anwenderspezifisch ausgearbeiteten mathematischen Verfahren der jeweiligen KI-Anwendungen setzen eine durchgängige Digitalisierung aller relevanten Komponenten und Prozesse voraus, und die hieraus entstehenden Daten müssen offen sein. Nutzenaspekte der Anwendung von KI – Flexibilisierung, Vereinfachung, Performancegewinn und Kosteneinsparung – sind nur dann realisierbar, wenn Datenräume geöffnet und geteilt werden. Ohne diese Offenheit geht es nicht. Nur dann ist zum Beispiel eine Condition-based Maintenance möglich, für die mechatronische Komponenten und Systeme Betriebsinformationen eigenständig erfassen und kommunizieren. Nur mit dieser Offenheit ist eine Remote-Betreibung von Maschinen möglich, etwa im Rahmen eines Geschäftsmodells, bei dem Fertigungsunternehmen Maschinen als Dienstleistungs-Abo mit flexibel und bedarfsgerecht zuschaltbaren Funktionsmodulen nutzen. Und nur mit dieser Offenheit sind auch digitale Services nutzbar beispielsweise in Bereichen, in denen Arbeitskräfte aus Gründen der demografischen Entwicklung fehlen. KI unterstützt diese Arbeitsbereiche und ist der Schlüssel dafür, dass Industrie 4.0 produktiv umsetzbar wird.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist noch zu retten, aber …

Im Anschluss an die Vorträge lud Chefredakteur Andreas Mühlbauer zur Podiumsdiskussion ein: Dr. Ingo Herbst, Leiter Kommunikation und Pressesprecher der Technologie-Initiative Smart Factory KL in Kaiserslautern, Marco Dutenstädter, Geschäftsentwicklung Robotik beim Spezialisten für Vakuumtechnik, Automation und Handhabung J. Schmalz, Patrick Hantschel, Director Digitalization Center und zuständig für Corporate Foresight, Research and Development bei Wittenstein sowie Markus Berghammer, Director International Business Development Factory Automation bei Phoenix Contact Electronics, diskutierten darüber, ob der Wirtschaftsstandort Deutschland noch zu retten sei. Das Resümee der Diskutanten fiel einstimmig aus: Ja! Denn es gebe gute Perspektiven, beste Voraussetzungen und viel Potenzial. Keineswegs stünde der Wirtschaftsstandort am Abgrund. Aber: Es gibt viel zu tun auf vielen Ebenen! Podiumsteilnehmer waren sich einig: Die Akteure der Wirtschaft benötigen mehr Freiräume für die Entwicklung von Innovationskraft. Das Land habe „tolle Köpfe“, eine „tolle Forschung“, sei „super vernetzt“. Nun gelte es, mehr Mut zu zeigen, den Pioniergeist wieder aufzufrischen und vorhandene Möglichkeiten zu nutzen. Wichtig sei es auch, nicht immer den sicheren Hafen im Blick zu haben, sondern auch Bereitschaft zum Scheitern mitzubringen. Schluss also mit der „German Angst“ – dieser bremsenden Mischung aus Mutlosigkeit, Zögerlichkeit, Zukunftsangst und Sicherheitsbedürfnis. „Optimismus ist Pflicht“, mahnte Marco Dutenstädter.

… es gibt noch viel zu tun, am besten gemeinsam

Die Runde war sich auch darin einig, dass der Fokus auf Bildung, Ausbildung und Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen verstärkt werden muss. Auch die Attraktivität der naturwissenschaftlichen Fächer sei weiterhin zu stärken. Vor allem gelte es, Problemlösungen gemeinsam mit Partnern anzugehen. „Hierfür ist es nötig, Vertrauen zu schaffen und sich zu öffnen. Wir brauchen ein Mindset, das Offenheit und Kooperationen ermöglicht, ohne in Konkurrenz zu stehen“, konstatierte Ingo Herbst. „Bestimmte Dinge sind nur in einem Konsortium umsetzbar, und dort unbedingt auf Augenhöhe.“

Nachhaltigkeit versus Wirtschaftlichkeit

Mehrwert aus Daten schaffen, Mehrwert aus Kooperationen schaffen und die vorhandenen technologischen Potenziale nutzen – die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschlands könne erfolgreich gelingen, wenn sich engagierte und mutige Experten zusammentun, ihre Partnernetzwerke pflegen und lösungsorientiert auf Ziele hinarbeiten. So fasste Andreas Mühlbauer die Diskussion zusammen. Allerdings nicht ohne die Abschlussfrage, ob denn das Prinzip der Nachhaltigkeit überhaupt mit wirtschaftlichem Handeln vereinbar sei.

Patrick Hantschel betonte: "Leider stehen das Streben nach Gewinnmaximierung und der internationale Wettbewerb im Widerspruch zur Nachhaltigkeit. Unsere Firmen benötigen Freiraum, Geschwindigkeit und Investitionen, um die Innovationskraft von Deutschland zu stärken. Wir haben in Deutschland exzellente Fachkräfte, die ein großer Hebel unserer Innovationskraft sind." Marco Dutenstädter ergänzte: „Wir müssen Arbeitsweisen anpassen, in Prozessen denken, konkrete Schritte gehen, auch wenn sie zunächst noch klein sind.“ Kreisläufe seien zu etablieren und Ressourcen bewusst einzusetzen, dann seien Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze.

Das Spagat freilich bleibt und ist täglich zu bewältigen – immer mit dem Blick über den Tellerrand hin zum gesellschaftlichen Horizont. Denn auch Kunden weltweit achten zunehmend darauf, ob Hersteller die Nachhaltigkeitsprinzipien beachten. Insoweit ist nachhaltiges Produzieren ein Aspekt für die Stellung am Markt und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit.

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