Wirtschaft + Unternehmen

Immer mehr - und ältere - eigene Chefs

Von 800.000 auf 2,6 Millionen, also rund 40 Prozent, stieg die Zahl selbstständiger Alleinunternehmer innerhalb von 10 Jahren (2000 bis 2011), so eine am heutigen Mittwoch veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der Selbstständigen mit Beschäftigten dagegen nur um 3 Prozent.

Ein Hauptgrund dafür sei die Förderung von Solo-Selbstständigen durch die Arbeitsagenturen gewesen. Für das Handwerk habe es zudem eine Lockerung der Rechtsvorschriften gegeben, sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. In diesem Sektor habe es kräftige Zuwächse gegeben, ebenso bei Publizisten, Künstlern und im Reinigungsgewerbe. Bei den Einkommen der Solo-Selbstständigen gebe es große Unterschiede. "Ein Teil verdient recht ordentlich, auf der anderen Seite haben wir einen erheblichen Teil, der nur sehr niedrige Einkommen hat", konstatierte Brenke. Der Durchschnittsverdienst der Alleinunternehmer liege bei etwas weniger als 13 Euro brutto pro Stunde.

Ebenfalls stark gestiegen ist im gleichen Zeitraum die Zahl der Erwerbstätigen in der Altersgruppe der Über-65-Jährigen. Gab es im Jahr 2001 knapp 400.000 erwerbstätige Senioren, so waren es 2011 mit fast 800.000 doppelt so viele. Ihre Anzahl wird weiter zunehmen, prognostiziert Brenke. Der Experte hat die Arbeits-, Einkommens- und Lebenssituation der "alten" Erwerbstätigen untersucht und dabei Überraschendes festgestellt: In keiner anderen Altersgruppe gibt es so viele Selbständige - seien es solche mit Arbeitnehmern oder allein tätige. Der Großteil der selbständigen Senioren mit Angestellten arbeitet Vollzeit, die älteren Arbeitnehmer hingegen meist in Teilzeit, oft in Mini-Jobs. Die Älteren sind nicht schlechter qualifiziert als die Jüngeren und verdienen im Schnitt pro Stunde sogar mehr - und sie sind zufriedener als ihre Altersgenossen, die nicht arbeiten. Finanzielle Not ist für den Großteil wohl nicht das Hauptmotiv, das sie zur Arbeit treibt. "Rund zwei Drittel der Alten kämen auch ohne die zusätzliche Erwerbstätigkeit zurecht", so Brenke. "Es gibt aber auch welche, die arbeiten müssen." hs

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